Dienstag, 11.12.2018

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Dittenheim: Mentalbäuerin sorgte für volle Halle

Elke Pelz-Thaller gab in Dittenheim Antworten auf Fragen des Bauerndaseins - 06.12.2018 06:05 Uhr

Das Runde muss ins Eckige – doch dann kann es immer noch ein Eigentor sein: Mentalbäuerin Elke Pelz-Thaller spickte ihren Vortrag in Dittenheim mit anschaulichen Bildern und Vergleichen. © Foto: Jürgen Leykamm


Ihr guter Ruf ist der Persönlichkeitstrainerin und Kabarettistin aus dem Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm dabei vorausgeeilt. Und so konnte der Vorsitzende der Genossenschaftsbank, Wilfried Wiedemann, in der vollen Mehrzweckhalle etwa 400 Besucher begrüßen. Lob gab es dort sowohl für die Landwirte ("Uns ist bewusst, was sie täglich leisten!") wie auch für die Referentin, die zwar gewohnt sei, vor Topmanagern zu reden, aber nie die Bodenständigkeit verloren habe.

Selbstbewusst gab sich der gastgebende Bürgermeister Günter Ströbel, als er von den Dittenheimern als den "besten Böden im Landkreis" sprach. Der Landhandel habe sich hier als Schwerpunkt etabliert, im Gegenzug investiere die Gemeinde in das Kernwegenetz. Nachdenklich die Worte von Landratsstellvertreter Robert Westphal, der Verständnis zeigte für das Sehnen der Landwirte nach verlässlichen Rahmenbedingungen. Nicht durchschaubare Preisfaktoren, massive und kaum erträgliche Kritik machten das Hofleben auch nicht leichter. Und Generationenkonflikte seien sogar in der Lage, "die Leidenschaft am Betrieb zu töten."

Zu Beginn ihres Auftritts kickte Pelz-Thaller gleich mal einen Stofffußball ins Publikum — und wies den Fänger zurecht: Es sei ja ein Spiel mit dem Fuß — außer beim Einwurf. Was man auf dem Spielfeld alles falsch machen kann, bis man in der Kabine auf dem Sünderbänkchen landet, skizzierte die gebürtige Ingolstädterin mit einer großen Prise Humor. Vor dem Fernseher spielt es sich eben leichter.

Von außen kommen auch die Vorwürfe, die sich die Landwirte anhören dürfen – und die Pelz-Thaller provozierend im Publikum verteilte: "Tierquäler! Keimverteiler! Pachtpreisvernichter!" Solche Schlagworte hagele es immer wieder, obwohl die Bauern in Deutschland "Ferrari-Lebensmittel" herstellten und über beste Ausbildung verfügten.

Es mangele sowohl an Wertschätzung wie an der Wertschöpfung. Was auch daran liege, dass früher die Städter die Arbeit auf den Höfen mitbekommen hätten. Nunmehr aber seien die Höfe ausgesiedelt, an den Rand des Dorfes und der Gesellschaft. Die werde misstrauisch, "weil sie nicht mehr weiß, was wir tun", wenn etwa in Niedersachsen ein Stall, bedingt durch Hygienevorschriften, wie eine Festung daherkomme. "Da muss doch was faul sein", sei hier oft die menschliche Reaktion.

Kommunikation vermisst

Es fehle, analysierte Pelz-Thaller, an öffentlicher Kommunikation seitens des Bauernstandes, wie sie funktioniert, werde nicht gelehrt. Während etwa in Luxemburg oder Österreich, wo es sich mit lediglich zwölf Milchkühen leben lasse, Kommunikationspsychologie und Marketing wesentliche Ausbildungsteile seien, begnüge man sich in Deutschland mit ein paar Rhetorikstunden, wie die Referentin es von einer jungen Dame im Saal zu hören bekam.

Kommunikation bedeute aber nicht, Politikern, Verbrauchern oder Verbänden die Schuld für etwas in die Schuhe zu schieben, so die Mentalbäuerin. Sondern selbst Verantwortung zu übernehmen; wie ein Adler, der den Überblick hat – und nicht wie ein Frosch andere fürs eigene Schicksal verantwortlich zu machen. Oder kurz: "Jammern füllt keine Kammern!"

Der Landwirt müsse vielmehr eigenverantwortlich handeln und andere für sich gewinnen, indem er gemeinsame Schnittmengen finde. Die Tierliebe etwa könnte eine solche Gemeinsamkeit zwischen Landwirt und Tierschützer sein. Ebenso ermunterte Pelz-Thaller dazu, neben der eigenen Blickrichtung doch auch mal die des anderen einzunehmen — und zu erkennen: "Wir haben immer beide recht!" Dann habe man schon zwei Perspektiven und damit einen recht guten Überblick – eben wie ein Adler.

Wer Wertschätzung möchte, müsse auch den anderen wertschätzen. Und wer von der Gesellschaft gehört werden wolle, müsse auch in sie hineinhören, so die Referentin. Oder wie ein altes Indianersprichwort sagt: erst in den Schuhen des anderen laufen, dann Kritik üben.

Zu Beginn ihrer Bäuerinnenkarriere nahm die eingeheiratete Städterin das sogar wörtlich und kaufte sich die gleichen Gummistiefel wie ihre Schwiegermutter auf dem Hof, tat es ihr auch beim Schlachttag gleich und schmeckte das Blut für den Presssack ab. Wer sich gut integriere, habe dann auch die Chance, eigene Impulse zu setzen. Und so habe sie damals nicht nur wie die Schwiegermama mehr Majoran eingefordert – sondern auch mehr Pfeffer.  

JÜRGEN LEYKAMM E-Mail

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