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Auf allen Straßen, für die die Stadt Gunzenhausen zuständig ist, organisiert Bauhofleiter Helmut Betz mit seinem Team diesen Dienst. Rund 200 Kilometer sind von Schnee und Eis zu befreien, damit die Autofahrer schnell und sicher an ihr Ziel kommen, erklären Werner Krug und Thomas Billmeyer. Die beiden sind schon seit 4 Uhr morgens mit dem 18-Tonner unterwegs, um die wichtigsten Strecken vor dem Berufsverkehr abgefahren zu haben.
Noch früher sind die sogenannten Späher auf den Beinen. Zwischen 2 Uhr und 2.30 Uhr, je nach Wetterlage, schauen sie sich die Straßen an und wecken dann bei Bedarf um 3 Uhr die Mannschaft, erläutert Helmut Betz das Prozedere zu nachtschlafender Zeit. „Ans frühe Aufstehen gewöhnt man sich. Das ist eben unsere Arbeit“, so Thomas Billmeyer, der wie sein Kollege Werner Krug schon viele Jahre Erfahrung als Winterdienstler gesammelt hat. In einem normalen Winter haben sie dafür gegen Mittag Feierabend. „In acht bis neun Stunden sind wir in der Regel einmal komplett fertig“, so Helmut Betz. Schneit es allerdings weiter, dreht der Winterdienst bis 20 Uhr seine Runden.
Wie im vergangenen Winter, als die Fahrer vier Wochen lang so gut wie rund um die Uhr im Einsatz waren. „Das hat uns ganz schön geschlaucht“, erinnern sich Werner Krug und Thomas Billmeyer. So einen lang anhaltenden Schneefall hätten sie in all ihren Berufsjahren noch nicht erlebt.
Heuer aber hält sich die Schneemenge bisher im Rahmen: Oberste Priorität bei ihrer Tour haben die sogenannten Bergstrecken wie Büchelberg, Obenbrunn und Oberasbach. Dann sind die großen Straßen wie die Nürnberger Straße, die Industriestraße oder die Lindleinswasenstraße in der Stadt selbst an der Reihe. Schließlich folgen die Stadtteile, in ihrem Fall Schlungenhof und Laubenzedel. Dabei stoßen die beiden mit ihrem großen Gefährt immer wieder auf Engstellen. Einmal sind die Straßen sehr schmal, ein anderes mal parken links und rechts Autos am Fahrbahnrand, sodass das Räumen schwierig wird. Damit beim Rangieren nichts passiert, fährt im Räumdienst immer ein zweiter Mann mit. „So kann man besser aufpassen“, weiß Helmut Betz. Geht es rein ums Streuen, ist der Fahrer alleine unterwegs.
Probleme bereiten seinen Mitarbeitern manchmal auch die Autofahrer, die das Rangieren des Räumfahrzeugs nicht abwarten können und ungeduldig hupen, Blinkzeichen geben und zu dicht auffahren. „Die betrachten uns als Hindernis, dabei machen wir für sie die Straße frei.“ Und auch so mancher Gehsteigbesitzer bricht bei ihrem Anblick nicht gerade in Begeisterung aus, klatschen Matsch und Schnee doch ab und an wieder zurück auf den gerade frisch geräumten Gehweg. „Ich bemühe mich wirklich, aber ich muss die Straße freimachen“, betont Werner Krug, der aus diesem Grund sehr langsam mit dem Schneepflug unterwegs ist und auch versucht, keine Einfahrten zuzuschieben.
Trotzdem kommt es immer wieder zu Beschwerden, die ans Rathaus herangetragen werden. „Aber nicht immer sind die vom Winterdienst schuld“, werben er und Thomas Billmeyer um Verständnis und gegenseitige Bereitschaft zu Kompromissen. Einige Hausbesitzer befreien ihren Bürgersteig sehr gewissenhaft vom Schnee und werfen ihn zurück auf die Straße. Von dort spritzt er dann, vor allem wenn es matschig ist, schon mal zurück auf den Gehweg oder gar an die Hauswand, wenn Autos oder Lkws – nicht unbedingt der Winterdienst – drüber fahren. Oder er gefriert auf der Straße fest, wenn der Winterdienst schon vorher diese Tour bedient hat. Dem nächsten Autofahrer oder Radler gefallen die gefrorenen Brocken auf der Fahrbahn natürlich nicht. Ein Problem, für das auch einige private Räumdienste, die in der Regel für die Reinigung von Gehsteigen engagiert werden, ursächlich sind, so die Beobachtung der beiden routinierten Fahrer.
Im Idealfall soll der Bürgersteig auf einer Breite von einem Meter geräumt und der Schnee als kleine Kuppe am Rand gelagert werden. „Wir können unsere Ladung dann dagegen lehnen“, informiert Thomas Billmeyer über die Vorgaben aus dem Rathaus.
Zur Flotte des Bauhofs gehören neben dem 18-Tonner ein weiterer großer Lkw, zwei Unimogs und drei Schlepper, inklusive der Fremdfahrzeuge die von den Firma Müller (Aha) und der Firma Hartmann (Gunzenhausen) für den Einsatz im Winter zur Verfügung gestellt werden. Zudem sind zwei Fußtrupps unterwegs, um Zebrastreifen, Bushaltestellen und Ampelübergänge für die Fußgänger freizuschaufeln und zu streuen. Für die Staatsstraßen und die Kreisstraßen, die zum Beispiel durch Aha, Wald oder Pflaumfeld führen, ist übrigens nicht das Team vom Bauhof zuständig, sondern die Winterdienstler des staatlichen Bauamts beziehungsweise des Landkreises.
Für Werner Krug und Thomas Billmeyer geht die Fahrt von Schlungenhof weiter nach Oberasbach. Um Leerfahrten zu vermeiden, wählt Werner Krug den Weg durch die Stadt und schaut auf „seinen Straßen“, die er wie seine Westentasche kennt, gleich mal nach dem Rechten. Bei Bedarf lässt er mittels eines Joysticks das Schneeschild nach unten und stellt den Streuer an. Glaubt man den Wetterfröschen, wird aus dem Schneefall bald Regen werden und die Temperaturen klettern wieder nach oben. Dann ist es schnell vorbei mit der weißen Pracht und die Männer vom Winterdienst können wieder ausschlafen.

In unserer hektischen Zeit kommt das Nachdenken oft zu kurz.