Dienstag, 18.12.2018

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Große Kunst in Gunzenhausen

Aufführung in der Stadtkirche bescherte exquisiten Hörgenuss - 13.11.2018 17:21 Uhr

Der Kantoreichor Gunzenhausen und die Gastsänger boten einen wahren Hörgenuss. © Uli Gruber


Unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Bernhard Krikkay verbanden sich drei Solisten, der mit Gastsängern erweiterte Kantoreichor, das Ansbacher Kammerorchester und selbstverständlich die Konzertbesucher zu einem klingenden Kollektiv.

"Leuchtende Strahlen entströmten der Messe der Sainte-Cécile. Zuerst war man geblendet, dann verzaubert, dann überwältigt." Derart euphorisch umschrieb der Komponist Camille Saint-Saëns seine ganz persönlichen Eindrücke der wohl bekanntesten Messvertonung Gounods. Ähnliche Gefühle dürften viele Zuhörer in St. Marien empfunden haben. Das 1855 nach jahrelanger akribischer Bearbeitung fertiggestellte Werk besticht durch eine erhabene Schlichtheit mit opernhaft-dramatischen Sequenzen. Farbig und effektvoll gestaltet sich die Instrumentation, inspiriert von tiefer Frömmigkeit zu Ehren der Heiligen Cäcilia. Sie ist die Schutzpatronin der Kirchenmusik. Welches Thema könnte authentischer sein!

Doch wer ist dieser Charles Gounod gewesen? Bereits in jungen Jahren war ihm der Prix de Rome verliehen worden. Mit dieser 1666 ins Leben gerufenen Auszeichnung konnten talentierte Architekten, Maler, Bildhauer und eben auch Musiker ein Studium in Rom, dem Quell klassischer europäischer Künste, in Anspruch nehmen. Der 1818 in Paris geborene Franzose hörte dabei unter anderem den Chor der Sixtinischen Kapelle mit seinen Palestrina-Gesängen. Beeinflusst vom Stil des herausragenden Sängers und Kapellmeisters der Renaissance, soll Gounod sich lange mit dem Gedanken getragen haben, Priester zu werden. Die "römische Phase" mit förderlichen Begegnungen hatte prägenden Charakter für seine weitere Entwicklung als Mensch und Künstler.

Feuerwerk an Facetten

Es ist also kein Zufall, dass Beginn und Ende im "Kyrie" der "Cäcilienmesse" an Palestrina erinnern. Ohnehin beinhaltet die Gounod’sche Huldigung der Schutzpatronin ein Feuerwerk an musikalischem Facettenreichtum. Als "christlicher Künstler" war ihm an der Restauration herkömmlicher kirchlicher Gesangsformen gelegen. Requien, Oratorien, etliche kleinere Kompositionen für Liturgie und Gottesdienst sowie 15 Messen zeugen von dieser Leidenschaft. In einer von Nationalismus und Patriotismus durchzogenen Epoche, konnte sich auch Gounod dem Zeitgeist nicht entziehen. Seine Religiosität und Schaffenskraft litten darunter nicht.

Ein Umstand mit segensreichen Folgen auch für Künstler heutzutage. Andrea Zeilinger darf mit ihrer charakteristischen Sopranstimme — trotz leichter Erkältung — wieder einmal als perfekte Besetzung die Lorbeeren einheimsen. Sie bringt im "Gloria" mit lyrischem Ausdruck die verhaltene Freude angemessen zur Geltung.

Die Solisten des Abends: Markus Simon, Andrea Zeilinger und Andreas Kalmbach mit Kirchenmusikdirektor Bernhard Krikkay. © Uli Gruber


Zeilinger überzeugt durch rhythmische Präzision, ein hohes Maß an Kreativität und Einfühlungsvermögen. Mit wohltuendem Timbre, gesanglicher Fülle und Taktsicherheit bewältigt Markus Simon (Bass) seinen Part ebenso souverän. Auch Tenor Andreas Kalmbach meisterte seine diffizile Aufgabe mit der gebotenen Sorgfalt.

Mit Volumen und opulentem Klang entfalten die rund 70 Sängerinnen und Sänger der Kantorei eine sehr emotionale Atmosphäre. Das Ensemble kommt mit den technischen Anforderungen des Werks bestens zurecht. In den Pianissimo-Passagen dominieren weiche, fast sphärische Töne. Die Bandbreite gewährleistet sowohl den Jubel und Lobpreis im "Laudamus te", wie auch das wuchtige Glaubensbekenntnis sowie die zarte Mystik der Menschwerdung Gottes im "Credo".

Dreimaliges Aufschreien

Harfenklang und dreimaliges Aufschreien der Passion symbolisieren die Zuversicht auf das ewige Leben. Das rein instrumentale "Offertoire" ist typisch für die französische Messpraxis.

Bernhard Krikkay hebt bei den Konzerten stets das gemeinschaftliche Erleben hervor. Er inspiriert die Ausführenden, geht jederzeit mit Herzblut und Kompetenz voran. Dazu trägt mit Freude, Ausgewogenheit, Präsenz und Flexibilität auch das mit Bläsern erweiterte Ansbacher Kammerorchester bei. Die Instrumentalisten überzeugen mit Ausdruckskraft und einer gezielten Linienführung, insbesondere bei der einleitenden Sinfonie für Streichorchester von Carl Philipp Emanuel Bach. Kein Wunder, dass Pfarrer und Gastgeber Claus Bergmann nach dem Segen dezent auf einen "Nachschlag" verwies. Die Bitte wurde erfüllt! 

ULI GRUBER

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