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Locker und gut drauf auch ohne Rausch

Weniger ist mehr: Realschülerinnen lernten Gefahren des Alkohols kennen – Mortler: „Suchtmittel Nummer eins“ - 02.07.2015 16:30 Uhr

Ein Prosit der Enthaltsamkeit: Beim Aktionstag „Weniger ist mehr!“ des AWO-Therapiezentrums Schloss Cronheim machten die Teenager der Gunzenhäuser Mädchenrealschule die Erfahrung, dass ein Umtrunk auch ohne Alkohol lecker und gesellig sein kann. © Patrick Shaw


Die aktuellen Zahlen zum Alkoholkonsum unter Jugendlichen stellte am gestrigen Dienstag die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, vor.
Fast zehn Liter reinen Alkohol konsumiert jeder Deutsche durchschnittlich im Jahr. Das entspricht – Kinder ausgenommen – mehr als zwei 0,33- Liter-Flaschen Bier pro Tag und Kopf. Die Bundesrepublik liegt damit weltweit auf einem traurigen fünften Platz. An den direkten Folgen des Trinkens sterben täglich über 200 Menschen. Jede dritte Gewalttat geschieht unter Alkoholeinfluss, und jeder siebte Jugendliche und junge Erwachsene unter 25 Jahren bewegt sich an oder jenseits der Grenze zum Rauschtrinken.

Der aktuellen Studie „Alkoholkonsum Jugendlicher und junger Erwachsener in Deutschland 2014“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zufolge hat sich die Situation seit der letzten Befragung zwar deutlich verbessert: „Nur“ noch 12,9 Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen und 35,4 Prozent der 18- bis 25-Jährigen trinken sich mindestens einmal im Monat einen Rausch an. Vor sieben Jahren waren es noch 20,4 beziehungsweise 40,8 Prozent.

Laut Marlene Mortler ist Alkohol dennoch „nach wie vor das Suchtmittel Nummer eins bei jungen Menschen“ und „eines der gravierendsten vermeidbaren Gesundheitsrisiken in Deutschland“. Zudem sei der Rückgang fast ausschließlich auf ein zunehmendes Bewusstsein bei den männlichen Jugendlichen zurückzuführen. Während Männer zwar in absoluten Zahlen immer noch mehr Alkohol trinken, sei „ein Rückgang bei den weiblichen Jugendlichen und jungen Frauen leider noch nicht auszumachen“, bestätigt auch BZgA-Leiterin Dr. Heidrun Thaiss. „Insgesamt konsumieren junge Menschen nach wie vor deutlich zu viel Alkohol.“

Über die körperlichen und seelischen Folgen, Suchtmechanismen und Hilfsangebote klärten deshalb die vier Einrichtungen unter der Federführung des AWO-Therapiezentrums Cronheim mit Infoständen, einem Quiz und einem „Rauschbrillen“-Parcours in der Aula der Gunzenhäuser Mädchenrealschule auf. Wie verändere ich mich unter Alkoholeinfluss? Was tun, wenn alle anderen trinken? Und wo liegt meine persönliche Grenze? Diese und viele weitere Fragen beantworteten die Fachleute den Fünft- bis Zehntklässlern. Für die älteren Schülerinnen ebenfalls wichtig: die Gefahren des Trinkens während der Schwangerschaft.

Leckere bunte Mixgetränke gab es bei der Aktion dennoch – aber eben nur alkoholfrei. Dass die Drinks den Mädchen trotzdem schmeckten und auch die anderen Stationen ihren Zweck nicht verfehlten, belegte eine abschließende Umfrage. Drei Viertel der Schülerinnen fanden ihr zufolge die Aktion „super“, richtig schlecht dagegen keine einzige.

Im Dezember werde das Projekt wiederholt, kündigte AWO-Therapiezentrumsleiter Frank Genahl an. Bis dahin werde das Programm noch in Richtung eines „Sinnesparcours“ erweitert. 

Patrick Shaw

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