Sonntag, 18.11.2018

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Adrenalinkick beim Flug über den Igelsbachsee

In der Reihe "Ausprobiert" testet AB-Reporter Mario Früh diesmal die Zipline des Enderndorfer Erlebniswalds - 24.08.2018 18:21 Uhr

Mit Karacho über den Igelsbachsee: AB-Reporter Mario Früh testete die Seilrutsche im Abenteurwald Enderndorf. © Foto: Michael Emig


Ich stehe auf einer Plattform mitten in den Baumwipfeln und blicke auf ein silbernes Rohrsystem, das sich durch die Baumkronen schlängelt. Hier beginnt mein Abenteuer in luftiger Höhe. Vom Startpunkt der Fly-Line im Abenteuerwald Enderndorf aus düse ich, versehen mit einem Sicherheitsgurt und vorschriftsgemäß eingehakt, in Schlangenlinien in etwa zehn Metern Höhe durch die Baumwipfel. Nach knapp zwei Minuten kommt mir der Boden immer mehr entgegen. Es geht auf das Ende der Bahn zu. In einem Auslauf aus Hackschnitzeln komme ich schließlich zum Stehen. Ein spaßiger Ritt durch die Baumkronen liegt hinter mir. Während der Abfahrt habe ich 60 Höhenmeter überwunden und 75 Kurven hinter mich gebracht. Mit einem kleinen Transporter geht es gemeinsam mit anderen "Fly-Linern" zurück zur Basis des Kletterparks.

Die Fly-Line war nämlich nur das Aufwärmprogramm. Jetzt kommt das große Highlight des Kletterparks Enderndorf und der Grund, warum ich überhaupt hier bin: Die Überquerung des Igelsbachsee in luftiger Höhe. Um zum Startpunkt der Seeüberfahrt zu gelangen, muss normalerweise der komplette Parcours quer durch den ganzen Kletterpark bis zur Station neun überwunden werden. Dabei geht es über verschiedenste Stationen in den Bäumen von Plattform zu Plattform. Immer mit einem Gurt gesichert muss man sich seinen Weg über Hängebrücken, Mini-Seilrutschen und Schwebebalken bahnen. Ich spare mir heute allerdings den langen Weg durch den Kletterwald. Für den kompletten Parcours braucht man schließlich um die drei Stunden. Für mich geht es über einen Fußweg direkt zur Station neun.

Dort angekommen, reihe ich mich in die kleine Schlange der Wartenden ein. Das gibt mir Zeit, die Leute, die vor mir an der Reihe sind, zu beobachten. Für manche ist bereits der Aufstieg auf die Plattform eine Überwindung. Nach einem zaghaften Hüpfer von der sicheren Holzfläche hört man oft nur noch einen lang gezogenen spitzen Schrei.

Nach ein paar Minuten bin ich an der Reihe. Über eine Strickleiter gelange ich auf die Plattform, die in einer Höhe von etwa zehn Metern liegt. Wieder werde ich von einem Mitarbeiter des Kletterparks gesichert und an der Seilrutsche eingehakt. Mit einem — in meinen Augen — waghalsigen Sprung in die Tiefe geht die Fahrt auch schon los. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 60 Stundenkilometern fliege ich förmlich über die Wasserfläche. Da ich mich während der Fahrt ein paar Mal um mich selbst drehe, erhalte ich einen wunderbaren Rundumblick über den Igelsbachsee, den Strand und Enderndorf. 560 Meter und 36 Höhenmeter später lande ich auf der anderen Seeseite in einem Auslauf aus Hackschnitzeln in einer kleinen Holzhütte. Michael Emig, der Geschäftsführer des Parks, empfängt mich dort. Er arbeitet selbst auch aktiv im Park mit. Ein paar andere Zipliner warten schon mit einem Grinsen im Gesicht. "Wahnsinn, der totale Adrenalinkick", schwärmt eine Teilnehmerin.

Ich bin ebenfalls ziemlich angetan. Zwar hält sich für mich der Nervenkitzel während der Überfahrt in Grenzen, allerdings wird man für die Mühen des Weges durch den Kletterpark mit einer herrlichen Aussicht belohnt. Ergänzt durch die Fahrt mit der Fly-Line und die Tour durch den Kletterwald kann man im Abenteuerwald Enderndorf einen abwechslungsreichen, actionreichen Tag verbringen.

Muskelkraft gefragt

Schließlich sammelt Michael Emig die "Zipliner" ein und bringt uns mit einem kleinen Boot über den See. Zuvor ist allerdings noch Muskelkraft gefragt, denn durch den derzeit sehr niedrigen Wasserstand des Igelsbachsee ist das Boot am Ufer auf Grund gelaufen. Emig muss es eigenhändig vom Ufer wegdrücken.

Während der Fahrt erzählt mir der Geschäftsführer des Kletterparks von seinen Zukunftsplänen: "Momentan bieten wir die Seeüberfahrt nur als Höhepunkt des Kletterparcours an. In den nächsten Jahren wollen wir einen Turm auf dem Parkplatz des Kletterwalds bauen." So verlängere sich die Überfahrt um etwa einhundert Meter. Außerdem könnten die Besucher dann die Seeüberfahrt einzeln buchen, erzählt Emig.

Dies ist allerdings noch Zukunftsmusik, das Projekt wird frühestens 2020 realisiert. Sicher am Ausgangsufer angekommen, begleitet Michael Emig mich und die anderen Teilnehmer wieder zurück zur Basis. Der steile Aufstieg vom Ufer führt uns dabei unter der Fly-Line Bahn entlang. Über unseren Köpfen schimmert die silberne Bahn der Fly-Line durch die Blätter. Leute rauschen über uns hinweg auf ihrem ersten Schritt Richtung Seeüberquerung.

Wer einen schönen Familienausflug im Seenland machen möchte, ist im Erlebniswald Enderndorf genau richtig. Um alle Attraktionen auszuprobieren, sollten etwa 4-5 Stunden eingeplant werden. Das Tagesticket inklusive Fly-Line, Seeüberfahrt und Klettertour kostet für Erwachsene 30 Euro. Für Kinder unter 16 Jahren werden 25 Euro berechnet. Weitere Informationen unter enderndorf.abenteuer-wald.com oder 09175/907257. 

MARIO FRÜH

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