Dienstag, 20.11.2018

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Landtagsvizepräsident a.D. Ernst Lechner verstorben

Ein Mann der Landwirtschaft und der Heimat im weitesten Sinn - 30.12.2013 16:26 Uhr

Hat sich um seine Heimat verdient gemacht: Ernst Lechner (1925 – 2013).


Das Datum ist oft genannt worden, und immer wieder ist davon die Rede, dass der Bayerische Landtag damals gar nicht so recht wusste, was er mit großer Mehrheit beschloss: Am 16. Juli 1970 ging der Antrag von Ernst Lechner im Landesparlament durch – das Überleitungsprojekt im südlichen Mittelfranken, wo es immense Strukturprobleme gab, konnte beginnen. In der Tat war es vielen anderen Abgeordneten egal oder zumindest fremd, für was sich ihr Kollege Ernst Lechner so vehement einsetzte, aber natürlich war der 16. Juli 1970 nur der Abschluss eines langen Entscheidungsprozesses, bei dem Lechner immer wieder eine besondere Fähigkeit nutzte. Er verstand es, andere Menschen zu überzeugen und für sich zu gewinnen. Dabei schlug er fast immer ruhige, sachliche, oft auch nachdenkliche Töne an. Manchmal musste er aber auch drängen, drängeln und fordern, um zum Ziel zu gelangen. Nicht anders war es in den Jahren nach dem wegweisenden Landtagsbeschluss, als es an die Umsetzung ging.
Lechners größte Leistung bestand vielleicht darin, neben den Parlamentarieren, Beamten und externen Fachleuten auch die hiesige Bevölkerung „mitzunehmen“, wie es im heutigen Sprachgebrauch heißt. Und die musste erst einmal überzeugt werden, beispielsweise die Absberger, die anfangs von einem See, der wertvolle Äcker und Wiesen wegnehmen würde, gar nichts wissen wollten. Für Ernst Lechner stand von Anfang an fest, dass es eben nicht nur um künstliche Gewässer und Hochwasserschutz im Altmühltal ging. Die gesamte Region sollte endlich eine Chance, eine Per­spektive erhalten. Das gelang, weil Ernst Lechner – der natürlich Mitstreiter an seiner Seite hatte – so beharrlich am Werk war und weil die Umstände passten: Es war ordentlich Geld in der Kasse des Freistaats, der Wind der Erneuerung blies auch in Bayern und Franken, und es gab anders als heute nicht den sofortigen Widerstand, wenn die öffentliche Hand ein Großprojekt anpackte. Ernst Lechner war in jenen Jahren der richtige Mann an der richtigen Stelle.
Das hätte sich der gebürtige Nord­stettener in seinen jungen Jahren wohl nicht träumen lassen. Nach der Schulzeit und der Teilnahme als Soldat am Krieg besuchte er die Ackerbauschule in Triesdorf. Der Agraringenieur studierte anschließend für das Lehramt an Berufsschulen und Volksschulen. Von 1953 bis 1959 war er an der Berufsschule Gunzenhausen und dann bis 1962 an der Volksschule Frickenfelden tätig. Er war und blieb ein Mann der Landwirtschaft.
Zugleich zog es ihn früh in die Kommunalpolitik, doch das Amt des Bürgermeisters von Nordstetten (in der Nachfolge seines Vaters) blieb ihm im Januar 1950 noch verwehrt. Das Vertrauen der Mitbürger genoss er, und die Stimmen erhielt er, aber der Bestimmung, dass das Mindestalter von 25 Jahren erreicht sein müsste, konnte sich der gerade noch 24-Jährige nicht entziehen. Lechner gehörte von 1954 bis 1956 dem Nordstettener Gemeinderat an, amtierte ab 1960 als Kreisrat und zog 1966 in den Stadtrat von Gunzenhausen ein. Er hatte zwischenzeitlich geheiratet und seinen Wohnsitz nach Gunzenhausen verlegt.
