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Gewerbebank: Wachstum von 1,5 Prozent

Vertreterversammlung der RaiffeisenVolksbank-Gewerbebank in Ansbach - 20.04.2012 11:07 Uhr

Vorstandsmitglied Erwin Einzinger leitete die Wahl der Aufsichtsratsmitglieder. Wiedergewählt wurde u. a. der Arberger Zimmerermeister Josef Engelhardt (auf der Leinwand im Hintergrund zu sehen)

Vorstandsmitglied Erwin Einzinger leitete die Wahl der Aufsichtsratsmitglieder. Wiedergewählt wurde u. a. der Arberger Zimmerermeister Josef Engelhardt (auf der Leinwand im Hintergrund zu sehen) © Werner Falk


Obgleich die Gewerbebank keine Staatsanleihen problembehafteter Schuldnerländen in ihrem Wertpapierdepot hat, musste auch sie bei Papieren von unzweifelhafter Bonität Wertberichtigungen vornehmen, „in bescheidenem Umfang“, wie Geyer am Donnerstag im Ansbacher „Onoldia“-Tagungszentrum einräumte. Nur die „sicherheitsorientierte Geschäftspolitik“ der Bank habe bewirkt, dass sie von den Auswirkungen der Staatsschuldenkrise weitgehend verschont geblieben sei.

Damit bewegt sich die Bank auf dem Gesamtniveau des Landes, denn trotz der Krise in Europa hat sich die Konjunktur in Deutschland besser entwickelt als davor. 2010 war sie mit einem Wirtschaftswachstum von 3,7 Prozent top, 2011 waren es immerhin noch drei Prozent. Um 2,8 Prozent erhöhten sich die Einlagen der Gewerbebank. Bei den täglich verfügbaren Sichteinlagen (sie machen 44 Prozent der Kundengelder aus und belegen somit einen historischen Höchstwert) gab es ein Plus von 8,8 Prozent, die Spareinlagen stiegen um 5,5 Prozent. Dagegen müssen die Banker einen Rückgang bei den Termineinlagen, den Sparbriefen und Inhalberschuldverschreibungen hinnehmen.

Mit Wertpapierdepots, Investmentfonds, Bausparverträgen und Lebensversicherungen, also den Anlagen, die in der eigentlichen Bilanz nicht enthalten sind, betreut die Bank ein Anlagevolumen von einer Milliarde und 64 Milllionen. Die Verbundpartner Allianz und R+V-Versicherungen konnten, so Geyer, wegen des niedrigen Zinsniveaus auch nicht mehr die Renditen erwirtschaften, die sie aus den Vorjahren gewohnt waren. Als risikolos bezeichnete Geyer die Anlagen in Lebens- und Rentenversicherungen, die er immer noch für attraktiv hält. Allein die Wertpapeiranlagen sind um 7,9 Prozent geringer.

Mehr Sicherheitsdenken

Das Bausparen (in Verbund mit der Schwäbisch-Hall) werde wieder beliebter. Es komme dem Sicherheitsdenken der Menschen nach. 1300 Verträge mit einer Vertragssumme von 51 Millionen Euro sind von Gewerbebank-Mitarbeitern abgeschlossen worden. „Das ist ein historischer Höchstwert“, sagt der Vorstandschef. Dazu passt die Nachricht, dass das Immobiliengeschäft gut läuft. 142 Objekte wurden vermittelt, für die VR-ImmoService ist es das zweitbeste Ergebnis. Dennoch ist das 2010er Resultat nicht ganz erreicht worden, was daran liegt, dass es 2011 nicht so viele Angebote gegeben hat wie im Jahr zuvor. Deutlich widerspricht Geyer dem immer wieder aufflackernden Gerücht, dass es eine „Kreditklemme“ gibt: „Wir konnten allen vertretbaren Kundenwünschen nachkommen.“ Die Kreditzusagen an die privaten Kunden bewegten sich exakt auf Vorjahreshöhe, etwas darunter lagen sie allerdings bei den Firmenkunden. Um drei Prozent höher liegt der Wert der neuen Kredite.

