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Donald Trump: "Trumpf oder Handicap?"

Norman Blevins wagt in Gunzenhausen eine Einschätzung der Arbeit des amtierenden US-Präsidenten - 18.03.2017 06:00 Uhr

US-Präsident Donald Trump spaltet die Gemüter. © Nicholas Kamm/AFP


"Trumpeltier" ist eines der häufigsten Wortspiele, die in Zusammenhang mit dem Namen des amtierenden Präsidenten der USA zur Zeit zu lesen sind. Und (diplomatisches) Feingefühl ist wahrlich keine der hervorstechenden Tugenden des republikanischen Politikers. Trumps Äußerungen "beeinflussen die Ansicht der gesamten Politik", meint Blevins und beschreibt seine Art und Weise der Kommunikation richtigerweise als "einmalig". Er besitze die "Rhetorik eines Berserkers", habe den Charakter eines "ausgewiesenen Narzissten" und beeinflusse damit die Stimmung im Land maßgeblich.

Trumps Stil, bestimmten Vertretern der Medien den Zugang zu seinen Pressekonferenzen zu verweigern, würde der gebürtige Windsbacher allerdings weniger als Angriff auf die Pressefreiheit bezeichnen wie es vielfach kolportiert wurde; Trump sei einfach "nur eine beleidigte Leberwurst" – anders als Roosevelt, der tatsächlich erwog, die Presse unter Zensur zu stellen. Gemeinsam ist den beiden jedoch ihr rigider Umgang mit Einwanderern: Roosevelt ließ seinerzeit Japaner oder japanischstämmige Amerikaner internieren, Donald Trump will mit einer rigorosen Abschiebepolitik und Grenzsicherung dem illegalen Zuzug einen Riegel vorschieben.

Norman Blevins beleuchtete auf Einladung des CSU-Ortsverbands die bisherige Arbeit von US-Präsident Trump. © Foto: Struller


Norman Blevins ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Büro für Verbindungsstellen in Washington, Brüssel, Moskau, Athen und Internationale Konferenzen der Hanns-Seidel-Stiftung in München. Seine engen Verbindungen und Reisen in die USA haben ihn zu einem ausgewiesenen Kenner der amerikanischen Politik gemacht. Trotz Trumps derzeitigem ungebührlichen Benehmen ist sich Blevins sicher: "Die Republik wird überleben". Der Präsident sei zur Zeit "in der Honeymoonphase und lotet seine Grenzen aus". Dennoch sieht er auch Gefahren: Obwohl Trumps republikanische Partei derzeit in beiden Kammern des Kongresses die Mehrheit hat, kümmert den US-Präsidenten diese Majorität wenig. Bisweilen fährt er eine "konträre Linie zur republikanischen Grundhaltung". Und auch die Partei in sich ist ein wackeliges Gebilde aus den Anhängern der Tea-Party-Bewegung am einen Ende und den Trumpisten am anderen, dazwischen quasi der "normale" Republikaner.

Wirtschaftliches Wachstum, Investitionen in die Infrastruktur, Steuersenkungen oder Begrenzung der Verschuldung: Trumps Programme sollen ihn "sichtbar und greifbar für das Volk machen". Und er wird versuchen seine Vorhaben mit Hilfe der demokratischen Abgeordneten durchzudrücken, "das sorgt für Zündstoff innerhalb des Kongresses – und der Republikaner", folgert Blevins.

Als Präsident hat der ehemalige Unternehmer Trump bisher kaum mit Konzepten überzeugen können, "eine wenig konsequente Person" nennt der Amerikakenner Blevins ihn. Trump agiere selten themenbezogen und sei meist auf "Totalkonfrontation und Auslöschung" ausgerichtet. Dennoch droht ihm deswegen noch lange kein Impeachment, also ein Amtsenthebungsverfahren, auch wenn sich das mittlerweile viele zu wünschen scheinen. Dafür fehlt aber die rechtliche Grundlage.

Ist Donald Trump nun ein Trumpf oder ein Handicap? Sowohl als auch. Ein Trumpf, weil die "Kräfte der Zivilgesellschaft dabei sind, sich zu revitalisieren", wie es Blevins ausdrückt und notwendige Diskussionen offen geführt werden. Ein Handicap, weil er es beispielsweise wagt, Institutionen wie Bundesrichter öffentlich zu kritisieren: "Das ist gefährlich".

Norman Blevins Prognose: Trump macht es entweder acht Monate, dann, wenn er gefrustet und beleidigt die Brocken hinschmeißt oder an einem Herzinfarkt stirbt. Oder acht Jahre, dann, wenn der Machtopportunist sich als "Manager der USA" erfolgreich durchsetzen und das Land in der Außenwahrnehmung nach vorne bringen kann. Denn der "Otto Normalwähler" könne Trump wieder wählen.

Dieser arbeitet 50 bis 60 Stunden in der Woche, hat Schulden und muss den Kindern das College finanzieren. Er beobachtet den Alltag ganz genau und unterstützt die, die Lösungen versprechen – wie Trump: "Lassen wir den mal fertig machen, vielleicht kommt ja noch was raus." 

Barbara Struller E-Mail

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