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Haftpflicht macht Hebammen schwer zu schaffen

Versicherungsbeiträge in letzten Jahren enorm gestiegen – Bundesregierung soll gegensteuern - 03.02.2013 17:39 Uhr

Gunzenhausen  - Das Geburtshaus in Muhr am See ist eine Antwort auf die immer schlechter werdende Situation der Betreuung schwangerer und gebärender Frauen durch Hebammen gerade auch auf dem flachen Land.

Wie sich die Probleme darstellen und was man dagegen tun kann, war das Thema eines Besuchs der Landtagsabgeordneten und stellvertretenden Vorsitzenden der Bayern-SPD, Annette Karl, in der außerklinischen Einrichtung, die von den beiden Hebammen Sabine Möckel und Jasmin Treiber geleitet wird.
Das Geburtshaus hat im Juni 2011 seine Pforten geöffnet und genießt mittlerweile bis weit über die Landkreisgrenzen hinaus einen hervorragenden Ruf. Immer mehr schwangere Frauen wissen die umfassende und individuelle Betreuung durch professionelles Personal zu schätzen.
Als Mitglied des Landtagsausschusses für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie sowie des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ist Annette Karl, die Fachsprecherin der SPD-Fraktion für Fragen des ländlichen Raums, besonders daran interessiert, dass die Versorgung der Bevölkerung in ländlich strukturierten Regionen auch im gesundheitlichen Bereich gewährleistet ist. Das Geburtshaus als wohnortnahe Einrichtung zur Schwangerenbetreuung und Geburtshilfe gehört hier nach Überzeugung der Obererlbacher Landtagsabgeordneten Christa Naaß eindeutig dazu. Sie hatte den Besuch Karls in die Wege geleitet und dazu eine Reihe weiterer SPD-Mitglieder eingeladen. Mit dabei waren als Kooperationspartner der beiden Hebammen die Gunzenhäuser Gynäkologen Dr. Thomas Sattler und Dr. Margit Kohlbauer.
Die Verbesserung der Versorgung der Bevölkerung im ländlichen Raum auch im gesundheitlichen Bereich ist laut Christa Naaß seit Jahren Thema der SPD. Dazu gehören für sie auch schnelle Hilfen für den Erhalt des Berufsstands der Hebammen. Unterstützt wird die von mittlerweile 200 000 Menschen unterzeichnete Petition des Deutschen Hebammenverbands zur Hebammenhilfe. Der Bundestag soll demnach Sofortmaßnahmen beschließen, um eine wohnortnahe Versorgung von Frauen mit Hebammenhilfe und die freie Wahl des Geburtsorts sicherzustellen.
Eines der Hauptprobleme, das den Hebammen auf den Nägeln brennt, stellen die Prämien der Berufshaftpflichtversicherungen dar. Sie steigen seit Jahren enorm, während die Vergütung stagniert. Zuletzt wurden die Prämien im Juli erhöht und liegen bei 4200 Euro jährlich. Viele freiberufliche Hebammen können sich die Ausgaben nicht mehr leisten und steigen aus dem Beruf aus. Die Bundesregierung wird daher aufgefordert, Rahmenbedingungen für eine faire Vergütung und bezahlbare Versicherungen für Hebammen zu schaffen. Christa Naaß: „Es muss alles getan werden, damit der Hebammenberuf wieder attraktiver wird.“
Als Grund für die Prämiensteigerungen werden von der Versicherungswirtschaft höhere Schadensersatzansprüche nach Geburtskomplikationen angeführt. Neben dem Berufsstand der Hebammen sind noch weitere Berufe im ärztlichen und nichtärztlichen Bereich betroffen. Auch diese, fordert die SPD, müssen bei der Suche nach Lösungen berücksichtigt werden.
Gegenüber den Vertretern der SPD verdeutlichte Hebamme Sabine Möckel die Probleme, denen die Geburtshelferinnen ausgesetzt sind. Nach ihren Worten zwingen die steigenden Haftpflichtprämien und eine unzureichende Vergütung nicht wenige ihrer Berufskolleginnen zum Aufgeben der Geburtshilfe. Dadurch könne die flächendeckende Versorgung nicht mehr sichergestellt werden. Immer mehr kleinere Krankenhäuser – wie vor einiger Zeit auch Gunzenhausen – seien gezwungen, ihre geburtshilflichen Abteilungen zu schließen, weil weder Beleghebammen noch -ärzte ihre Prämien zahlen könnten. Werde von der Politik nicht gegengesteuert, dann schaue es in Zukunft mit einer wohnortnahen und flächendeckenden Versorgung für Schwangere zunehmend düster aus.
Stellvertretend für ihre Kollegin Jasmin Treiber und die beiden Mitarbeiterinnen Sandra Kretzer und Stefanie Ehrenfried stellte Hebamme Sabine Möckel das Muhrer Geburtshaus vor. Die hebammengeleitete Einrichtung bietet die Möglichkeit zur Geburtshilfe für Frauen, bei denen eine normale, spontane Geburt zu erwarten ist. Schwangere Frauen werden ab dem Zeitpunkt der Schwangerschaftsfeststellung bis zum Wochenbett betreut. Auf Wunsch kann die Hilfe des Teams bis zum ersten Lebensjahr des Kindes in Anspruch genommen werden.
Ab der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche kann das Kind im Geburtshaus oder auch zu Hause zur Welt kommen. Die Hebammen gehen in Rufbereitschaft. Die Pauschale hierfür beträgt 250 Euro, die von immer mehr Krankenkassen übernommen werden. Die Kosten für die Geburt werden komplett von der Kasse getragen. Für die Sicherheit sowie für das Wohlbefinden der Frauen sind Vorkehrungen getroffen. Das Geburtshaus arbeitet mittels eines