Der CSU-Politiker hatte aber noch größere Ambitionen, und die ließen sich bereits 1962 realisieren. Lechner wurde Mitglied des Landtags, und nicht ohne Grund errang er auch dort Achtung und Einfluss. 1970 übernahm er den Vorsitz im Landwirtschaftsausschuss, er war zeitweise stellvertretender CSU-Fraktionsvorsitzender und amtierte von 1978 bis 1986 als Vizepräsident des Parlaments. Diese Funktion ist den Menschen im hiesigen Raum noch immer in Erinnerung. Dass einer von ihnen einmal so hoch steigen würde, war eine Auszeichnung für den ganzen Landstrich, um den sich ihr direkt gewählter Abgeordneter so intensiv kümmerte. Hier soll auch erwähnt werden, dass sich MdL Lechner dafür starkmachte, in Weißenburg ein Römermuseum zu schaffen und das Krankenhaus in Treuchtlingen zu erhalten. Oft vergessen wird die Tatsache, dass Ernst Lechner auch am Entstehen des Hahnenkammsees seinen Anteil hatte. Überall galt, dass der MdL all denen, die mit ihm Neues wagen wollten, Hilfestellung gab, etwa in Form der „Beratungsstelle für das Mittelfränkische Seengebiet“.
1986 hörte Lechner als Landtagsabgeordneter auf – auf dem Höhepunkt seiner Popularität, die in den Jahren danach kaum nachließ. Aus dem Stadtrat und dem Kreistag zog er sich 1996 zurück. Danach pflegte er, sich mit öffentlichen Äußerungen über das, was in der Politik getan und gelassen werden sollte, zurückzuhalten. Seine Nachfolger waren dankbar dafür, vom politischen Übervater nicht erdrückt zu werden. Im kleinen Kreis jedoch machte Lechner, der durch
einen Jagdunfall 1992 gesundheitlich geschwächt war, sich aber wieder erholte, aus seinen Überlegungen und Sorgen keinen Hehl. Die Demografie, der erkennbare Sog, den die Großstädte ausübten, und der Streit vor Ort, wenn es um große Gelegenheiten und deren Vor- und Nachteile ging, machten ihm zuweilen Kummer. So verstand er nie, dass die Verantwortlichen in der Region nicht an einem Strang zogen, als ein Center-Parc bei Dennenlohe hätte entstehen können. Keine Frage, dass ihm die Algenplage und der entsprechende Imageverlust wehtaten. Überhaupt sah er eine gewisse Stagnation im Seengebiet. Er hätte es gerne gesehen, wenn gegen diesen Trend energischer und früher angegangen worden wäre. Das Thema Gebietsreform blieb für ihn immer eine Phase mit Licht und Schatten und teils schmerzlichen Erinnerungen. Er war in der heißen Phase der zuständige Abgeordnete und musste es ertragen, wenn die emotional aufgeladenen Bürger Vorschläge der Politik und Verwaltung nicht akzeptieren wollten.
Ernst Lechner hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Hier seien nur der Bayerische Verdienstorden, das Große Bundesverdienstkreuz, die Verdienstmedaille und die Ehrenbürgerschaft der Stadt Gunzenhausen erwähnt. Die größte Ehrung erfuhr er jedoch in all den Jahren, indem er in der Bevölkerung stets als der „Vater des Fränkischen Seenlands“ galt. Es ist viel mehr als ein Ehrentitel – und wird nicht verblassen.
Der Verstorbene hinterlässt seine Frau Anneliese, vier Kinder und fünf Enkel. Die Trauerfeier ist am Freitag um 13 Uhr in der evangelischen Stadtkirche, die anschließende Beisetzung findet auf dem alten Friedhof statt. Die Stadt Gunzenhausen legt ein Kondolenzbuch auf, in das sich jeder eintragen kann. Dazu besteht ab dem heutigen Dienstag von 10 bis 12 Uhr im Einwohnermeldeamt i 

Wolfgang Dressler

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