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Lesung: Von Atomraketen und Wasserleichen

Lesung lieferte einen anregenden Vorgeschmack auf das Winterwandeltheater „Engelsgesicht“ - 17.12.2010 15:20 Uhr

Machten mit ihrer szenischen Lesung Appetit auf den Besuch des Winterwandeltheaters im Freilandmuseum (von links): Maria Man­gott, Stefanie Krümpel, Saskia Leder und Peter Huber.

Machten mit ihrer szenischen Lesung Appetit auf den Besuch des Winterwandeltheaters im Freilandmuseum (von links): Maria Man­gott, Stefanie Krümpel, Saskia Leder und Peter Huber. © Hans-Bern Glanz


Die Dorfkneipe, die Scheune des Bauern Lichtlein, das Wohnzimmer des Dorfschullehrers und des Orts­pfarrers. Maria sucht ihre 16-jährige Freundin Magdalena, die seit drei Tagen spurlos verschwunden ist, im ganzen Ort. Und stößt dabei auf Merkwürdigkeiten, finstere Fami­liengeheimnisse und immer wieder auf den Tod. Haben das schwarze Kreuz aus Ruß auf der Stirn des to­ten Bauern, die Wasserleiche oder der unausgesprochene Selbstmord des Lehrers etwas mit dem geheim­nisvollen Fremden zu tun, der vor zwei Wochen überraschend im Dorf auftauchte? Waren es gar Morde? Ist Magdalene die tickende Bombe im Ort?

Dazu eine Weltlage, die die Apokalypse eines Atomkrieges be­fürchten lässt. Stündlich bringen Radiomeldungen, gesprochen von Saskia Leder, neue Hiobsbotschaf­ten, berichten von russischen Mili­tärflugzeugen auf dem Weg nach Westen, von Atomraketen auf Kuba. Im Fernsehen zeigen Nach­richten schreckliche Bilder von Sol­daten und weiteren Flugzeugen.

Bereits während der Lesung fie­bert der Zuhörer mit, macht sich in der Fantasie zusammen mit Maria auf die Suche nach ihrer Freundin. Erschreckend realitätsnah die Nach­richtensprache, die den zu Zeiten des „Kalten Krieges“ Aufgewachse­nen schaudern lassen. Die Augen sollte man dabei nicht schließen . . . „Engelsgesicht“ von Christian Laubert ist eine Wintergeschichte mit einem Einschlag ins Mystische, die von Stefanie Pfeiffer „lesege­recht“ umgeschrieben wurde. Nach der überaus spannenden Lesung darf man gespannt sein auf das Pre­mierenwochenende am 15. und 16. Januar im Fränkischen Freiland­museum.

 
In Gruppen durchs Museum

Im Winterwandeltheater werden kleine Gruppen durch das Museum geleitet, an ausgewählten Orten dann die einzelnen Szenen des Stü­ckes vorgeführt. Im Hinblick auf das bevorstehende Weihnachtsfest werden schon jetzt Gutscheine für den Theaterbesuch oder ein Arran­gement mit anschließendem Drei-Gänge-Menü angeboten.

Und Magdalena, der Atomkrieg, das Ende? Wer es genau wissen möchte, dem sei der Theaterbesuch ans Herz gelegt. Die Lesung in der Kräuter-Apotheke machte jeden­falls Appetit auf mehr.
 

Hans-Bern Glanz

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