Besuch im Muhrer Geburtshaus: Die Delegation der SPD mit den beiden kooperierenden Gunzenhäuser Gynäkologen und den Mitarbeiterinnen der Einrichtung zur Schwangerenbetreuung und Geburtshilfe.
Besuch im Muhrer Geburtshaus: Die Delegation der SPD mit den beiden kooperierenden Gunzenhäuser Gynäkologen und den Mitarbeiterinnen der Einrichtung zur Schwangerenbetreuung und Geburtshilfe.
Foto: Erich Neidhardt
Besuch im Muhrer Geburtshaus: Die Delegation der SPD mit den beiden kooperierenden Gunzenhäuser Gynäkologen und den Mitarbeiterinnen der Einrichtung zur Schwangerenbetreuung und Geburtshilfe.
Besuch im Muhrer Geburtshaus: Die Delegation der SPD mit den beiden kooperierenden Gunzenhäuser Gynäkologen und den Mitarbeiterinnen der Einrichtung zur Schwangerenbetreuung und Geburtshilfe.
Foto: Erich Neidhardt

Qualitätsmanagement-Systems und wird regelmäßig durch den Spitzenverband der Krankenkassen entsprechend eines Qualitätsvertrags geprüft. Betreut werden ausschließlich Frauen mit dem Wunsch, ihr Kind selbstbestimmt und aus eigener Kraft zu gebären. Im Geburtshaus ist die Anzahl der betreuten Frauen auf maximal fünf Geburten pro Monat begrenzt. Insgesamt 43 Kinder erblickten seit der Eröffnung das Licht der Welt.
Die beiden Hebammen betreiben die Einrichtung in Muhr mit großem Erfolg. Sie sind beide hervorragend ausgebildet und können auf eine langjährige Berufserfahrung zurückblicken. Weniger als zehn Prozent der Gebärenden müssen verlegt werden. Hier arbeitet das Geburtshaus-Team eng mit dem Klinikum Ansbach zusammen. Das Haus erfüllt die Standards der modernen Geburtshilfe und verfügt über eine Kinderklinik.
Neben den beiden Landtagsabgeordneten Annette Karl und Christa Naaß nahmen seitens der SPD Kreisvorsitzender und Landtagskandidat (Stimmkreis Ansbach Süd/Weißenburg-Gunzenhausen) Harald Dösel, Kreisvorstandsmitglied Monika Wopperer, Stadtratsfraktionsvorsitzende Irene Dänzer, Stadträtin Cornelia Röhl und die Muhrer Gemeinderätin Doris Schicker an dem Ortstermin im Geburtshaus teil. Mit dabei waren auch Edwin Krug, Listenkandidat für den Landtag für den Stimmkreis Ansbach Nord, und Bezirkstagskandidatin Brigitte Krug. 

Erich Neidhardt


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