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Sonntag, 23.09.2018

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Cronheimer Kirche ist ein echter Wohlfühlort

Die von außen nüchterne Wehrkirche ist im inneren ein Schmuckstück - 24.08.2018 06:05 Uhr

Die Maria Magdalena Kirche ist für Ortssprecherin Beate Schlicker ihr Wohlfühlort in Cronheim. © Babett Guthmann


Den Anfang macht Beate Schlicker aus Cronheim. Sie ist seit dieser Amtsperiode des Stadtrates, also seit 2014, als Ortssprecherin gewählt, seit 1988 lebt sie in Cronheim. Kontakt zum Ort gab es zuerst durch den Sportverein, und König Fußball hat dann auch dafür gesorgt, dass die Familie hierhergezogen ist. Beate Schlicker steht beim SV Cronheim übrigens nicht nur am Spielfeldrand: Seit 15 Jahren ist sie Vorsitzende des SV.

Die Frage nach dem besonders schönen Ort kann Beate Schlicker nur schwer beantworten, denn sie hat da eine ganze Liste zusammengestellt und aus der Liste dann einige Favoriten ausgewählt. Wenn die zugehörige Ruhebank bereits aufgestellt wäre, hätte sie vielleicht den neu gepflasterten Platz vor dem Feuerwehrhaus ausgewählt.

Außen nüchtern, innen „schnuckelig“, wie Ortssprecherin Beate Schlicker findet: die katholische Cronheimer Kirche St. Maria Magdalena. © Babett Guthmann


Der Dorfweiher hinter dem Cronheimer Schloss zählt für sie ebenfalls zu den Anziehungspunkten: die vier Trauerweiden, der kleine Strudel, der die Wasserfläche belebt, der Blick zu Kirche und im Winter die Eislauffläche für Jung und Alt. "Das ist schon ein schöner Treffpunkt", meint die Ortssprecherin. Weitere Kandidaten: der bei der Dorfverschönerung neu gestaltete und fast autofreie Kirchenweg, der katholische Friedhof als Ruhepunkt am Ortsrand oder die Bank im Schatten der großen Platane. Ihre Wahl fällt aber schließlich auf die katholische Kirche St. Maria Magdalena. "Schnuckelig schön" sei der Innenraum der Kirche, die übrigens tagsüber ab 8.30 Uhr geöffnet ist. Das ist auch wirklich ein bemerkenswerter Kontrast: Von außen kommt die romanische Wehrkirche mit ihrer Ringmauer und dem gut erhaltenen Torbogen sehr nüchtern daher. In alten Tagen war es wohl wichtig, einen sicheren Ort zu haben, in dem man sich vor fremden Bösewichten und Plünderern in Sicherheit bringen konnte. So war die Kirche auch als Vorburg des Cronheimer Schlosses gebaut worden.

Den Blick schweifen lassen

Blattgold-Pracht mit barockem Anklang und Bilderreichtum: Der Innenraum des Cronheimer Gotteshauses. © Babett Guthmann


Öffnet man aber die Kirchentür, schwelgt man sofort in Blattgold-Pracht mit barockem Anklang und einem ungeheuren Bilderreichtum, der mitunter auch neueren Datums ist. Man kann Beate Schlicker verstehen: St. Maria Magdalena lädt dazu ein, sich einfach mal in die Kirchenbank zu setzen, Ruhe zu geben und die Blicke schweifen zu lassen. Der Hauptaltar aus der Mitte des 18. Jahrhunderts ist der Namenspatronin der Kirche Maria Magdalena gewidmet, zwei Seitenaltäre, eine reich verzierte Kanzel aus dem 17. Jahrhundert und ein Deckengemälde im Langhaus sowie die Kreuzweg-Bildergalerie komplettieren die prächtige Ausstattung.

In dem 1935 erschienenen Heimatbuch "Cronheim, ein ehemaliger Adelssitz" des Theologen Dr. Karl Ried befasst sich der Autor auch mit der Kircheneinrichtung, wobei er erstaunlich viele Quellen aufgetan und ausgewertet hat. Seine Ausführungen könnte man in etwa so zusammenfassen: Die Cronheimer haben im Laufe der Jahrhunderte immer wieder an Altären und Bildern herumgebastelt, viel Geld für eine Vergoldung und aufgemalten Marmor investiert. Immer wieder hat eine Altarfigur nicht mehr gefallen oder wurde verbessert. Für die vielen Investitionen und die Honorare der Künstler haben die hiesigen Katholiken viele Opfergottesdienste abgehalten oder immer wieder Sponsoren gesucht.

Die vier Reliquienschreine der heiligen Kirchenväter Hieronymus, Augustinus, Gregor und Ambrosius aus der Zeit um 1750, die heute die Seitenaltäre zieren, sollen die Cronheimer tatsächlich eine Zeitlang auf dem Kirchendachboden untergebracht haben. Die Reliquien – so schreibt Ried – seien dabei verloren gegangen. Im Jahr 1907 wurden die auf Kupferblech gemalten Heiligen vom Dachboden geholt, durch einen Nürnberger Maler aufgefrischt, und die Klosterfrauen von St. Walburga aus Eichstätt nähten acht Reliquienkissen. Dafür erhielten sie 100 Mark. Heute stehen die Porträts in dreieckigen Rokokorahmen wieder stolz und mit Abdeckkissen für verloren gegangenes Knochenmaterial auf den Seitenaltären.

Doch für Ortssprecherin Beate Schlicker sind solche historischen Geschichten weniger interessant. Ihr geht es um das Hier und Jetzt und um das gute Gefühl, inmitten ihrer Kirchengemeinde zu sitzen und das von den Cronheimer Vorfahren mit viel Liebe und Opferbereitschaft eingerichtete Schmuckkästchen St. Maria Magdalena auf sich wirken zu lassen – als Ort der Gemeinschaftlichkeit.

  

Babett Guthmann E-Mail

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