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Gunzenhausen: Frauenabend mit ganz viel Kultur

"Damenwirtschaft" widmete sich im Haus des Gastes der "Faszination Leben" - 17.10.2017 18:05 Uhr

Heike Gromoll, Barbara Hanus, Diana Franz und Monika Hümmer (von links) von der Band „Sweet Stuff“ präsentierten mit erfrischend anders interpretierten Covers und viel Witz und Charme ihr Können. © Tabea Jung


In dem seit acht Jahren bestehenden Netzwerk sind Frauen aus den unterschiedlichsten Berufsfeldern tätig, die alle ein Ziel verfolgen: Sie wollen etwas bewegen. Alle paar Jahre präsentieren sie deshalb in Form von Kulturabenden ein für sie relevantes Thema. Dieses Mal hatte sich die "Damenwirtschaft" für ein Motto entschieden, mit dem sich wohl jeder mal auseinandersetzt: der "Faszination Leben".

Dafür befragte das Netzwerk Frauen, Männer und Kinder unterschiedlichsten Alters, und erhielt erstaunliche, hoffnungsvolle und oft tiefgründige Antworten, die es auf einer großen Leinwand präsentierte. "Für mich ist die Faszination am Leben, Menschen lachen zu sehen, die einen schweren Schicksalsschlag hinter sich haben, oder in einer schweren Lebenssituation sind", ist dort zu lesen, oder auch: "Mich fasziniert am Leben, dass es meist anders kommt, als man denkt." Die schwungvolle Handschrift einer 54-Jährigen merkt an, wie faszinierend es ist, "dass winzige Füßchen irgendwann mal Schuhgröße 42 haben!". Aus all diesen Statements filterte das Frauennetzwerk drei Kernthemen heraus: Liebe, Lebensfreude und Natur.

Im Rahmen dieses Mottos lud die "Damenwirtschaft" zu einem Abend voller Kultur ein: Im Kellergewölbe des Hauses des Gastes begrüßte Initiatorin Sandra Blasl die Gäste und kündigte ein "facettenreiches Wochenende" an. Schirmherrin Erika Gruber hielt eine Rede über Frauenpower und schloss mit den ermutigenden Worten "Es ist egal, was man tut – Hauptsache, man tut es!".

Anschließend kamen die Gäste in Gruselgenuss der feinsten Art: Krimiautorin Anja Mäderer aus Unterwurmbach las aus ihren neuen Romanen "Mainleid" und "Mainschatten" vor. Dabei verriet die zierliche 26-Jährige dem aufmerksamen Publikum, warum sie sich ausgerechnet für das Krimigenre entschieden hat. Sie habe schon immer gern gelesen und das auch von ihren Eltern vorgelebt bekommen — für Lesestoff sei also stets gesorgt gewesen. "Allerdings gab es da ein Bücherregal in unserem Keller, das für mich tabu war, weil es Kriminalromane voller Blut und Tod enthielt", erzählte die Autorin. "Das Verbot hat es für mich aber umso verlockender gemacht", schmunzelte sie und schilderte, wie sie sich jeden Abend um 20 Uhr, wenn die Eltern die Tagesnachrichten im Fernsehen verfolgten, in den Keller runterschlich, um dort bei Kerzenschein einen Blick in die verbotenen Bücher zu ergattern.

Anja Mäderer wartet in ihren neuen Krimiromanen mit einem packenden Schreibstil und sympathischen Figuren auf. © Tabea Jung


So also wurde ihre Leidenschaft für Krimis geweckt, die Anja Mäderer erst in der Grundschule mit blutigen (und oftmals die Lehrer verstörenden) Aufsätzen und an der Uni mit schaurigen Kurzgeschichten auslebte, bevor sie beschloss, Autorin zu werden. Die 26-Jährige hat in Würzburg Lehramt studiert, musste jedoch während ihres Referendariats in Ingolstadt und München feststellen, dass es nicht das war, was sie ihr Leben lang machen wollte. So entschloss sie sich für einen neuen Weg: Ab dieser Woche arbeitet die Hobbyautorin als pädagogische Fachkraft bei der Caritas in München, wo sie sich für Flüchtlinge engagiert. Genug Zeit fürs Schreiben will sie sich aber nehmen, sie arbeitet bereits an ihrem nächsten Krimiroman.

Während Mäderer spannende Passagen aus ihren Büchern vorlas, hielt das Publikum den Atem an und fieberte mit den Protagonisten, die in eine Notlage geraten waren, mit. Eins war an den Gesichtern der Zuhörer deutlich zu erkennen: Der Schreibstil der Autorin ist so flüssig und fesselnd, dass man das Gefühl hat, man sei mitten im Geschehen und Zeuge des blutigen Tatorts.

Charmante Sängerinnen

Zur Auflockerung trat in den Pausen die Musikgruppe "Sweet Stuff" auf, bestehend aus der Gitarristin Monika Hümmer, Diana Franz, Barbara Hanus und der Bassistin Heike Gromoll. Mit ihren glockenhellen, harmonischen Stimmen und einer breitgefächerten Liedauswahl von Elvis Presley über Cindy Lauper bis hin zu aktuellen Hits von den "Kings of Leon" verzauberten sie das Publikum. Mit viel Witz und Charme bezirzten sie die Zuhörer, traten so professionell und selbstsicher auf, als wären sie auf der Bühne zu Hause. Es gab wohl keinen Zuhörer, der den Auftritt der vier musikbegeisterten Frauen nicht genossen hätte.

"Ich hatte schon immer Spaß an der Musik", erklärt Sopranistin Monika Hümmer, die bereits seit 20 Jahren mit Bandkollegin Diana Franz musiziert. "Sweet Stuff" besteht seit sieben Jahren, die Musikerinnen freuen sich immer, wenn sie bei Hochzeiten, Geburtstagen und Veranstaltungen jeder Art auftreten dürfen. Für Stimmung sorgen können sie jedenfalls – sogar eine Bauchtanzeinlage haben sie sich am Kulturabend des Frauennetzwerks nicht nehmen lassen.

Wem von all dem rhythmischen Klatschen und Hüftschwingen der Schweiß ausbrach, der holte sich zur Stärkung von Nicole Vierheller zubereitete kulinarische Häppchen und erfrischende Getränke vom Büfett und genoss den Rest des Abends in vollen Zügen – denn genau diese Lebensfreude ist es, was unser Leben ausmacht. 

TABEA JUNG E-Mail

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