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„Der Charme der Siebziger Jahre muss weg“, brachte es Klaus Stöttner, tourismuspolitischer Sprecher der CSU-Landtagsfraktion, auf den Punkt. Er war der Einladung seines Parteikollegen Gerhard Wägemann in den hiesigen Landkreis gefolgt und diskutierte auf dem Müßighof in Absberg mit den Fremdenverkehrsfachleuten aus der Region neue Wege für die Branche.
Dass einiges getan werden muss, darin war er sich mit den teilnehmenden Bürgermeistern sowie Vertretern der Seenzweckverbände, Touristinformationen, Tourismusverbänden und der Vermieter einig. Schließlich ist der Fremdenverkehr einer der wichtigsten, allerdings oftmals unterschätzten Wirtschaftszweige, und „findet nicht nur in Oberbayern statt“, wie der Gasthaus aus Rosenheim betonte. Allein im Seenland hat die Sparte 3200 Arbeitsplätze zu bieten, wie Wägemann eingangs erläuterte.
Und auch Stöttner hatte Zahlen parat: So sind etwa rund 180 000 Mitarbeiter in Bayern in der Automobilindustrie tätig, im Fremdenverkehr sind es 340 000 Frauen und Männer, die damit ihre Brötchen verdienen. Zählt man die abhängigen Familienangehörigen dazu, komme man auf 560000. „Und diese Arbeitsplätze können nicht einfach nach Tschechien verlagert werden.“
Der Region mit Brombachsee und Altmühlsee sprach er gute Chancen zu und verwies auf die zahlreichen Vorzüge, die das Seenland zu bieten hat. So seien beispielsweise tolle Voraussetzungen sowohl für einen Aktivurlaub als auch einen Aufenthalt mit der Familie gegeben.
Wichtig sei es aber, und das dürfte für die Touristiker keine neue Erkenntnis sein, die Saison zu verlängern. „Wir müssen das Frühjahr und den Herbst stärken, dort, wo es keine Berge gibt.“ Ressourcen liegen seiner Ansicht nach in der Vermarktung des Weltkulturerbes Limes: „Die Thematik bietet zukunftsträchtige Chancen.“
Ein großer Wachstumsmarkt seien zudem die Bereiche Gesundheit, Sport und Natur. Hier dürfe man sein Licht nicht unter den Scheffel stellen und sollte die regionalen Produkte im Zusammenhang mit einer gesunden Ernährung verstärkt in den Vordergrund stellen.
In Sachen Gesundheit verwies der CSU-Politiker, der die Gelegenheit auch nutzte, um ein bisschen für die Landratskandidatur Wägemanns zu werben („Er ist ein guter Partner mit hoher Kompetenz“), auch auf die Altmühltherme in Treuchtlingen, die durchaus Leuchtturmcharakter habe.
Dass nun auch im Freistaat Kanus und Kajaks vermietet werden dürfen und damit das sportliche Angebot ausgebaut werden konnte, schreibt sich Stöttner nicht ohne Stolz auf seine Fahnen und die seines engagierten Mitstreiters Gerhard Wägemann. Als weitere Schritte in die richtige Richtung wertet er beispielsweise die Reduzierung des Mehrwertsteuersatzes auf sieben Prozent im Hotelbereich und ein Sonderförderprogramm für die Hotellerie, das zinsgünstige Darlehen für Renovierungen beinhaltet.
Auch die Einrichtung von drei weiteren Tourismusfachschulen in Bayern sei ein Erfolg und trage der notwendigen Qualitätsoffensive Rechnung. Neben einer verbesserten Ausbildung fordert Stöttner eine Sterne-Klassifizierung als international verständliche Symbole – auch für Privatunterkünfte . „Das ist ausschlaggebend für die Wahl des Qartiers“, zeigte er sich überzeugt. Genauso wichtig sei es, online präsent zu sein. „Wer nicht online buchbar ist, den gibt es nicht.“
Verbessert werden muss nach Meinung des Tourismusfachmanns die viel zu kleinteilige Organisationsstruktur. „Es sind zu viele Organisationen und zu wenig Budget und Ressourcen vorhanden.“ Die vielen kleinen Tourismusverbände sollten sich demnach stärker vernetzen, um schlagkräftiger zu sein und Doppelarbeit zu vermeiden. Dazu allerdings müsse man weg vom Kirchturmdenken, vielmehr gelte die Devise: Geht es dem Nachbarn gut, geht es mir auch gut. „Das muss ganz Bayern lernen“, appellierte Stöttner.
