Sonntag, 18.11.2018

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Eine kulinarische Fahrradtour um den Altmühlsee

Unser neuer Redakteur testete an seinem ersten Tag die Kioske und Biergärten am Ufer — Und die Kuchen haben es ihm angetan - 25.08.2018 06:10 Uhr

Im Boothaus gab es cremiges Schokoladeneis, gekrönt von Schokosauce, Schokostreusel, einer Eiswaffel und einem Schokoklecks. © Foto: Micha Schneider


Es war lange her. Irgendwann, Anfang der 90er Jahre muss das gewesen sein. Erinnern kann ich mich an meinen ersten Besuch am Altmühlsee nicht, schließlich war ich damals maximal drei Jahre alt. "Wir haben mal eine Fahrradtour mit euch dort gemacht, als ihr klein wart", hatte mir meine Mutter gesagt, als ich ihr davon berichtete, dass ich künftig in Gunzenhausen als Redakteur eingesetzt werde. Wie idyllisch es an jenem Altmühlsee ist, konnte ich bislang höchstens auf Fotos in alten Familienalben erahnen.

Manuela Nähr vom Strandhaus Muhr


Höchste Zeit für einen zweiten Besuch. Dass es doch so schnell ging, hätte ich aber nicht erwartet. Nach einer knappen halben Stunde in der neuen Redaktion, hatte mich der Altmühlsee nach 25 Jahren wieder. Die Kioske und Restaurants sollte ich besuchen. Ein kulinarischer Reisebericht mit dem Fahrrad – zugegeben, es gibt schlimmere Termine an ersten Tagen in neuen Redaktionen. "Einfach immer gerade aus, dann kommst du direkt an den See", gab mir die Kollegin noch mit auf den Weg. Und tatsächlich: Das Urlaubsfeeling ist nur ein paar Minuten vom Redaktionsgebäude entfernt. Vorbei am Marktplatz, durch einen kleinen Tunnel, schon kann man einen ersten Blick über die Pflanzen am Ufer auf den Altmühlsee erhaschen. Oben am Radweg angekommen, sieht man dann fast nur noch eines: Blau. Bis zum Bootshaus, meiner ersten Station, ist es auch gar nicht so weit. Das Ambiente?

Braune Holztische unter schattenspendenden Sonnenschirmen. "Kuchen haben wir leider erst ab 13 Uhr", sagt Wolfgang Bauer, der Inhaber des Boothauses. Dafür gibt es hier um 11 Uhr schon gutes Dessert. Ein cremiges Schokoladeneis, gekrönt von Schokosauce, Schokostreusel, einer Eiswaffel und einem Schokoklecks. Dazu ein Cappuccino. Der Ausblick auf den See? Traumhaft. Viel besser kann man wohl nicht in den Tag starten. Fast nur Touristen hätten sie hier als Gäste, berichtet Bauer. "Und die wollen vor allem fränkisch essen". Gerne würde ich noch eine Weile sitzen bleiben, den Kindern beim Spielen zuschauen und die Segelboote beobachten. Doch es geht weiter, zur nächsten Station: Das Surfcenter Altmühlsee, das von Willy und Lydia Rupp betrieben wird und in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen feiert. "Damit sind wir die ältesten am See", sagt Willy Rupp. Das Besondere am Surfcenter: Setzt man sich an einen der vorderen Tische, trennt einen nur noch der Radweg vom Wasser. So nah sitzt man sonst fast nirgends am See. Und: Es gibt Kuchen. Guten Käsekuchen. Nach einem kurzen Aufenthalt zieht es mich weiter. Die Mittagssonne brennt vom Himmel, der kühle Wind, der mir auf dem Fahrrad entgegen weht, tut gut. Ein paar Minuten geht das so, ehe schon das nächste Kiosk zum Verweilen einlädt. Das Strandhaus Muhr am See.

