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Friedensarbeit in unsicheren Zeiten

In Merkendorf berichtete ein Referent über die Aufgaben und Ziele seines Vereins - 30.01.2013 15:51 Uhr

Merkendorf  - Thomas Oelerich ist Referent für Fundraising und Kommunikation beim Verein Forum Ziviler Friedensdienst (forumZFD) in Köln.

 Im Rahmen eines spannenden Themenabends, den die evangelische Kirchengemeinde Merkendorf veranstaltete, informierte er über die zivile Friedensarbeit, die derzeit überwiegend in Nahost, auf dem Balkan und auf den Philippinen stattfindet. Rund 20 interessierte Gemeindeglieder waren gekommen.

Die immer noch unsichere Situation auf dem Balkan, die Auseinandersetzungen in Nahost, der Konflikt auf der philippinischen Insel Mindanao, wo die muslimische Minderheit auf eine Autonomie drängt, das sind die Arbeitsschwerpunkte der sogenannten zivilen Friedensarbeit, die das Forum Ziviler Friedensdienst derzeit international leistet. Geschulte Friedensfachkräfte bemühen sich in unabhängigen Büros vor Ort oder, wo das nicht möglich ist, von außerhalb um Konfliktprävention und Konfliktnacharbeit.

Dies geschieht etwa durch Dialogförderung. In Nahost beispielsweise gibt es im alltäglichen Leben keinen Kontakt zwischen Israelis und Palästinensern. Der ZFD ermöglicht hier Begegnung und Kommunikation auf neutralem Terrain. „Sich etwa gegenseitig das persönlich erlittene Leid zu klagen, kann ein erster Schritt in Richtung Verständnis für den anderen sein", weiß Thomas Oelerich. In Mazedonien wird die albanische Minderheit ausgegrenzt. Auch hier gilt es, erst einmal Kontakt zu schaffen, was ohne Impulse von Dritten kaum zustande käme. Meist muss so vorgegangen werden, dass der Kontakt zu den verfeindeten Gruppen erst einmal einzeln hergestellt werden muss.

Den Idealfall der zivilen Friedensarbeit sieht Thomas Oelerich dergestalt, dass man erkennt, wo sich ein Konflikt aufbauen könnte, und dort präventiv tätig wird, ehe die Situation eskaliert. Vielfach müsste auch die Politik vorausschauender agieren, meint er. Aber auch nach mit militärischen Mitteln beendeten Auseinandersetzungen bleibt viel zu tun für die Friedensarbeiter. „Die einzelnen Gruppen sind ja nicht sofort wieder Freunde, der Konflikt besteht unterschwellig ja weiterhin". Daher müssen sie erst wieder zueinander gebracht werden, Traumata müssen bearbeitet werden, die ganze Situation muss stabilisiert werden. „Wir bräuchten viel mehr zivile Friedensarbeit in unruhigen Regionen der Welt", so der Referent.

Er findet es fatal, dass diese Form von Friedensarbeit nur mit 29 Millionen Euro pro Jahr staatlich unterstützt werde, wohingegen ein einziger Einsatztag der Bundeswehr in Afghanistan mit rund 20 Millionen Euro zu Buche schlage. „Uns geht es nicht darum, der Bundeswehr etwas wegzunehmen, aber das ist ein katastrophales Missverhältnis", so Oelerich.

Die Arbeit des Forums ZFD ist übrigens bislang etwas ziemlich Einzigartiges, das es in anderen europäischen Ländern (noch) nicht gibt, wie Thomas Oelerich zu berichten weiß. „Aber obwohl das Programm sehr klein ist, interessieren sich mittlerweile andere europäische Regierungen dafür." Bislang wurden Oelerichs Angaben zufolge in den vergangenen etwa 20 Jahren gut 700 Friedensfachkräfte in Krisenherde entsandt. Die Ausbildung zur Friedensfachkraft dauert vier Monate und stellt große Anforderungen an denjenigen, der bereit ist, sich in diesem Bereich zu engagieren.

Was kann der Einzelne tun, um die Arbeit des Forums Ziviler Friedensdienst zu fördern, auch wenn man sich selbst nicht gerade zum professionellen Friedensarbeiter berufen fühlt? „Unsere Arbeit ist sehr auf Spenden angewiesen", sagte Oelerich, der katholische Theologie studiert hat, aber nie im Pfarrdienst war. Vielmehr lebte er mit seiner Familie vier Jahre als Entwicklungshelfer in Mittelamerika. Beim forumZFD kann man außerdem Mitglied werden. Einzelheiten dazu gibt es auf der Homepage im Internet (www.forumzfd.de) nachzulesen. 

Margit Schachameyer


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