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„Einsame Wölfe“ und größere Gruppe

Fernradler sind ein stabiler Faktor im Fremdenverkehr – Reiseveranstalter werden häufiger in Anspruch genommen - 12.10.2012 15:10 Uhr

Gunzenhausen  - Sie kommen im Frühjahr, im Sommer und im Herbst, und sie bilden eine stabile Größe im Fremdenverkehr: die Radtouristen, die mit Sack und Pack unterwegs sind nach dem Motto „heute hier, morgen da“. Diese Form des Reisens erfreut sich ungebrochener Beliebtheit, und davon profitiert auch das Fränkische Seenland. Der Trend geht hier wie anderswo zu mehr Komfort für den Reisenden.

„Wenn das Wetter mitspielt, geht es bereits im April los“, weiß Evi Kraft vom Zweckverband Altmühlsee. Sie hat auch einschlägige Erfahrungen als frühere Mitarbeiterin in der Gunzenhäuser Tourist-Information. Außerdem betreibt ihr Mann Rolf den Kiosk im Seezentrum Ornbau-Gern, und Evi hilft sehr oft mit. Die gut frequentierte Anlage am Zuleiter kann als Anfangspunkt des Seenlands bezeichnet werden, zumindest wenn man sich aus Richtung Rothenburg/Herrieden nähert, auf dem Altmühltal-Radweg.
Das Spektrum bei den Fernradlern, die tatsächlich den Großteil ihres Urlaubs auf dem Sattel verbringen, ist groß. Das gibt es den „einsamen Wolf“, der auf zwei Rädern durch die Lande streift. 150 Kilometer am Tag stellen für ihn kein großes Hindernis dar. Typisch ist auch das Ehepaar, das mit dicken, regenfesten

Der Herbst 2012 kann mit dem wettermäßig überragenden Herbst 2011 nicht mithalten, doch diese Jahreszeit bleibt generell interessant für einen Radurlaub. Unser Bild entstand am Altmühlsee nahe dem Seezentrum Muhr.
Der Herbst 2012 kann mit dem wettermäßig überragenden Herbst 2011 nicht mithalten, doch diese Jahreszeit bleibt generell interessant für einen Radurlaub. Unser Bild entstand am Altmühlsee nahe dem Seezentrum Muhr.
Foto: Wolfgang Dressler
Der Herbst 2012 kann mit dem wettermäßig überragenden Herbst 2011 nicht mithalten, doch diese Jahreszeit bleibt generell interessant für einen Radurlaub. Unser Bild entstand am Altmühlsee nahe dem Seezentrum Muhr.
Der Herbst 2012 kann mit dem wettermäßig überragenden Herbst 2011 nicht mithalten, doch diese Jahreszeit bleibt generell interessant für einen Radurlaub. Unser Bild entstand am Altmühlsee nahe dem Seezentrum Muhr.
Foto: Wolfgang Dressler