210 Mitglieder mehr

26.922 Teilhaber hat die Genossenschaftsbank mit ihren lokalen Filialen (u.a. in Gunzenhausen, Treuchtlingen, Wolframs-Eschenbach, Merkendorf und Arberg). Das sind 210 mehr als vor Jahresfrist . Daraus resultiert ein Geschäftsguthaben von 13,2 Millionen Euro. Den Zuwachs führt Geyer auch auf das neue Mitgliederbonusprogramm zurück. Die Erträge sind wegen der geringeren Zinsen leicht zurück gegangen, dafür sind die Provisionen minimal gestiegen. 3,6 Prozent musste die Gewerbebank mehr für Personal- und Sachkosten hinlegen. Geyer vergleicht: „Um einen Euro Ertrag zu erwirtschaften, müssen wir 61 Cent aufwenden.“ Die Kämmerer in den Städte und Gemeinden reiben sich die Hände, denn die Gewerbebank zahlt an sie 1,2 Millionen Euro an Gewerbesteuer. Die Ertragssteuer beläuft sich auf 2,9 Millionen Euro. Mit dem erwirtschafteten Jahresüberschuss von 1,2 Millionen (nach Steuern) kann die Bank ihr Eigenkapital weiter verstärken und damit die Forderungen erfüllen, die künftig mit „Basel III“ an die Banken gestellt werden. „Unser versteuertes Eigenkapital liegt deutlich über dem Wert der bayerischen Genossenschaftsbanken“, urteilt Geyer zufrieden.

Untragbare Wettbewerbsverzerrung

So kann es weiter gehen. Der Vorstandschef sieht nach dem ersten Quartal 2012 Grund zum Optimismus: „Wir haben eine anhaltende gute Kreditnachfrage, weder die konjunkturelle Abkühlung noch die Eurokrise machen sich bisher bemerkbar.“ Was Geyer aufregt, das ist der Versuch von staatliche gestützten Banken, durch marktferne Konditionen an die Kunden von Genossenschaften und auch Sparkassen heranzukommen. „Das führt zu einer untragbaren Wettbewerbsverzerrung. Diese Institute machen jährlich Millionenverluste und bekommen Milliardenhilfen des Steuerzahlers, für die sie nicht einmal Zinsen zahlen müssen.“ Hier ist nach Geyers Meinung die Politik gefordert. Von ihr erwartet er auch, dass sie bei der bevorstehenden Regulierung des Bankensektors auch unterscheidet zwischen den risikoreichen Aktionen der großen Geschäftsbanken und den überschaubaren Bankgeschäften der Genossenschaften und Sparkassen.

Seine klare Position: „Das stabile Drei-Säulen-Modell der deutschen Kreditwirtschaft muss erhalten bleiben und darf nicht durch die Hintertür doch noch zu Fall gebracht werden.“ Für die regional tätigen mittelständischen Banken hält Geyer die nationale Bankenaufsicht für vollkommend ausreichend. Er wehrt sich gegen immer mehr Bürokratie, die den Banken auferlegt wird: „Wenn es für Wertpapiergeschäfte am Telefon auch noch eine Aufzeichnungspflicht gibt, dann geht das über das zumutbare Maß hinaus.“ Er ist ohnehin sauer, weil er zunehmend erkennen muss, dass zunehmend die Banken an die Regulierungsleine gelegt und somit betraft werden, die in der Krise für Stabilität und Sicherheit gesorgt haben. Das geht ihm gehörig gegen den Strich, denn die Fakten sehen seiner Meinung nach ganz anders aus. Nicht von ungefähr hätten die Genossenschaftsbanken die beste Ratingbewertung unter den privatwirtschaftlichtätigen Banken bekommen und die Vereinten Nationen das Jahr 2012 zum „Jahr der Genossenschaften“ ausgerufen.

Norbert Geiger neu im Aufsichtsrat

Im Aufsichtsrat der Gewerbebank, dem aus Gunzenhausen die Rechtsanwältin Dr. Bettina Schacht angehört, gibt es einen Wechsel. Für den ausgeschiedenen Hermann Kaiser (Unternehmer aus Ansbach) ist Norbert Geiger, der Geschäftsführer der Mineralölhandelsgesellschaft Ansbach, gewählt worden. Dem Gremium gehören weiterhin an: Klaus Eberhardt (Unternehmer aus Sachsen), Josef Engelhardt (Zimmerermeister aus Arberg), Rainer Grimm (Bürgermeister aus Lehrberg) und Dieter Guttendörfer (Unternehmer aus Ansbach). Aufsichtsratsmitglied Josef Engelhard, Metzgermeister aus Burgoberbach, ist für sein 25-jähriges Wirken in diesem Gremium mit der silbernen Ehrennadel von Manfred Geyer, dem ehrenamtlichen mittelfränkischen Genossenschaftspräsidenten, ausgezeichnet worden. 

Werner Falk

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