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Jäger ist sich sicher: Ein Wolf jagt am Brombachsee!

Vorsitzender des Jagdvereins hat Kadaver, Kot und Spuren gesichert - 09.03.2018 17:26 Uhr

In Ostdeutschland ist er schon keine Rarität mehr, jetzt gibt es zahlreiche Hinweise, dass der Wolf auch am Brombachsee jagt. © Symbolfoto: Carsten Rehder/dpa


Das Interessante: Die Entdeckung, die ein Bauer aus Heiligenblut bei Enderndorf vor wenigen Tagen in seinem Hopfengarten gemacht hat, überrascht Fritsch keineswegs. Denn in den letzten Wochen gab es in der Nähe des sehr dichten, "Streckfuß" genannten, Waldstücks gleich mehrere Funde, die auf die Anwesenheit von Canis lupus schließen lassen. Bereits vor 14 Tagen habe der Bauer Spuren im Hopfengarten entdeckt, wenig später am Waldrand, etwa 100 Meter vom Hof entfernt. "Und erst letzte Woche hat er Spuren in der Nähe seine Hühnerstalls gefunden", sagt Fritsch.

Vor allem dieser Fund beunruhigt den Landwirt, wie er gegenüber dem Altmühl-Boten einräumt. Denn zum einen plant er gerade die Errichtung eines Freilauf-Geheges für seine Puten - das sich durch eventuell notwendige Wolfsschutz-Maßnahmen erheblich verteuern würde. Und zum anderen ist der Hühnerstall nur wenige Meter von der Haustür des Anwesens entfernt.

Nun also die Losung mit den Wildhaaren darin, von der Fritsch annimmt, dass sie von einem Wolf stammt. Und der erfahrene Jäger, der seit vielen Jahren auch eine Jagd in Kanada besitzt, wo er regelmäßig mit Wölfen, ihrer Beute und ihren Hinterlassenschaften zu tun hat, kann von etlichen weiteren Indizien für die Anwesenheit des Raubtiers am Brombachsee erzählen.

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Schon im vergangenen Jahr seien in seinem dortigen Revier sieben Rehe gerissen worden, wofür er aufgrund bestimmter Indizien Isegrim verantwortlich macht. Zwei Ziegen seien bei Enderndorf verschwunden und zwei Pferde auf einer elektrisch umzäunten Koppel völlig verstört aufgefunden worden. Und erst neulich habe er bei Großweingarten den Kadaver eines Fuchses inspiziert, der seiner Ansicht nach ebenfalls Opfer eines Wolfs wurde.

In Kanada habe er schon Wölfe beim Jagen beobachtet, er kenne ihr Verhalten, und er wisse, wie sie ihre Beute zurichten: "Ich will mich nicht zu einem Wolfs-Experten hochstilisieren, aber ich weiß schon, wovon ich rede." Das Argument, die besagten Vorfälle und Spurenfunde könnten auch auf wildernde Hunde zurückzuführen sein, will er deshalb nicht gelten lassen: "Die Fuchsknochen waren glatt durchgebissen, das schafft nur der Wolf oder eine Wildsau."

"Der Fuchs stinkt"

Zudem gebe es in der Region schlichtweg keine wildernden Hunde - und selbst wenn einmal ein Vierbeiner seinem Herrchen auskäme, dann würde der sich nie an dem rotpelzigen Mäusejäger vergreifen, denn: "Ein Fuchs ist selbst ein Raubtier, deshalb stinkt er dermaßen kräftig, dass ein Hund da nie rangehen würde." Der Wolf, so Fritsch, sei da weniger zimperlich. Und augenzwinkernd fügt der Absberger hinzu: "Hunde ziehen auch keine Wolfshandschuhe an und hinterlassen damit Spuren im Schnee."

Ein „Häufchen“ in der Plastikdose: Harald Fritsch glaubt, dass es ein Wolf hinterlassen hat; ein DNA-Test soll Klarheit bringen. © Jürgen Eisenbrand


Am Donnerstagabend erreichte den Altmühl-Boten eine aktuelle Whatsapp-Nachricht von Fritsch: drei Fotos vom gleichen Tag, die einen gerissenen und für die Augen eines Laien schrecklich zugerichteten Fuchs zeigen. "Ich habe den Kot und die Fuchsreste sichergestellt", schreibt der Absberger dazu. Er werde beides - ebenso wie die anderen Kadaver und Kotspuren – untersuchen lassen, um festzustellen, ob ihnen Wolf-DNA anhaftet. "Fünf und mehr Vorkommnisse in einem Umkreis von 1,5 Kilometer und vier davon am Forstrevier Streckfuß lassen sich einfach nicht negieren." Und Fritsch ist sich absolut sicher: "Dieser Fuchs wurde von einem Wolf gerissen."

Wie Naturschützer seit Jahren in Mittelfranken mit dem Thema Wolf umgehen, nennt der Absberger eine "gefährliche Verharmlosung". Immer wieder laufe es darauf hinaus, dass der "wildernde Hund" als Erklärung für vom Wolf angerichtete Schäden herhalten muss. Und er fragt, "warum die zahlreichen Übergriffe auf Haus- und Jagdhunde" ebenso unterschlagen würden wie "die Nachrichten aus Skandinavien und Osteuropa zu Zwischenfällen mit Menschen"?

Mehrfach beteuert Fritsch, dass er keinen Jäger kenne, der darauf aus sei, Wölfe abzuschießen - von ganz vereinzelten "Stimmen am Stammtisch nach dem dritten Bier vielleicht abgesehen". Aber klar sei für ihn, dass die Politik endlich einen Managementplan für das Problem Wolf aufstellen müsse.

Hier war Isegrim unterwegs: Jäger Harald Fritsch deutet auf die Stelle, wo der Wolf Spuren hinterließ. Im Hintergrund ist der Bauernhof in Heiligenblut zu sehen. © Jürgen Eisenbrand


Allein in Niedersachsen, wo es bereits größere Wolfs-Populationen gebe, seien dem Raubtier laut Fritsch im vergangenen Jahr 1000 landwirtschaftliche Nutztiere zum Opfer gefallen - wofür die Landwirte, gesetzlich geregelt, finanziell entschädigt wurden. In Bayern, sagt er, gebe es keine Vorschrift, auf die sich Bauern und Schäfer im Ernstfall berufen könnten. Was natürlich auch dem Landwirt aus Heiligenblut, der in die artgerechte Aufzucht seiner Puten investieren will, große Sorgen bereitet.

Das umso mehr, als es so scheint, als trieben sich am nordöstlichen Brombachsee-Ufer nicht mehr nur durchziehende Wölfe herum. Fritsch hält es nur für eine Frage der Zeit, bis hier ein Rudel heimisch wird - und dann könnten "die Bauern ihre Jagdreviere nicht mehr verpachten, weil sie leergefressen sind". Und Landwirte, die ihr Vieh im Freien halten oder Streichelgehege, etwa mit Ponys oder Ziegen, betreiben, bekämen erhebliche Probleme.

Zwar verursache der Gedanke, dass der Wolf in Altmühlfranken heimisch werden könnte, bei ihm "keine große Aufregung, und mein Herz schlägt auch nicht höher". Aber nach 40 Jahren als Jäger lasse er seinen Hund rund um Heiligenblut zum ersten Mal nicht mehr frei herumlaufen: "Das ist mir zu viel Risiko." 

Jürgen Eisenbrand E-Mail

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