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Rund 250 Besucher kamen und sorgten somit für ein volles Haus. Zwei Stunden lang konfrontierte Moderator Klaus Seeger die Bewerber mit seinen Fragen für die Sendung, danach hatten die Gäste aus dem Auditorium das Wort.
Um es auf den Punkt zu bringen: Sensationelle Neuigkeiten brachte die Runde nicht an den Tag. Die Kandidaten präsentierten sich durchgehend sachlich, Sticheleien gab es so gut wie gar nicht, will man einmal davon absehen, dass Uwe Döbler (SPD) und Wolfgang Hauber (FW) süffisant bemerkten, ihnen wäre ein Gerhard Wägemann (der Bewerber der CSU) auf seinem bisherigen Posten im Landtag für den Kreis wichtiger und wertvoller als auf dem Landratssessel in Weißenburg.
Aber dieses Spielchen hat der alte Fuchs natürlich durchschaut. Er hält solcherlei Lob für „scheinheilig und vergiftet“ und glaubt, als Landrat noch mehr für den Kreis bringen zu können.
In Themenblöcken äußerten sich die Bewerber. Sie taten es sozusagen über die Köpfe der Wähler hinweg. Das aber ist kein Ausdruck von Arroganz, sondern ganz einfach der Tatsache geschuldet, dass im AIZ das Podium einen Meter höher steht. Vielleicht dachten die Kandidaten dabei ja auch demütig an ein Wort von Theodor Heuss: „Gerechtigkeit erhöhet ein Volk.“ Dr. Jürgen Ludwig, der CSU-Landratskandiaten aus dem Kreis Ansbach, sah sich das Duell von der ersten Reihe aus an, um Erkenntnisse für seinen eigenen Auftritt im nächsten Jahr zu gewinnen. Begleitet wurde er von MdB Josef Göppel.
Sigrid Niesta-Weiser, die Bewerberin der FDP, hat nur einen Minimalwahlkampf betrieben und auf das Plakatieren ihres Konterfeis verzichtet, weil „Plakate keine Aussagekraft haben“. Sie hat schon einen Landtags- und zwei Bürgermeisterwahlkämpfe hinter sich, was den Moderator zur Frage animinerte: „Woher nehmen Sie die Kraft, um Niederlagen wegzustecken?“ In ihrem Flyer findet sich auch kein Hinweis auf die FDP, was sie so begründet: „Es kommt ja darauf an, ob jemand durch seine Persönlichkeit überzeugt.“
Uwe Döbler (SPD), der wie Gerhard Wägemann beim Weißenburger Ringerclub war, hält den Unionsmann für ein „politisches Schwergewicht“, das aber eher in München bleiben sollte, um dort für den Kreis etwas herauszuholen. Döbler zählt auf die grünen Wähler, dass die Grünen ihn nicht auf ihrem Empfehlungsliste gesetzt haben, damit kann er leben. Er sieht sich, so sein Eingeständnis, ohnehin nicht als Parteisoldat.
Der 58-jährige Gerhard Wägemann sagte, er habe genügend Energie und lud die Gegner zur Sichtung ein: „Das können Sie auch im Fitnessstudio erleben.“ Er tritt für sechs Jahrer an, kann aber nach Lage der Dinge noch einmal sechs Jahre dranhängen. Er sagt von sich, dass ihm die parteiübergreifende Arbeit liegt: „Die Schauspielei im Landtag werden ich nicht vermissen.“
Der FW-Kandidat Wolfgang Hauber fällt durch die größten Anzeigen in den Zeitungen auf und sagt dazu: „Ja, ich muss auffallen, so will ich es auch im Kreis halten.“ Er verweist auf seine kommunalpolitische Erfahrung, die er nicht zuletzt als ehrenamtlicher Bürgermeister von Weißenburg gesammelt hat.
Was den Bau von Hotels direkt an den Seen angeht - diese Forderung hat schon der verstorbene Landrat Uhl gegenüber den staatlichen Stellen erhoben - ist Wägemann dafür, erst einmal potenzielle Bewerber zu gewinnen, um dann eine Lösung zu suchen. Nach Ansicht von Sigrid Niesta-Weiser (FDP) würde der verfassungsmäßig geschützte Gemeingebrauch dadurch nicht verhindert.
