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Für ihn unverständlich, wie er bei einem Vortrag im neuen Bistro des Müssighofes vor den Toren Absbergs betonte. Eigentlich hätte der Dietenhofener zur Stunde seiner Ausführungen bereits in Berlin weilen müssen. Er hat sich aber bewusst für eine spätere Maschine entschlossen, um an der Vorstands- und Hauptausschusssitzung des mittelfränkischen Verbands für landwirtschaftliche Fachbildung (VlF) teilnehmen zu können. „Ich werde heute Klartext reden“, betonte der Biomasse-Pionier und Landwirt. Der Dioxin-Skandal habe viele Zeitgenossen auf eine falsche Fährte geführt. Dass etwa Eier von Hühnern auf Biobauernhöfen weniger belastet seien als andere, sei nicht nachgewiesen. Wahrscheinlich sei eher das Gegenteil der Fall.
Vieles, was derzeit diskutiert werde, sei eher einem gewissen politischen Trend als der Faktenlage geschuldet. „Auch Ilse Aigner wird immer grüner“, so Erdel. „Und dies in einer Geschwindigkeit, in der ihr nicht einmal mehr Unionspolitiker folgen können.“ Als Beispiel nannte Erdel den „Internetpranger“ der Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Auf einer Website will Aigner falsch etikettierte Lebensmittel brandmarken. Doch das führe den Konsumenten in die völlig falsche Richtung. Wohin ein solcher Weg führen könne, machte Erdel mit einem Hauch von Zynismus deutlich. Vielleicht beklage sich ja demnächst schon jemand über „Verbrauchertäuschung“, wenn sich die auf einem Milchetikett mit Bergkulisse abgebildete schwarzweiße Kuh als braunweißes Rind im flachen Land herausstellt.
Auch dass die Landwirtschaft oft als Umweltsünder dargestellt werde, die sich letztlich ins eigene Fleisch schneide, ist in Erdels Augen bestenfalls ein grober Zerrspiegel der Wirklichkeit. In entsprechenden Diskussionen frage er oft provozierend: „Wollt ihr denn den Ochsen auf dem Feld zurück?“ Wenn dann als Antwort „Warum eigentlich nicht?“ zurückkomme, „dann bin ich wirklich baff!“ Maul- und Klauenseuche und ähnliche Probleme vergangener Tage wünsche sich hingegen niemand zurück - die Tatsache ignorierend, dass solche Übeln erst durch den nun mehr kritisierten Fortschritt der Zahn erst habe gezogen werde können. Der Blick zurück sei also wenig hilfreich.
Und der Blick nach vorn wirft Sorgenfalten auf die Stirn des Landwirts. Die „Direktzahlungen für die deutschen Bauern werden substanziell sinken“, warf Erdel beispielsweise schwarz auf weiß per Beamer an die Leinwand. Seine Partei sei allerdings ohnehin bestrebt, statt einer „Alimentation“ der Bauern lieber auf verbesserte Marktstrukturen zu setzen, damit Landwirte aus eigener Kraft unternehmerischen Gewinn erwirtschaften können statt von Förderungen abhängig zu sein.
Die mittelfränkische VlF-Vorsitzende Elisabeth Henninger dankte Erdel für sein „offenes Ohr für die Landwirtschaft“ und würdigte zugleich das Engagement der Regens Wagner Einrichtung in Absberg. Sie ist zugleich „der größte Arbeitgeber in der Gemeinde“, worauf deren Bürgermeister Fritz Walter in seinem Grußwort hinwies. Auf dem Müssighof als einem Teil jener Einrichtung wird nicht nur Landwirtschaft betrieben, sondern auch ein Hofladen geführt und Asinotherapie angeboten. Der VlF selbst war nun einer der ersten Gruppen, die im neuen Bistro eine Veranstaltung abhielten, erklärte Bereichsleiter Albert Strobl. Der Verband „spielt eben oft eine Vorreiterrolle“, so Henninger.
Auch der Kreisvorsitzende Erwin Börlein verwies auf zahlreiche Aktivitäten des VlF in unserer Region. Landratstellvertreter Peter Krauß würdigte ausdrücklich die Bildungsarbeit des Verbandes, der noch stärker die Verbraucher zu Info-Abenden einladen solle, empfahl er. Bayernweit kann der VlF in diesem Jahr übrigens auf eine 100jährige Geschichte zurückblicken. Genug Erfahrung also, um mit geeinten Kräften „die Politik in die richtige Richtung zu bewegen“, wie als abschließender Grußwortredner der Bezirkspräsident des Bayerischen Bauernverbands Jürgen Ströbel meinte.

In unserer hektischen Zeit kommt das Nachdenken oft zu kurz.