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„Durch die enge Bindung der Eschenbacher an die katholische Kirche ergab sich für das Eindringen des Nationalsozialismus keinerlei Spielraum.“ Seine Facharbeit ist im Jahrbuch „Alt-Gunzenhausen“ des Vereins für Heimatkunde Gunzenhausen zu lesen. Bekannt ist, dass es unter den evangelischen Pfarrern einen latenten Antisemitismus“ gegeben hat, der schon in den zwanziger Jahren mit dem weit verbreiteten „Deutschglauben“ zu einer ideologischen Annäherung an den aufkommenden Nationalsozialismus geführt hat.Was viele der protestantischen Geistlichen an die Partei band, war „das Gefühl einer Benachteiligung gegenüber dem politischen Katholizismus“.
Anders als die katholischen Christen, die stark an das Zentrum und die Bayerische Volkspartei gebunden waren, hatten damals die Protestanten keine äquivalente Partei. Katholiken zeichnete, so Florian Geidner, eine dogmatische Geschlossenheit aus. Für die „neue Erhebung“ gab es nur vereinzelt Sympathie. Die Bischofskonferenz von 1931 erlaubte den Pfarrern die Mitgliedschaft in der „Hitlerpartei“ nicht. Das Konkordat 1933 zwischen Rom und dem Reich sicherte der katholischen Kirche die Rechte auf freie Religionsausübung zu, ferner den Schutz kirchlicher Körperschaften und erlaubte die ungehemmte Verbreitung von Hirtenbriefen. Sogar die Erhaltung der katholischen Bekenntnisschulen wurde zugesichert.
Die Kirche ließ sich auf den rein religiösen Bereich einschränken, ferner erkannte sie die Regierung Hitler an. Dennoch kam es in der Folgezeit zu häufigen Konkordatsverletzungen. Die Kirche begegnete ihnen 1937 mit der Enzyklika von Papst Pius XI.(„Mit brennender Sorge“),die eine direkte Verurteilung der NS-Herrschaft bedeutet. Geäußert wurde das „steigende Befremden“ des Papstes über den Leidensweg der Kirche. Die Klage gegen das „Neuheidentum“ musste geheim gedruckt werden, bevor sie in den Gottesdiensten verteilt wurde Wie Florian Geidner feststellt, hat es damals unter den Protestanten ein ausgesprochenes National- und Reichsbewusstsein gegeben, sodass für die Menschen das Reich zunächst im Vordergrund stand, nicht das katholisch dominierte Bayern mit seiner zentralistischen Politik, die zugleich als gegen Franken gerichtet empfunden wurde.
Dieser religiös-kulturelle Faktor war für die frühen Erfolge der Nationalsozialisten im evangelischen Franken maßgeblich. Lange vor der Hitler-Machtergreifung 1933 gab es daher schon Ortsgruppen der NSDAP in Ansbach (1922), Gunzenhausen (1923) und Merkendorf (1925). In Wolframs-Eschenbach hingegen tat sich die Partei schwer,eine örtliche Organisation aufzubauen. Der Frauenbund, der Gralbund für die jungen Männer, der Arbeiterverein, der Jungmädchenverein, die DJK (Deutsche Jugendkraft) waren alle in sicherer katholischer Hand. Noch dazu unterstützte Stadtpfarrer Reisner die Gründung der „Bayernwacht“ (Bayerische Volkspartei). 1926 ist es laut Geidner zu ersten Versuchen gekommen, auch in Wolframs-Eschenbach Fuß zu fassen, aber es mangelte an der Bereitschaft der Bevölkerung. Die Wirte zeigten sich mutig und verwehrten den Nazis ihre Lokalitäten.
Die Stimung wurde auch im Vorfeld der Reichspräsidentenwahl 1932 sichtbar, als rund 200 Eschenbacher an einer BVP-Versammlung teilnahmen und damit ganz klar ein Signal setzten. Der aus Gunzenhausen angereiste Kreisleiter Johann Appler musste einmal sogar unter Polizeischutz den Veranstaltungssaal verlassen. Es hatte laute Rufe und auch Drohungen gegen ihn gegeben, sodass die Veranstaltung abgebrochen werden musste. Das Wahlergebnis war entsprechend: Hitler bekam im ersten Wahlgang 63 Stimmen, im zweiten 52, aber 456 bzw. 487 votierten für Hindenburg. Selbst 1933 mussten die Nationalsozialisten noch zwei Schlappen hinnehmen: Bei der Stadtratswahl erhielten sie von den zwölf Sitzen gerade einmal zwei,die BVP aber zehn.Bei der letzten Reichstagswahl kam die NSDAP auf 23,6 Prozent, die BVP aber auf 71 Prozent.
Auch wenn die Partei in Eschenbach wenig zu bestellen hatte, im ganzen Reich marschierte sie an die Spitze. Immer mehr Gegner kamen in Schutzhaft, so auch der Bayernwachtführer Georg Dörr, der drei Tage eingesperrt wurde. Wenige Tage später wurden mit Ausnahme der beiden NS-Stadträte alle Mandatsträger für neun Tage eingesperrt. Auf Druck mussten Bürgermeister Dörr und die zehn konservativen Stadträte auf ihre Ämter verzichten. Josef Dumm, ein nationalsozialistischer Stadtrat, wurde zum Bürgermeister ernannt. Repressalien gab es auch gegenüber der Kirche: Merkendorfer SA-Männer beschlagnahmten im Pfarrhaus die Kasse der katholischen Eschenbacher Burschenschaft. Mit dem fortschreitenden Gleichschaltungsprozess konnte sich die konservative Parteistruktur nicht mehr halten. Es kam zur Auflösung der BVP.
Dennoch waren in Eschenbach wenig Hakenkreuzfahnen zu sehen, auch an den Festtagen gab es wenig Uniformträger. Die Bevölkerung machte sich für den Verbleib der Klosterfrauen stark, auch der NS-Bürgermeister Dumm.Das aber verziehen ihm die Genossen nicht. Sie setzten ihn 1938 kurzerhand ab und ernannten als Nachfolger den aus Nürnberg stammenden Anton Stellwag. Die Kriegsjahre schoben die Machtspiele in den Hintergrund. Die Lehrer, die meist auch das Amt des Ortsgruppenleiters bekleideten, wechselten häufig.
Autor Geidner sieht also im Katholizismus die maßgebliche Ursache für die ablehnende Haltung und den stellenweisen Widerstand der Bevölkerung gegen den Nationalsozialismus. Sein Befund: „Was den wirklichen Einfluss und die tatsächliche Stärke der Kirche am Ort ausmacht,war eben nicht das Streben nach einer aktiven politischen Umwälzung, sondern ihr moralischer Einfluss auf das Denken und Handeln der Bevölkerung.“ Das Jahrbuch „Alt-Gunzenhausen“ ist für 15 Euro im Buchhandel und bei Oskar Geidner erhältlich.

In unserer hektischen Zeit kommt das Nachdenken oft zu kurz.