Schöner Ausblick und Kuchen

Die Bierbänke sind zwar nicht ganz so dicht am See aufgestellt wie beim Surfcenter, die Auswahl an Kuchen ist aber normalerweise nicht minder groß. Fünf bis sechs Sorten haben sie hier im Sortiment. Himbeer- Erdbeer- oder Käsekuchen. "Bei dieser Hitze haben wir aber immer nur einen Kuchen im Angebot", sagt Manuela Nähr, die seit vier Jahren hier angestellt ist. Auf der Gartenterrasse serviert mir Nähr heute also Stachelbeerkuchen. Ich bin am richtigen Tag gekommen, denke ich mir, während ich hinein beiße und den Ausblick auf das Wasser und den angrenzenden Familienzeltplatz genieße. Ruhe, ein schöner Ausblick und guter Kuchen: So könnte es den ganzen Tag weitergehen, doch der Blick auf die Uhr reißt mich aus meinen Urlaubsträumen zurück in die Realität. Die Redaktion und das Tagesgeschäft ruft – vorerst, denn auch auf der anderen Seite des Sees gibt es noch einige Kioske und Biergärten zu entdecken.

Traum von der Wasserterrasse

"Biergarten an der Insel Gern" gebe ich also ein paar Tage später in mein Navigationsgerät ein. Dieses Mal schwang ich mich für meine kulinarische Reise nämlich nicht auf das Fahrrad, sondern fuhr mit dem Auto die Gegend ab. Dass mir auf der Fahrt aufgefallen war, dass ich kein Geld mehr in der Tasche habe, erwies sich in diesem Fall aber als echter Glücksfall – denn auf der Suche nach einer Bank lernte ich auch gleich die Stadt Ornbau mit ihren kleinen, verwinkelten Gässchen kennen. Schon die Einfahrt über die Altmühlbrücke hatte irgendwie den Charme eines südländischen Urlaubsgebiets. Diesen ganz weiten, schönen Ausblick auf einen Großteil des Sees – wie bei meiner Fahrradtour – hatte ich im Biergarten an der Insel Gern dann zwar nicht, dafür nettes Personal, und natürlich: wieder einmal guten Kuchen. Aus dem breiten Sortiment entschied ich mich für den Heidelbeerbaiserkuchen.

Ein guter Start, doch die Reise geht weiter. "Kraftwerk" steht auf dem Schild, das an einem Baum am Eingang befestigt wurde. Und über eine kleine, hölzerne Brücke geht es dann zu jenem Biergarten Kraftwerk, der dem an der Insel Gern optisch ziemlich ähnelt. Auch hier kann man es sich nebenan auf einer großen Liegewiese bequem machen. Eine Art Waldfreibad sozusagen. Aber eben nicht direkt am See, ein wenig abgeschiedener. "Zu 90 Prozent sind es Einheimische, die hierherkommen", sagt Rolf Kraft, der Pächter vom Zweckverband. Die Touristen würden eher die Kioske direkt am See besuchen. "Aber wenn sie dann mal bei uns waren", sagt Kraft, "wollen sie immer wieder hier her." Ein Sandstrand, zu mietende Tretboote, eine Hängemattenarea und ein Spielplatz für Kinder laden zum Verweilen ein. Der Traum von Kraft ist eine Art Wasserterrasse in Kleeblattform. "Aber so etwas würde 20 000 bis 30 000 Euro kosten", sagt Kraft, der klassische regionale Gerichte anbietet. "Aber berühmt sind wir für unseren Salat", sagt er, ehe die Arbeit für ihn auch schon wieder ruft.

Und für mich meine letzte Station. Vorbei an einer Horde spielender Kinder auf dem Kinder- und Jugendzeltplatz Altmühlsee, geht es einen kleinen schmalen Weg hinauf. Man sieht schon die Spitzen der Segelboote, ehe der Horizont sich immer mehr weitet und der Blick auf das Wasser immer weiter wird. Da ist er wieder: Dieser herrliche Ausblick auf den Altmühlsee. Dem Paradies für Kinder folgt das Paradies für Touristen. Ob Fahrradfahrer, Inlineskater oder Wanderer. Gefühlt ist hier bislang am meisten los. Und hier, im "Seezentrum Wald" gibt es für mich zum Abschluss natürlich auch nochmal – wer hätte es gedacht – Kuchen. Mit einer Schwarzwälder Kirschtorte im Bauch geht es zurück in die Redaktion. Doch eines steht fest: Auf meinen nächsten Besuch, will ich nicht wieder 25 Jahre warten. 

MICHA SCHNEIDER

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