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Mit Sorge sehen sie allerdings die Pläne der EU-Kommission, die jetzt ihr Konzept für die „Gemeinsame Agrar-Politik“ (GAP) bekannt gegeben hat. Sieben Prozent der Flächen sollen aus der intensiven Nutzung genommen werden, um damit die Umwelt zu stärken. Sonnleitner kennt die Mechanismen der Politik und tröstet: „Es gibt, wie immer, kleine Aufgeregtheiten, aber das werden wir schon schaffen.“
„Die Situation hat sich verbessert, die Linie zeigt aufwärts“, sagte der Niederbayer am Freitag beim Bauerntag des BBV vor 400 Landwirten aus dem Landkreis. Vor allem die Milchbauern dürfen nicht klagen, schlechter läuft es bei den Ferkelerzeugern („extrem wunder Punkt“), die mit den bisherigen Vermarktungsstrukturen das Nachsehen gegenüber den Ostländern haben. „Wir brauchen eine stärkere Angebotsbündelung“, verlangt der Präsident. Er setzt auf die Vernunft der Verbraucher und will, „dass wir Bauern stärker auf die Gesellschaft zugehen und die Leute auf unsere Höfe einladen“. Es gibt seiner Ansicht nach eine schweigende Mehrheit, die in Europa der Landwirtschaft zu 80 bis 90 Prozent mit Sympathie gegenübersteht, „aber die veröffentlichte Meinung ist anders“.
Sonnleitner („Wir brauchen die EU zu unserem eigenen Nutzen“), der als Präsident des Europäischen, Deutschen und Bayerischen Bauernverbands sozusagen die große Weltsicht hat, setzte sich mit den GAP-Verhandlungen auseinander, die festlegen, wie die EU-Agrarpolitik nach 2013 (bis 2020) aussehen soll. Er möchte die Direktzahlungen an die Betriebe erhalten, denn schließlich machen sie derzeit im Schnitt 40 Prozent der landwirtschaftlichen Einkommen aus. Er vermisst bei der Vorlage der Kommission die versprochenen Vereinfachungen. Derzeit bekämen die Bauern an die 2680 Einzelauflagen vorgeschrieben, um Ausgleichszahlungen zu bekommen. Das „Greening“ sieht vor, dass die Bauern künftig auf einem Teil ihrer Äcker keine Lebens- und Futtermittel mehr anbauen dürfen. Für den Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen käme dies nach Sonnleitners Angaben der zwangsweisen Stilllegung von rund 2000 Hektar wertvollen Ackerlands gleich. „Das passt gar nicht zu den Forderungen, die Bioenergie stärker zu forcieren.“ Er ist skeptisch: „Jeder Kommissar, den ich bisher erlebt habe, hat versprochen, die Bürokratie einzudampfen, aber bei jedem hat sie sich verdoppelt.“ Der Redner („Nicht alles, was Kommissar Ciolos macht, ist schlecht“) erwartet, dass Deutschland weiterhin die 330 Euro je Hektar aus der europäischen Agrarkasse bekommt wie bisher.
Er äußerte sich auch zur „verfahrenen Situation“ in Europa und kritisierte die großen internationalen Geschäftsbanken: „Wenn die Banken und Hedgefonds so geprüft worden wären wie wir Bauern, dann hätten wir heute die Krise nicht.“ Den Bankern gehe „das grundbäuerliche Denken“ ab. Dass die Folgen auf die Steuerzahler abgewälzt werden, das sieht er nicht ein: „Wir sollen immer den Buckel hinhalten, da hört’s bei mir auf!“ Er griff das Westerwelle-Wort von der spätrömischen Dekadenz auf und münzte es auf jene Banker um, die in der Krise Millionen verdienten.
Der Niederbayer versteht es, pointiert zu argumentieren: „Unsere Verbraucher leben im Paradies, nur wir Bauern sind immer im Fegefeuer.“ Viele, die in Brüssel agierten, seien weit weg von der Praxis („Brüssel ist ein Biotop“). Er wendet sich gegen das „Gutmenschensyndrom“, wonach man der Gesellschaft automatisch etwas Gutes tue, indem man den Bauern die Flächen wegnehme. Seine Gegenrechnung: „Wir haben in Deutschland seit 1972 an die 500.000 Hektar aus der Nutzung genommen, das sind 20 Hektar täglich in Bayern und 95 in Deutschland.“
Kreisobmann Fritz Rottenberger (Pfofeld) warnte, vor lauter Energiewirtschaft dürfe die Rolle der Bauern in der Nahrungsmittelproduktion nicht vergessen werden. Außerdem appellierte er an die Wahrhaftigkeit: „Alle wollen die Ökoenergie, aber natürlich nicht vor der eigenen Haustür.“ Er erwartet von der Politik „Richtung und Maßstäbe“. Rottenberger hatte seinen Pfofelder Neubürger Dr. Thomas Rex (Leiter des BR-Studios Franken) für die Moderation gewinnen können. Für die „Aktion Sternstunden“ des Bayerischen Rundfunks, die von Rex engagiert unterstützt wird, sammelten die Bauern am Abend spontan 950 Euro.
Die Landjugend diskutierte anschließend mit dem Präsidenten. Artur Auernhammer, der stellvertretende Kreisobmann, moderierte die Beiträge von Sandra Foistner (Agarreferentin der Katholischen Landjugendbewegung), Andreas Forster (Schweinehalter und Ackerbauer), Andreas Renger (Evangelische Landjugend), Michael Seibold (Agrarsozialer Arbeitskreis der ELJ), Matthias Rottler und Gerd Obernöder (Jungzüchterclub). Sonnleitner stellte dabei unmissverständlich fest, dass die deutsche Landwirtschaft in der Globalisierung nicht zum Verlierer geworden ist: „Wir sind weltweit stark und wir verkaufen dort gut, wo es eine große Kaufkraft gibt.“ Ihn ärgert es, wenn von den Kindern Nahrungsmittel verwüstet werden und die Eltern dabei zuschauen. „Bei uns werden die heiligen Güter aus Sattheit weggeworfen, in Afrika verderben sie in Lagern oder auf dem Transport.“ Immerhin outet sich Sonnleitner selbstkritisch: „Ich kann mich nicht ganz ausnehmen, denn meine Enkel werden anders erzogen als wir. Meine Mutter hat sich bekreuzigt, wenn sie einen Laib Brot aufgeschnitten hat.“ Was zuweilen im Fernsehen über die Bauern zu sehen ist („Bauer sucht Frau“), das ärgert ihn zwar zuweilen, amüsiert ihn aber auch, wenn er sich an seine eigene Jugend erinnert: „Wenn der junge Bauer auf die Dirndln zugeht, dann kriegt er auch eine.“
Moderiert von Thomas Rex, äußerten sich anstelle der üblichen Grußworte der amtierende Landrat Robert Westphal, der FDP-Bundestagsabgeordnete Rainer Erdel und der CSU-Landtagsabgeordnete Gerhard Wägemann zu den aktuellen Fragen.
Den Bauerntag begleiteten der Landfrauenchor und die Jugendkapelle Gunzenhausen musikalisch. Unter den Gästen weilten so ziemlich alle führenden Vertreter der landwirtschaftlichen Fachverbände mit BBV-Bezirkspräsidenten Jürgen Ströbel und Geschäftsführer Rudolf Fähnlein an der Spitze, die beiden Landratskandidaten Wolfgang Hauber (FW) und Uwe Döbler (SPD).

In unserer hektischen Zeit kommt das Nachdenken oft zu kurz.