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Im Rahmen seiner sonntäglichen Fernsehgottesdienste bringt das ZDF alljährlich im Februar einen Gottesdienst, der auf den Weltgebetstag Anfang März hinweist. Dazu werden Kirchengemeinden gesucht, die in irgendeiner Form Kontakte mit dem jeweiligen Weltgebetstagsland haben. Über das Neuendettelsauer Missionswerk wurden die Fernsehmacher schließlich in der Region fündig. Denn das evangelische Dekanat Gunzenhausen bereitet derzeit eine Partnerschaft mit dem Selangor District in Malaysia vor, die noch heuer unter Dach und Fach gebracht werden soll.
Alljährlich feiern Frauen auf der ganzen Welt am ersten Freitag im März den Weltgebetstag. Im Mittelpunkt steht dabei ein Land, die Liturgie wird von dortigen Frauen vorbereitet. Dass Christen weltweit an diesem Abend auf dieses eine Land blicken, macht für Susanne Thorwart die Faszination dieser Veranstaltung aus.
Keinesfalls will das ZDF dem Weltgebetstag Konkurrenz machen, der Fernsehgottesdienst will lediglich auf das Ereignis hinweisen. Deshalb ist der Gottesdienst in der Stadtkirche auch wie der Weltgebetstag mit „Steht auf für Gerechtigkeit!“ überschrieben. Gerechtigkeit und Würde für Frauen, die weltweit in der Sorgewirtschaft tätig sind, das ist eine Forderung der Christinnen aus Malaysia. In der Gunzenhäuser Stadtkirche wird das tabubesetzte Thema am Sonntag ins Scheinwerferlicht gerückt.
Seit fast einem Jahr laufen auch die inhaltlichen Vorbereitungen für das Ereignis in der Stadtkirche. Neben Susanne Thorwart gehören Pfarrerin Sabine Karl (für die Frauenarbeit im Dekanat zuständig), Petra Stephan (in der Gunzenhäuser Kirchengemeinde verantwortlich für den Weltgebetstag) und Ursula Müller (Mitglied im Missionskreis) aus Spalt, die im Sommer in Malaysia war, dem Vorbereitungsteam an. All die Monate, während der Gottesdienst langsam Gestalt annahm, haben sich die vier Frauen intensiv mit Elke Rudloff ausgetauscht.
Denn nicht nur inhaltliche Aspekte mussten bedacht werden, das Team musste seine Arbeit auch buchstäblich „mit Fernsehaugen“ betrachten, schildert Susanne Thorwart. Um hier den richtigen Blickwinkel zu bekommen, nahmen die vier Frauen an einer Fortbildung in Berlin teil.
Rund 800 000 bis 850 000 Menschen verfolgen Woche für Woche den Fernsehgottesdienst im ZDF. Und sie tun das auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Während die einen noch beim Frühstück sitzen, machen sich die anderen zurecht, als würden sie tatsächlich in die Kirche gehen, zünden womöglich eine Kerze an und legen das Gesangbuch bereit.
Am Freitag nun rückt das Aufnahmeteam an und verwandelt die Kirche in ein Fernsehstudio. Beispielsweise muss eine Bühne für eine Kamera aufgebaut, es müssen Kabel verlegt und Beleuchtung installiert werden. Im Vorfeld des Gottesdiensts werden auch schon einzelne Bilder aufgenommen, die dann in die Sendung hineingeschnitten werden können, etwa eine Außenansicht der Kirche oder das Glockengeläut.
Natürlich hofft Susanne Thorwart auf einen guten Besuch. Wer den Gottesdienst in der Stadtkirche miterleben will, sollte bis 9 Uhr vor Ort sein. In der halben Stunde vor Beginn der Übertragung erhalten die Gottesdienstbesucher eine kurze Einführung, außerdem werden schon einmal die Lieder kurz angesungen.
Ab 9:30 Uhr darf dann niemand mehr das Gotteshaus betreten, um die Übertragung nicht zu stören. Für die musikalische Untermalung sorgen Kirchenmusikdirektor Alexander Serr und der Gunzenhäuser Posaunenchor. Pünktlich um 10:15 Uhr ist der Gottesdienst vorbei. Danach gibt es im Lutherhaus bei Kaffee und Kuchen die Möglichkeit, eine Aufzeichnung von der Sendung zu betrachten.

In unserer hektischen Zeit kommt das Nachdenken oft zu kurz.