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35 Jungschreiner konnte der Obermeister der Schreinerinnung Ansbach-Westmittelfranken, Friedrich Wiedmann, diesmal von ihrem Lehrvertrag entbinden. Erstmals ging die feierliche Zeugnisübergabe im Altmühl-Informationszentrum in Muhr am See über die Bühne.
Und das war nicht die einzige Premiere des Abends. Die Feierstunde selbst erhielt ebenfalls ein neues Gewand: Statt Festreden und Grußworte gab es lockere Gespräche mit Moderator Klaus Seeger. „Wir hatten jahrelang den gleichen Rhythmus“, begründete der Windsfelder Schreinermeister Wiedmann die Neuerung, da sei es Zeit gewesen „mal etwas anderes zu machen. Und offensichtlich lag die Innung damit goldrichtig, denn bei Junggesellen, Eltern, Lehrern und Ehrengästen kam die neue Form gut an.
Sie alle wurden zunächst mit einem kleinen Sektempfang willkommen geheißen, bevor es zum offiziellen Teil in den Saal ging. Dort holte Moderator Seeger als erstes den Innungsobermeister auf die Bühne. Wiedmann erläuterte dabei kurz Eckpunkte der sehr „aufwändigen und anspruchsvollen“ Ausbildung und Prüfung. Ziemlich einmalig ist das Gesellenstück, das die angehenden Schreiner abliefern müssen. Denn hier werden ihnen eigentlich keine Vorgaben gemacht, sie haben die freie Wahl. Durchschnittlich 80 Arbeitstunden in den Betrieben stecken die Auszubildenden in dieses Gesellenstück, den Lehrbetrieb, rechnete Wiedmann vor, kostet es 2000 bis 3000 Euro.
Ganz anders sieht es bei der ebenfalls verlangten Arbeitsprobe aus: Sie muss vor den Augen des Prüfungsausschusses in einer vorgegebenen Zeit gefertigt werden. Diesmal galt es in sieben bis acht Stunden einen modernen Stuhl herzustellen.
Noch für seinen Großvater war handwerkliche Arbeit das „Maß aller Dinge“, doch das Schreinerhandwerk, erläuterte Wiedmann, hat sich stark gewandelt. Vom Akkuschrauber bis zur CNC-Technik kommt längst die ganze Palette moderner Technologie zum Einsatz. Und die Perspektiven sind nach seinen Worten gut, denn die Zeit, „wo außer Baumarkt und Ikea“ nichts mehr zählte, ist endgültig vorbei, die Menschen wissen die vielfältigen Produkte des Schreinerhandwerks wieder zu schätzen.
Persönlich sehr verbunden ist diesem Beruf Muhrs Bürgermeister Roland Fitzner, denn sowohl sein Großvater als auch sein Sohn übten ihn aus und auch er selbst arbeitet nach eigenen Worten gerne mit Holz. Goldrichtig lag seiner Meinung die Schreinerinnung mit der Wahl des diesjährigen Veranstaltungsorts, ist doch das AIZ ganz aus Holz errichtet. Für den stellvertretenden Landrat Robert Westphal ist das Handwerk „das Rückgrat“ des Landkreises. Über 3000 Lehrlinge besuchen die Berufsschule in Gunzenhausen, rund ein Zehntel davon sind angehende Schreiner.
Um dem Handwerk auch weiterhin den Rücken zu stärken, hat die Zukunftsinitiative Altmühlfranken erst vor kurzem das „Netzwerk Handwerk Erleben“ auf den Weg gebracht. Man müsse versuchen, so Westphal, dem Handwerk „nach außen ein Gesicht zu geben“. Nicht zuletzt die beruflichen Perspektiven, die junge Leute hier finden können, seien ein wichtiger Faktor im Kampf gegen die Abwanderung in die Städte. Wie bereits zuvor Wiedmann lobte auch der Leiter der Berufsschule, Klaus Drotziger, explizit die gute Zusammenarbeit zwischen Schule, Betrieben und Innung. Er wies zudem darauf hin, dass das Schulzentrum in Gunzenhausen ja nicht nur in der Ausbildung der Jungschreiner eine wichtige Rolle spiele, sondern auch Sitz einer der vier Meisterschulen in Bayern sei.
Dass das Handwerk wieder „goldenen Boden“ besitzt, das bestätigte der Kreishandwerksmeister Kurt Held. Nicht zuletzt dank der energetischen Sanierungen sind viele Betriebe ausgelastet. Die Bedeutung des Handwerks belegte der Konditormeister aus Dietenhofen mit einigen eindrucksvollen Zahlen: In Deutschland gibt es rund eine Million Handwerksbetriebe mit etwa 5 Millionen Beschäftigten, die jährlich einen Umsatz von 500 Milliarden Euro erwirtschaften. Zudem werden pro Jahr 500.000 Lehrlinge ausgebildet.
Nach der offiziellen Freisprechung durch den Obermeister und der Zeugnisübergabe standen noch einige Auszeichnungen für hervorragende Leistungen auf dem Programm: Allen voran war der Innungssieger Florian Müller, der nicht nur mit den besten Noten in Theorie und Praxis überzeugte, sondern auch im Wettbewerb „Gute Form“ und beim Arnold-Leistungspreis jeweils den zweiten Platz belegte. Den Innungswettbewerb „Gute Form“ stellte kurz Thomas Lacher vor. Originalität, Gestaltung, Modernität, Funktionalität und die technische Qualität sowie die Materialauswahl sind die Bewertungskriterien, denen sich die Teilnehmer stellen müssen. Am besten schnitt dabei heuer Thomas Sünkel aus Weidenbach (Ausbildungsbetrieb: Schreinerei Steinbauer, Sachsen) mit seinem kreativen Beistellmöbel ab.
Den Arnold-Leistungspreis konnten zudem als dritter Stefan Bieber aus Polsingen (Schreinerei Knoll, Ostheim) in Empfang nehmen. Der erste Preis ging an Jochen Hirsch aus Dinkelsbühl (Heidingsfelder Manufaktur, Dinkelsbühl). Aus dem Einzugsbereich des Altmühl-Boten erhielten in Muhr am See folgende Jungschreiner ihre Gesellenbriefe: Stefan Bieber aus Polsingen (Schreinerei Knoll, Ostheim), Fabian Dietlein aus Ornbau (Schreinerei Wiedmann, Windsfeld), Rudi Eugen aus Kurzenaltheim (Schreinerei Scherer, Dittenheim), Benjamin Schmid aus Dietfurt (Schreinerei Ortner, Aha), Jochen Schmutterer aus Polsingen (Schreinerei Wieser, Degersheim), Thomas Sünkel aus Weidenbach (Schreinerei Steinbauer, Sachsen), Timotheus Wirth (Arberger Holzwerkstätten und Schreinerei Pfeiffer, Merkendorf).

In unserer hektischen Zeit kommt das Nachdenken oft zu kurz.