Die Kandidaten sprachen sich durch die Bank für die Fortführung des Regionalmanagemnts im Kreis aus, dessen staatliche Anschubfinanzierung im nächsten Jahr endet. „Das gehört zu den wichtigsten Dingen, die wir geschaffen haben“, sagt Wolfgang Hauber (FW). Gerhard Wägeman möchte verhindern, dass Doppelarbeit gemacht wird, westhalb er eine Abstimmung der Aufgaben von Tourismusverband und Zukunftsinitiative „altmühlfranken“ für notwendig hält.
Die derzeit personell gute Ausstattung der Zukunftsinitiatve muss für ihn nicht zwangsläufig im gleichen Umfang weiter bestehen. „Privatisieren, was sinnvoll ist“, meint Sigrid Niesta-Weiser. Sie plädiert dafür, die Zukunftsinitiative als Stabsstelle am Landratsamt zu gelassen und verweist auf die „unsägliche Tourismus-GmbH“, die in Gunzenhausen vor Jahren schon gescheitert ist.
Die Kandidaten räumen ein, dass sich Gerhard Wägemann ganz klar Verdienste um die Ansiedlung des Technologietransferzentums für Kunststoff erworben hat. Uwe Döbler möchte das Bildungsangebot im Kreis neben der Fachhochschule für Angewandtes Management in Treuchtlingen und dem jetzt zugesagten TTZ noch durch ein Technologiezentrum für die Steinindustrie ergänzt wissen.
Wägemann sagt, die Bekanntgabe des TTZ-Projekts sei nicht aus wahltaktischen Gründen so kurz vor dem Urnengang erfolgt. Von staatlicher Seite sei „alles durch“, jetzt müßten der Kreis und die Stadt Weißenburg die tolle Chance nutzen. Niesta-Weiser spricht vom TTZ als einer „beeindruckenden konzeptionellen Leistung“, die auch der FDP-Wissenschaftsminister beteiligt ist.
Die Wirtschaftsförderung im Kreis muss nach Ansicht von Sigrid Niesta-Weiser auch darin bestehen, dass die Unternehmen noch familienfreundlicher werden. Der Kreis könne eine koordinierende Funktion übernehmen und sich so als Wirtschaftstandort attraktiver machen. „Wir können touristisch punkten“, sagt Wolfgang Hauber zur besorgten Frage des Moderators, weshalb der Kreis in der Metropolregion Nürnberg nicht stärker wahrgenommen wird. Gerhard Wägemann („Wenn wir nicht mitmachen, dann werden wir auch nicht wahrgenommen“) sprach von einer „gewissen Reserviertheit und Distanz“ in der Vergangenheit, Uwe Döbler glaubt, dass der Kreis als Energielieferant für die Metropole Nürnberg auftreten kann: „Wir müssen dafür aber erst noch ein Bewusstsein schaffen.“
Um die geeigneten und bevorzuten Standorte für Windkraftanlagen zu finden, brauche der Kreis - so Wägemann - eine Potenzialanalyse. Er ist gegen eine „Verspargelung“ der Landschaft, vor allem nicht im schönen Altmühltal. Er will, dass sich die Bürger an den Projekten beteiligen können und sagt, dass im Fall des Windparks Stetten-Obermögersheim das nicht so gut gelaufen ist. Ähnlich sieht Niesta-Weiser die Dinge, die gerne den Kreis als Koordinator bei der Suche nach Vorrangflächen sähe.
In zwei Stunden waren natürlich längst nicht alle Themenfelder anzusprechen. Dazu gab es nach der Aufzeichnung der Sendung durch das „Radio 8“-Team noch Gelegenheit, sofern die Besucher nicht doch Lust empfanden, sich die zweite Halbzeit des Fußballspiels Deutschland-Niederlande anzuschauen.

In unserer hektischen Zeit kommt das Nachdenken oft zu kurz.