Um schon junge Leute an die Ferienregion zu binden, sollte der Campingtourismus gefördert werden. „Wenn wir die Jugendlichen ansprechen, kommen sie später auch mit ihrer Familie wieder hierher.“
Nicht von der Hand zu weisen ist ein gewisser Renovierungsbedarf bei den Unterkünften und sonstigen Einrichtungen. Ein Thema, das auch den Bürgermeistern und Verantwortlichen der Seenzweckverbände unter den Nägeln brennt. Immer wieder hört Daniel Burmann, ZVA-Geschäftsleiter, Klagen über die veralteten Sanitäranlagen rund um den Altmühlsee. Die nötigen Investitionen könne der Zweckverband jedoch alleine nicht schultern: „Wir brauchen Hilfe von der Landespolitik.“
Ebenfalls auf ein staatliches Förderprogramm hofft Hans-Dieter Niederprüm, Chef des Tourismusverbands Fränkisches Seenland. Dieses sollte nicht nur gewerblichen Betrieben, sondern auch den vielen kleinen privaten Anbietern zugute kommen. „Die sind uns ganz wichtig“, betonte er und stieß damit in dasselbe Horn wie Absbergs Bürgermeister Fritz Walter.
Etwas andere Töne waren aus Muhr am See zu vernehmen: Rathauschef Roland Fitzner sieht jeden Unternehmer selbst gefordert. „Wir können nicht erwarten, dass wir alles geschenkt bekommen“, appellierte er an die Eigeninitiative der Betroffenen. Stöttner sicherte in jedem Fall zu, diese Anregung mit nach München zu nehmen. „Die Privatvermieter sind diejenigen, die das Lebensgefühl der Region vermitteln“, machte er auf deren Bedeutung aufmerksam.
Auch weitere Ideen von Seiten der Fachleute stießen bei den beiden Landtagsabgeordneten auf offene Ohren: Claudia Schmoll von der Touristinformation in Langlau etwa regte einen breit angelegten Gästepass an, der früher abgehaltene Tourismustag könnte eine Neuauflage erleben und auch an der Berufsschule in Gunzenhausen könnte der Tourismus eine größere Bedeutung erfahren.
Ein Problem, mit dem sich der Wirtschaftszweig herumschlagen muss, ist die Zuständigkeit. So kümmern sich in der Landeshauptstadt sieben verschiedene Ministerien um die unterschiedlichen Belange des Fremdenverkehrs. „Der Tourismus braucht eine bessere Stellung. Eine Bündelung und ein Ansprechpartner über alle Grenzen hinweg sind dringend notwendig. Das ist ein schwieriger und harter Weg“, bekannte Stöttner und versprach: „Wir arbeiten daran.“
Ein Versprechen, an das Regierungs-Ruheständler Wolf-Dieter Ueberrück, ein Mann der ersten Stunde im Seenland, nicht recht glauben wollte: „Das scheitert wohl an gewissen Eitelkeiten.“ Dass die Einrichtungen nach 25 bis 30 Jahren verbraucht sind, sei ganz normal, wobei er einräumte, dass einiges versäumt worden ist. Für ihn steht jedoch fest, dass das Seenland keinen neuen Leuchtturm braucht: „Der Leuchtturm ist und bleibt das Seenland mit ganz vielen Facetten.“
Um diesem Leuchtturm wieder mehr Feuer zu geben, sind viele Kräfte gefordert. „Jeder kann in seinem Bereich etwas tun“, so Wägemann abschließend. Und dass es oft die kleinen Dinge sind, die eine große Wirkung haben, zeigt seine einfache Frage: „Warum sagen wir eigentlich Fremdenzimmer und nicht Gästezimmer?“

In unserer hektischen Zeit kommt das Nachdenken oft zu kurz.