Dienstag, 25.09.2018

|

Gewittrige Wanderung rund um Spalt

Spannungsreiche Tour auf dem neun Kilometer langen Themenweg - 22.07.2018 07:01 Uhr

Hans-Josef Ermer führt die Gäste durch das „HopfenBierGut“-Museum im historischen Kornhaus. Hier steht er vor den Schablonen, mit denen die Hopfensäcke vor ihrer Reise in die ganze Welt beschriftet wurden. © Babett Guthmann


Auf der neuen Karte des Tourismusverbandes Fränkisches Seenland heißt der Themenweg "Spalter Hopfenwanderung", ausgeschildert ist er aber mit dem blauen Schild "Brombachsee 25". Ein Stück weit führt der Weg nun parallel zum Spalter Hügellandweg. Man darf als Hopfenwanderer nicht in die Massendorfer Schlucht absteigen, sondern kommt in einem Wald, der sich bald als reiner Kiefernwald mit Schwarzbeerheide präsentiert. Ein Sandweg mit Nadelteppich und einer gefühlten Million "Guzzermoggerli" obendrauf gestreut sind ein idealer Wanderweg für Asphalthasser. Alte Bürg heißt dieses Flurstück. Obwohl es am Parkplatz noch ordentlich geblasen hat, ist es hier vollkommen windstill – Ruhe vor dem Sturm?

Wenn es vom Waldrand aus einen Ausblick gibt, halt ich Ausschau nach Hopfenstangen, entdecke aber nur Mais, Gerste, Roggen und später ein höchst originelles Kürbisbeet. Irgendwo müssen die 56 Hopfenbauern, die es in der Spalter Gegend noch gibt, doch ihre 392 Hektar Hopfenland versteckt haben! Doch erstmal geht es wieder in den Wald hinein. Dieser Weg nennt sich Judenweg und ist ein Abschnitt jenes Weges, der einst von Spalt nach Georgensgmünd führte, wo die Spalter Juden die Synagoge und den Friedhof besuchten.

Verfrühte Blüte

Nach diesem Waldstück und ungefähr nach einem Drittel des Weges tauchen die ersten Hopfenplantagen auf. Die Hopfenblüte, auch Anflug genannt, war heuer verfrüht angesagt. Dem Gästeführer Hans-Josef Ermer, den ich später im Spalter Museumsgebäude "HopfenBierGut" treffen werde, treibt das die Sorgenfalten auf die Stirn. Mir aber gefällt der Blick auf die kleinen Blütenkrallen und nach oben ins gelblich-graue Gewitterlicht, das einen maßgeschneiderten Kontrast zur komplizierten und acht Meter hohen Drahtkonstruktion der Gerüstanlage bildet.

Hans-Josef Ermer ist ein echter Hopfen-Experte. Er zeigt mir das ganze Museum und informiert mich über das seit 1956 geltende Gesetz zur Ausmerzung des männlichen Hopfens. Wer in der Natur und in einer Hecke einen männlichen Hopfen findet, muss diesen ausreißen und vernichten, denn der Kerl ist so potent, der könnte glatt die Hälfte der Hopfenweiber im Spalter Anbaugebiet bestäuben. Befruchtete Hopfendolden enthalten aber nicht mehr das gelbe Lupulin, das zum Bierbrauen notwendig ist. Bestäubter Hopfen ist also wertlos.

Die kleinen gelben Krallen heißen „Anflug“ und sollen sich zu möglichst großen Dolden entwickeln. © Babett Guthmann


Am Ortsrand von Mosbach ist man dann endgültig im Land der Hopfen-Jungfrauen angekommen. Die Mosbacher können stolz auf mindestens drei Tatsachen sein: Sie haben ein Dorfensemble mit liebevoll hergerichteten Hopfenhäusern und Scheunen samt dem allerschönsten Feuerwehrhaus von Welt. Sie züchten die dicksten Kracherkirschen. Und sie behalten die Nerven, obwohl ihre Traumlandschaft von einer grässlich schnurrenden Überlandleitung durchschnitten wird.

Großes Einzugsgebiet

Weiter geht es in Richtung Güsseldorf an Kirschbäumen vorbei, die sich mit voller Fruchtladung verführerisch herunterbiegen, deren Früchte aber noch ein paar Tage Sonnenschein vertragen können. Wer die Wanderung so um halb elf Uhr am Sonntag in Massendorf beginnt, der könnte in Güsseldorfs Gaststätte vielleicht noch ein Plätzchen ergattern: "Forsters Einkehr" ist ein sehr bekanntes Ausflugslokal mit weitem Einzugsgebiet.

Einkehren kann ich mir wettermäßig nicht leisten, denn nun donnert es gewaltig, der Wind treibt mich vor sich her in Richtung Engelshof. Bei den beiden Linden macht der Weg einen Knick, und es geht jetzt bis Massendorf wieder durch den Wald. Zuerst ärgere ich mich über den Häusle-Renovierer, der hier seine alten und auch neuen Ziegel auf den Weg geschüttet hat. Als sich dann der Himmel endgültig verdunkelt, leuchten die Ziegelscherben auf dem Waldweg. Wenigstens für irgendwas ist der olle Bauschutt gut.

Oh, Heiliger Christopherus, Schutzheiliger der Reisenden und somit auch zuständig für Unwetter, hilf!

Donner und Hagel

Der Wind bringt jetzt die Bäume zum Schwanken und Knacken, man kriegt Angst, dass einem irgendein Ast oder gar ein Stamm auf den Kopf fallen könnte. Deshalb geht es im Laufschritt nach Massendorf. Hier hat übrigens die Dorfwirtschaft dicht gemacht, und das Anwesen ist zu verkaufen. Bestimmt schade für das Massendorfer Gemeinschaftsleben und für mich, denn da könnte man sich jetzt unterstellen.

Auf Höhe der verlassenen Wirtschaft fallen die ersten dicken Tropfen. Ein böswilliger Donnerschlag rumst über den Berg und: Autsch! Irgendwas hat mich an der Schläfe getroffen. Und nochmal: Hagelkörner, groß wie die Mosbacher Kracherkirschen! Ich flüchte in die mit Plexiglas abgeschirmte Bushaltestelle, fange mir eine Hagelkirsche fürs Beweisfoto und kann von hier aus das Schlechtwetterspektakel genießen. Hört auch gleich wieder auf und bis zum Wanderparkplatz ist es ja nicht mehr weit.

Daheim lese ich noch einen Interneteintrag über Gewitterwolken. Es stellt sich heraus, dass die von mir als nett empfundenen weißen Wölkchen über den grauen Turmwolken die Hagelwolken waren. Sollte man wissen als Wanderer. 

BABETT GUTHMANN E-Mail

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Spalt