Packtaschen ausgestattet ist. Hin und wieder sieht man sogar ganze Familien und fragt sich, wie es die Kinder bloß schaffen, Tag für Tag lange Touren zu machen und dabei mit den Erwachsenen mitzuhalten. In der gerade zu Ende gegangenen Saison fielen Evi Kraft viele Holländer auf. Ihre Zahl steigt. Auch Italiener waren unter den Radreisenden. Deutschland liegt bei den Italienern im Trend, und hierzulande ist es im Hochsommer nicht zu heiß zum Radfahren.
Fernradler sind in aller Regel gute Kunden von Beherbergern und Gastronomie. „Sie geben richtig Geld aus“, stellt Wolfgang Eckerlein, der Chef der städtischen Tourist-Information, immer wieder fest. Die Räder sind wertvoll und wollen gepflegt und repariert werden. Gerne verlangen die Radler nach einer besseren Unterkunft, und beim Abendessen sind sie nicht kleinlich – man hat es sich ja verdient.
Auf der anderen Seite gibt es auch die „Billigheimer“, sei es wegen der knappen Finanzen oder weil sie einfach spartanisch unterwegs sein wollen. Sie haben das Zelt dabei – oder noch weniger. Jedenfalls staunte Evi Kraft nicht schlecht, als eines Morgens aus dem Gebüsch am Kiosk in Gern ein Pärchen krabbelte. Sie hatten bei warmem Wetter die Nacht im Freien verbracht, eine Isomatte genügte ihnen.
Wo wollen die Fernradler überhaupt hin? Der Klassiker ist nach wie vor die Verbindung vom Taubertal über die Frankenhöhe und entlang der Altmühl zur Donau Richtung Regensburg, Passau und Österreich. Als wichtige Einstiegsorte Richtung Südosten gelten Treuchtlingen, Gunzenhausen, aber auch Weißenburg. Der Altmühltal-Radweg ist und bleibt eine feste Bank, das wissen nicht nur die Touristiker.
Immer mehr Gruppen
„Auffallend ist, dass immer mehr Gruppen von Radfahrern unterwegs sind“, berichtet Evi Kraft. Sechs bis acht Leute, das ist keine Seltenheit mehr. Oft haben einige Teilnehmer ein E-Bike, andere fahren konventionell nur mit Muskelkraft. Das scheint zu funktionieren. Die Defizite der körperlich Schwächeren werden durch den Akku wettgemacht.
Diese größeren Gruppen haben meistens ihre Unterkunft gebucht. Sie brauchen sich in dieser Hinsicht keine Sorgen zu machen. Dafür haben sie ein festes Tagespensum und können sich ihre Zeit nicht frei einteilen. Sie würden gerne noch länger am Altmühlsee verweilen, doch die Zeit drängt. Auch solche Stimmen hört Evi Kraft immer wieder.
Anders die kleinen Gruppen oder Einzelreisenden. Sie begeben sich irgendwann am Nachmittag auf Quartiersuche – wo sie halt gerade „gelandet“ sind – und steuern dafür gerne die Gunzenhäuser Tourist-Information neben dem Rathaus an, um Rat zu erhalten. Der wird gerne gegeben. Die Mitarbeiter wissen Bescheid, wo noch Betten frei sind, und wenn es tatsächling eng wird, dann muss eben rumtelefoniert werden. „Das kann schon mal eine halbe Stunde dauern“, ist Wolfgang Eckerleins Erfahrung. Die Radler werden an Pensionen, Gasthöfe, Hotels und Campingplätze vermittelt. Manche Häuser firmieren offiziell als „Bed & Bike“-Betriebe. Sie wissen: Der Kunde von heute verlangt guten Service für sein Geld, etwa einen abschließbaren Fahrradschuppen oder -keller. Die Räder sind gut und teuer, sie dürfen nicht abhandenkommen.
Die städtischen Touristik-Kräfte gehen davon aus, dass der Trend zum Genussradeln anhält. Evi Kraft bemüht hier den Vergleich mit den Kreuzfahrten auf den großen Flüssen. In ähnlicher Weise buchen immer mehr Menschen bei einem Reiseveranstalter feste geführte Touren inklusive Unterkunft und Gepäcktransport. Dieses Segment habe in den letzten Jahren spürbar zugenommen. Davon werde mit Sicherheit auch das Altmühltal weiter profitieren. Hier gebe es ja mit San-aktiv-Tours einen kompetenten Anbieter, der den gesamten Service leisten könne. Das Geschäft mit den Fernradlern sei gerade im Frühjahr und Herbst lebhaft und durchaus noch ausbaufähig. Viele Menschen seien interessiert, einen Zweiturlaub auf dem Fahrrad zu machen.
Dafür rührt die Stadt auch weiterhin die Werbetrommel bei den Fahrradmessen in Friedrichshafen und Karlsruhe. Auch bei der wichtigen Freizeitmesse CMT in Stuttgart ist das Zentrum des Fränkischen Seenlands präsent. Dabei haben die Touristiker die gesamte Palette der radelnden Gäste im Blick. Denn neben den Fernreisenden, die das gesamte Gebiet durchstreifen, gibt es auch die Gäste, die hier eine Unterkunft beziehen und von dort Tagestouren unternehmen, nicht zu vergessen die Tagesausflügler.
Hans-Dieter Niederprüm, der Geschäftsführer des Fremdenverkehrsverbands Fränkisches Seenland, geht davon aus, dass der Radtourismus, ebenso wie der Wandertourismus, noch deutlich zulegen wird. Daher stelle sich die Aufgabe, die Infrastruktur auf hohem Niveau zu halten. „Hier haben wir im Besonderen die Ausschilderung im Blick, die durchaus noch Verbesserungspotenzial bietet“, meint Niederprüm. An die Gastronomie richtet er die Bitte, sich auf die Anforderungen der Radgäste einzustellen und mit leichten Mittagsgerichten entsprechende Angebote vorzuhalten. Insbesondere müsse es mittags auch nach 14 Uhr möglich sein, entsprechende Gerichte zu bekommen. 

Wolfgang Dressler


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