Sonntag, 18.11.2018

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Hochwasserschutz für Pfofeld ist komplett

Rückhaltebecken, Umleitung ums Dorf und weitere Maßnahmen gebaut - 11.08.2018 08:09 Uhr

Ein schlammige braune Brühe wälzte sich 2013 durch Pfofeld und hinterließ große Schäden. Das war der Ausgangspunkt für den nun fertiggestellten Hochwasserschutz. © Marianne Natalis


Seit 2013 brachte jede Unwetterwarnung Pfofelds Gemeindechef um den Schlaf. Doch nun kann Renner abends wieder beruhigt ins Bett gehen, die umfangreichen Bauarbeiten in und um das Dorf sind abgeschlossen und Pfofeld sollte nun vor Starkregen, die mittelschwere Hochwasser mit sich bringen, geschützt sein, sind die Fachleute überzeugt.

In der Talsohle gelegen muss Pfofeld weniger Hochwasser durch steigende Flusspegel fürchten, als vielmehr Starkregenereignisse wie 2013. Damals stürzten die Wassermassen von mehreren Seiten in Richtung Dorf. Sie sollen künftig an zwei neuralgischen Punkten kanalisiert werden.

Das Richtung Rittern gelegene Hochwasserrückhaltebecken fasst nun rund 44 000 Kubikmeter Wasser, das "so dosiert" abgegeben wird, dass es der Dorfbach leicht verkraftet, berichtet Renner. Intensive Arbeiten waren allerdings notwendig, um dies zu erreichen.

"Die Maßnahme war nicht ganz einfach umzusetzen", erläutert Marco Satzinger vom Ingenieurbüro Klos, das für die Planung verantwortlich zeichnet und auch die Umsetzung begleitete. Der bestehende Weiher musste für den Dammbau verkürzt werden. Da der kleine Schutzwall im Notfall einem hohen Wasserdruck gewachsen sein muss, galt es, ihn entsprechend abzusichern. Der weiche Boden musste bis einen Meter tief stabilisiert werden. Vier Meter in die Tiefe reichende Spundwänden sollen zudem laut Satzinger verhindern, dass der Damm unterspült wird. Der Wall selbst wurde über Monate Schicht um Schicht in 30-Zentimeter-Lagen aufgebaut. Das alles machte die Maßnahme teuer. Doch Renner hält den großen Aufwand für angemessen. "Mein Anliegen war: Wir müssen es gut machen."

In den Kosten von insgesamt 1,2 Millionen Euro ist auch das zweite wichtige Standbein des Projekts enthalten: Die Umleitung des von Theilenhofen her kommenden Wassers an Pfofeld vorbei. Denn da kommen im Ernstfall schon mal "20 Zentimeter Wasser" herunter, verdeutlicht Renner. Das wird nun in einem ebenfalls schon vorhandenen Weiher gesammelt und fließt von dort kontrolliert über eine neu gebaute Leitung an Pfofeld vorbei ins Tal.

Übergabe des Schlussbescheids auf dem neuen Damm vor dem Hochwasserrückhaltebecken: Bürgermeister Willi Renner, Ingrid Rauch, Marco Satzinger und Christian Klos (von links). © Marianne Natalis


Dass unter diese für Pfofeld so wichtige Maßnahme nun etwas verspätet ein offizieller Schlusspunkt gesetzt werden kann, freut auch Ingrid Rauch. Die neue Leiterin des Sachgebiets Wasserbau und Gewässerunterhalt im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen am Ansbacher Wasserwirtschaftsamt hat die Betreuung von ihrem Vorgänger Hannes Hüttinger übernommen. Die Verzögerung war nicht zuletzt dem Wechsel im Amt geschuldet. Rauch hofft, dass sich nun auch andere Gemeinden ein Beispiel an Pfofeld nehmen. Erleichtern sollte die Entscheidung für einen Hochwasserschutz die Förderung, die es dafür von staatlicher Seite gibt. An den Kosten für die Überleitung Pfofeld Süd (180 000 Euro) und den Bau des Hochwasserrückhaltebeckens (972 400 Euro) beteiligt sich das Wasserwirtschaftsamt mit insgesamt 614 300 Euro.

Brücken erhöht

Im Rahmen der Maßnahme musste auch die Straße nach Rittern auf einer Länge von 800 Metern angehoben werden, um zu verhindern, dass sich das Wasser über diese Trasse den Weg ins Dorf bahnt. Schließlich wurden auch die Brücken über den Dorfbach erhöht. Gerade dort hatte sich das Wasser in der Vergangenheit "hochgestaut", berichtet Renner, nun kann hier mehr Wasser durchfließen.

Nur kurze Zeit nach der großen Überschwemmung im Juni 2013 war Renner bereits aktiv geworden. Schon im September gab es eine erste Ortsbesichtigung mit Hannes Hüttinger. Dass es ihm mit der Fertigstellung des Projekts gar nicht schnell genug gehen konnte, das betont Renner auch heute noch. Am Ingenieurbüro habe das nicht gelegen, machte Christian Klos unmissverständlich deutlich: "Wir haben versucht, so schnell wie möglich zu planen". Das Ingenieurbüro wurde dabei unter anderem von dem geforderten "integralen Hochwasserschutz- und Rückhaltekonzept" ausgebremst. Das habe sehr lange gedauert.

Zudem musste im Vorfeld des Projekts noch ein Gewässerentwicklungskonzept erstellt werden, erinnert sich Renner. Darin wurden Ausgleichsmaßnahmen wie die Renaturierung kleinerer und größerer Gräben festgelegt. Auch dies sind kleine Mosaiksteine im Hochwasserschutz, denn sie fördern den natürlichen Rückhalt in der Fläche, erklärt Ingrid Rauch. 

Marianne Natalis Altmühl-Bote E-Mail

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