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Ganz am Ende seiner Ausführungen brachte es Meyerhuber mit dem Zitat eines unbekannten Fotografen auf den Punkt: „Der Amateur sorgt sich um die richtige Ausrüstung, der Profi sorgt sich ums Geld und der Meister sorgt sich ums Licht.“ In diesem Sinn sei Otto Bauer zweifellos als „Meister des Lichts“ einzuordnen. Der im vergangenen Juli mit 95 Jahren verstorbene Bauer arbeitete mit den kontrastreichen Aussagen von Hell, Dunkel, Schwarz und Weiß. Damit hielt er besonders eindrucksvoll die vielfältigen Stimmungen des Tageslichts fest, häufig bereits am frühen Morgen. Meyerhuber wähnt Otto Bauer deshalb „in bester altmeisterlicher Gesellschaft“, vergleicht dessen Vorzüge mit dem berühmten amerikanischen Fotografen Ansel Adams. Insbesondere auch deswegen, weil der Gunzenhäuser „das Bildfindungskonzept des entscheidenden Augenblicks“ für sich in Anspruch nahm.
Darüber hinaus gelinge es, bei der Betrachtung der Bilder des Gunzenhäusers den relativ abstrakten Begriff „Heimat“ zu interpretieren. Und dies habe beileibe nichts mit den gängigen Klischees der heilen Welt zu tun, die in den Heimatschnulzen der 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts vermittelt worden seien. Sehr wohl kann Meyerhuber etwas damit anfangen, wenn „Heimat“ im Kontext mit Gefühlen, Hoffnungen und Sehnsüchten zu lesen und betrachten ist.
Aus den Bildern von Otto Bauer sprechen Klarheit und Offenheit, sie reflektieren authentisch und leidenschaftlich „unsere fränkische, mittelfränkische, Gunzenhäuser Heimat“. Zu sehen ist keine fiktive Idylle, Bauers Motive sind gleichermaßen greif- und erkennbar. Ob Menschen, Situationen oder Landschaften – es handelt sich stets um „wohlkomponierte“ Fotografie, so die Einschätzung Dr. Meyerhubers. Mit sinnigen Zitaten des Kunsttheoretikers Karl Pawek und des Fotografen Henri Cartier-Bresson wies der Redner auf den bisweilen grotesk diskutierten Zwiespalt hin, ob Fotografie auch Kunst sei. Zumindest bei den „Werken“ Otto Bauers gebe es für ihn keine Zweifel, ließ Meyerhuber wissen: „Die hier gezeigte Fotografie ist Kunst!“.
Eher einem Zufall ist es zu verdanken, dass die Ausstellung überhaupt zustande kam. Ausgerechnet Meyerhubers jüngere Schwester hatte einst bei Otto Bauer mit großer Begeisterung und bemerkenswerten Ergebnissen Fotokurse absolviert. Und sie ist es auch gewesen, die auf einem Trödelmarkt fünf gerahmte Fotos des Lehrmeisters entdeckte und sofort „rettete“. Allerdings nur solange, bis sie vom kunstbeflissenen Bruder „nach langen und hartnäckig geführten Verhandlungen“ ein zweites Mal „gerettet“ wurden. Diesmal jedoch zugunsten der Verantwortlichen des Kunstforums und der Öffentlichkeit.
Darüber freute sich auch Otto Bauers Witwe Maria, die mit Sohn Thomas bei der Ausstellungseröffnung selbstverständlich anwesend war. Letzterer erzählte von seiner Kindheit, den unvergesslichen Erlebnissen an die Passion des Vaters und der damit verbundenen Begleitumstände. Ebenfalls aus dem Nähkästchen plauderte Helmut Macher von den Fotofreunden Gunzenhausen. Er erinnerte sich daran, dass die bisweilen flapsigen Sprüche des langjährigen Vereinsvorsitzenden und anerkannten Experten in interner Runde stets präsent gewesen sind.
„Ein schönes Bild für einen Kalender, aber nichts für eine Ausstellung!“, „Hat dieser Käfer noch gelebt, als er fotografiert wurde?“ oder „Bei den Tautropfen habt ihr doch bestimmt mit einer Sprühflasche nachgeholfen!“ – augenzwinkernde Bemerkungen, die von Otto Bauer ausnahmslos als positive und konstruktive Kritik eingeworfen wurden. Bei Ausstellungen oder diversen Wettbewerben auf Bezirks-, Landes- und Bundesebene sammelten die Mitglieder der Fotofreunde etliche Auszeichnungen. Dies lag vor allem auch an den Erfahrungen und Kenntnissen Bauers, dessen Vorbildfunktion quasi eine inspirierende Wirkung erzielte. Als es jetzt darum ging, für die Ausstellung entsprechende Bilderrahmen zur Verfügung zu stellen, ließen sich die Fotofreunde nicht zweimal bitten. Dafür galt ihnen der Dank des stellvertretenden Vorsitzenden des Kunstforums, Holger Pütz-von Fabeck.
Es gibt also viele Gründe, die Ausstellung in den Räumen am Marktplatz 11 zu besuchen. Der lokale Charakter trägt wohl maßgebend dazu bei. Insbesondere jedoch sind es die überaus stimmungsvollen Fotografien Otto Bauers, deren Betrachten „heimatliche Gefühle“ hervorrufen. Die Möglichkeit dazu besteht noch bis einschließlich 4. März, jeweils Samstag und Sonntag von 11 bis 16 Uhr.

In unserer hektischen Zeit kommt das Nachdenken oft zu kurz.