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Der Tarifvertrag für die Metall- und Elektroindustrie gilt bayernweit. Der Freistaat ist aus Gewerkschaftssicht ein Bezirk, und an dessen Spitze steht seit Juli 2010 Jürgen Wechsler als Nachfolger von Werner Neugebauer. Wechsler nahm nun an einer Konferenz der IG Metall Schwabach im Langlauer Strandhotel Seehof teil. Dort kamen die Vertrauensleute der Gewerkschaft aus dem Raum Schwabach, Roth, Weißenburg-Gunzenhausen zusammen – erstmals wieder seit dem Jahr 2004. Auf dem Programm standen die Wahl des Vertrauensleuteausschusses und nicht zuletzt auch sozialpolitische Themen.
Nach den Worten von Jürgen Wechsler zählt seine Organisation in Bayern gut 350 000 Mitglieder und vertritt die Interessen der Beschäftigten in den Metall- und Elektrobetrieben, aber auch in der Textil- und Bekleidungsindustrie, im Schreinerhandwerk, in der Holz- und Kunststoffbranche sowie für Spezialisten in Hightech-Branchen Heuer gab es für die Metaller ein Lohnplus von 2,7 Prozent, und ob das der Gewerkschaft angesichts der bisher brummenden Konjunktur genug erscheint, darf bezweifelt werden. Wechsler betonte zugleich die Vertragstreue der IGM.
Im Frühjahr 2012 soll jedoch mehr erreicht werden. Natürlich wird es dann auch ums Geld gehen. Auf der Wunschliste steht eine „ordentliche“ Steigerung. Die konkrete Forderung wird im Januar oder Februar aufgestellt werden. Daneben sollen die Perspektiven für junge Leute verbessert werden – was schriftlich festgezurrt werden soll. Der Bezirksleiter: „Wir wollen, dass die Auszubildenden nach dem Ende der Lehrzeit eine unbefristete Übernahme erhalten.“
Der dritte und wohl brisanteste Punkt betrifft die Leiharbeit.
Aus Sicht der Gewerkschaft hat diese schon längst überhandgenommen und stellt ein Ärgernis und eine Ungerechtigkeit dar. Die Leiharbeit habe deutschlandweit eine nicht mehr akzeptable Größenordnung erreicht, sagte Wechsler im Gespräch mit dem Altmühl-Boten.
Er sprach in diesem Zusammenhang von einer Verwerfung in der Arbeitswelt. Die Leiharbeiter seien gleich mehrfach benachteiligt: Sie hätten weniger Geld, weniger Rechte und weniger Sicherheit. Ausnahmesituationen, in denen Leiharbeit einem Betrieb für einige Zeit nütze, könne es geben. Aber davon ausgehend sollten in den Unternehmen Regularien eingeführt werden, mit deren Hilfe die Betriebsräte mitentscheiden.
Sie sollten Einfluss haben, wenn festgelegt werde, ob Leiharbeit zugelassen wird und wenn ja, wie lange und in welchem Umfang. Wechsler ist sich bewusst, dass diese Forderung brisant ist.
„Alle drei Themen kommen in die Tarifrunde 2012“, kündigte der hochrangige Gewerkschafter an. Insofern sei nächstes Jahr ein Stück gesellschaftspolitische Auseinandersetzung zu erwarten. Dafür sei es sicherlich unumgänglich, in der Öffentlichkeit für die eigene Sache zu werben und Druck auf die Gegenseite auszuüben. Nicht zuletzt müssten die eigenen Mitglieder mobilisiert werden, um die Ziele erreichen zu können.
Wechsler ist selbst SPD-Mitglied. Dennoch glaubt er nicht daran, dass der „historische Schulterschluss“ zwischen Gewerkschaften und Sozialdemokraten wieder hergestellt wird. Die IG Metall jedenfalls bleibe bei ihrer parteipolitisch neutralen Position, sei zur Zusammenarbeit mit allen Parteien und mit der Staatsregierung bereit. Unabhängig davon könne und wolle sich die IGM nicht aus dem politischen Geschäft heraushalten, sondern werde die Parteien an ihren Standpunkten messen. Vor der Bundestagswahl 2013 werde man etwa darauf drängen, dass Menschen, die 40 bis 45 Jahre gearbeitet haben, vor dem Rentenalter 67 aufhören können. Hier brauche es flexible Ausstiegsmodelle. Nicht minder wichtig seien Perspektiven für die jungen Menschen. Das reiche von der schulischen Bildung über die Ausbildung bis zur sicheren Beschäftigung. Die Situation in den EU-Krisenländern, wo die jungen Leute aufbegehrten, spreche Bände, wie es eben in einer Gesellschaft nicht laufen dürfe.
Eine ausgesprochen gute Bilanz legte Johann Horn, Erster Bevollmächtigter der IG-Metall-Verwaltungsstelle Schwabach, vor. Er ist auch für den viel größeren und bedeutsameren Raum Ingolstadt zuständig. Diese Personalunion besteht seit 2006 und hat sich nach Horns Erfahrung für Schwabach nicht negativ ausgewirkt. Dort stieg die (entscheidende) Zahl der Vollbeitragszahler von 3545 auf knapp 4000. Es kommen rund 2000 andere Gewerkschaftsmitglieder hinzu (Rentner, Studenten, Arbeitslose). Jede der 21 bayerischen Verwaltungsstelle müsse sich finanziell selbst tragen, und das sei für Schwabach, die kleinste, gesichert. Eine Diskussion über die Auflösung der Schwabacher Verwaltungsstelle finde nicht statt und hätte keine Grundlage.
Für besonders erfreulich halten Johann Horn und der zweite Bevollmächtigte Franz Spieß den positiven Trend bei den jungen Arbeitnehmern. Hier steige die Zahl der gewerkschaftlich Organisierten, was noch vor Jahren anders ausgesehen habe. „Wir sind bei den jungen Leuten gut vertreten“, berichtete Horn. Spieß erinnerte an die Tarifrunde 2008 und die aus Sicht der Gewerkschaft sehr erfolgreichen Betriebsratswahlen 2010.
Bei der nächsten wirtschaftlichen Abschwächung könnte es im Sozialbereich harte Auswirkungen und Konflikte geben. Ein starkes staatliches Handeln wie 2008/09 mit Stützung der Kurzarbeit und Abwrackprämie sei nicht mehr vorstellbar. „Diese Gelder sind ausgegeben und weg“, sagte Horn. Man müsse „sich warm anziehen“ bei der Vorstellung, dass eine Konjunkturkrise voll auf die Arbeitnehmer durchschlagen würde.
Ein dickes Lob bekamen die gewählten Vertrauensleute. Davon gibt es im Bereich der Verwaltungsstelle etwa 85. Sie bildeten, neben den Betriebsräten, „das Herzstück der gewerkschaftlichen Arbeit“, wie es in Langlau hieß. Diese Funktionäre seien ganz dicht dran am betrieblichen Geschehen, wüssten, wo die Arbeitnehmer der Schuh drücke, und informierten die übergeordneten gewerkschaftlichen Stellen. Der Kern der Vertrauensleute kommt aus den vier bis fünf großen Unternehmen im südlichen Mittelfranken. Zum Vergleich: Im Bereich der Verwaltungsstelle Ingolstadt, mit dem Audi-Konzern im Zentrum, liegt die Zahl der gewählten Vertrauensleute bei 1500.

In unserer hektischen Zeit kommt das Nachdenken oft zu kurz.