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Mit der Pistole über den Baikalsee

Gunzenhäuser Extremsportler nehmen für die Deutsche Krebshilfe an Sibirischem Eisrennen teil - 28.11. 17:25 Uhr

GUNZENHAUSEN  - Für alle Fälle werden sie vom Veranstalter mit einer Schusswaffe ausgestattet. Bären oder Wölfe sind jedoch beileibe nicht die einzigen Gefahren, auf die Michael Snehotta, Tobias Altmann und Dominik Luksch vorbereitet sein müssen. Die Extremsportler wollen im März 2012 am „Siberian Black Ice Race“ teilnehmen und dabei den zugefrorenen Baikalsee der Länge nach überqueren.

Tobias Altmann, Michael Snehotta und Dominik Luksch (von links) freuen sich auf ihr großes Abenteuer Baikal-See.
Tobias Altmann, Michael Snehotta und Dominik Luksch (von links) freuen sich auf ihr großes Abenteuer Baikal-See.
Foto: Gruber
Tobias Altmann, Michael Snehotta und Dominik Luksch (von links) freuen sich auf ihr großes Abenteuer Baikal-See.
Tobias Altmann, Michael Snehotta und Dominik Luksch (von links) freuen sich auf ihr großes Abenteuer Baikal-See.
Foto: Gruber

Im Rahmen einer Pressekonferenz im Haus des Gastes in Gunzenhausen informierten die Sportler über die Vorbereitung und geplante Durchführung des außergewöhnlichen Wettbewerbs, an dem sich Mannschaften aus insgesamt sechs Nationen beteiligen werden.

Mit diesem Lauf, „der auch die Härtesten der Harten“ brechen kann, betreten die drei Athleten aus Gunzenhausen, Pfofeld und Ansbach „absolutes Neuland“. Einerseits geht es ihnen darum, die Grenzen ihrer physischen und psychischen Belastbarkeit auszuloten.

Guter Zweck im Vordergrund

Im Vordergrund des riskanten Unternehmens steht jedoch ein guter Zweck. Snehotta, Altmann und Luksch laufen für die Deutsche Krebshilfe. Ihr Ziel ist es, krebskranken Menschen den Mut zu vermitteln, sich nicht aufzugeben. Als Botschafter der Hilfsorganisation will „Teamleader“ Snehotta nach absolvierten 610 Kilometern die deutsche Flagge über die Ziellinie tragen. Er selbst war auch an Krebs erkrankt, ebenso wie Koordinator Walter Rotter aus Winkelhaid, dessen Leben bereits in jungen Jahren am seidenen Faden gehangen hatte.


Das sportliche Trio wird nun aus der Öffentlichkeit verschwinden und sich nur noch auf das Training für das im Frühjahr stattfindende Ereignis konzentrieren. Die weitere Planung und Öffentlichkeitsarbeit übernimmt der Mentalcoach und Persönlichkeitstrainer Walter Rotter. Finanziert wird das Projekt von mehreren Sponsoren.

An erster Stelle sind das die Firmen Binninger (Gunzenhausen), Rösch + Maurer (Brodswinden), Bowtech (Gunzenhausen) und Isono (Nürnberg). Fest eingeplant sind auch private Spendengelder. Darüber hinaus wird das Unternehmen von der Stadt und dem Turnverein Gunzenhausen wohlwollend begleitet. Laut Michael Snehotta belaufen sich die Kosten auf etwa 22 000 Euro.

Jeder eingenommene Euro, der diese Summe übersteigt, „geht 1:1 an die Krebshilfe“. Kein Wunder, dass Gunzenhausens Bürgermeister Joachim Federschmidt ausschließlich lobende und anerkennende Worte für die Extremsportler und ihre Unterstützer parat hatte. Des Weiteren könne die Altmühlstadt bei einem erfolgreichen Abschneiden des Trios kräftig Imagepflege betreiben. Für die Belange des Sports in der Region hätten die Verantwortlichen stets ein offenes Ohr, betonte Federschmidt. Im konkreten Fall komme die soziale Komponente noch hinzu. Eine runde Angelegenheit also. Neben dem zu erwartenden Werbeffekt für Gunzenhausen und das Fränkische Seenland werde eine „gute Sache“ gefördert. Dies sah auch sein Stellvertreter Karl-Heinz Fitz so. Als TV-Vorsitzender hob er die Verbindung zwischen Sport und gesllschaftlichem Leben hervor. Im Namen der Mitglieder hatte er für die Athleten TV-Wimpel mitgebracht. Zum Lauf selbst informierte Snehotta, dass der Baikalsee der älteste und tiefste Süßwassersee der Erde ist .

673 Kilometer Weltnaturerbe

Mit 673 Kilometern Länge und bis zu 82 Kilometern Breite gehört dieses Wasserreservoir seit 1996 zum Weltnaturerbe. Im Winter fallen die Temperaturen bis auf minus 50 Grad – ein anspruchsvoller Ort für den „Siberian Black Ice Race“.

Das Rennen führt das Teilnehmerfeld mit dem einzigen deutschen Team durch eine unwirtliche Eiswüste. Präsentiert sich der Untergrund auf den ersten 300 Kilometern noch relativ eben und begehbar, so ist danach mit Schnee, Eisverwerfungen, gefährlichen Spalten und auch Wasserlöchern zu rechnen. Die Wahl des Fortbewegungsmittels ist frei, solange keine Motoren im Einsatz sind und die Teilnehmer komplett autark das Ziel erreichen.

Neben Läufern werden vermutlich auch Kitesurfer und Radfahrer an den Start gehen. Snehotta, Altmann und Luksch wollen die Strecke bei optimalem Verlauf in 15 Tagen bewältigen. Das Gepäck von 50 Kilogramm pro Mann soll mittels eines Schlittens transportiert werden. Wasser wird aus Schnee und Eis gewonnen, gegessen wird zum großen Teil eine Art Astronautennahrung plus ergänzende Lebensmittel. Hinzu kommen persönliche Utensilien und Wäsche.

Die Kompetenzen unterwegs sind auf die Teammitglieder je nach persönlicher Neigung und Eignung aufgeteilt. In Notfällen kann das Trio via Satellit geortet werden. Ferner sind „Checkpoints“ eingerichtet, die im Abstand von 50 Kilometern den Verbleib der Teilnehmer registrieren. Allerdings können eventuell auch wenig beachtete Umstände zu einem Abbruch des Unternehmens führen. Obwohl eine umfangreich ausgestattete „Reiseapotheke“ allen Widrigkeiten trotzen soll, gibt es diverse Unbekannte, insbesondere wie sich die extreme Kälte auf den Organismus auswirken wird.

Bei 50 Grad Minus aufs Klo gehen?

„Wie wird das sein, bei 50 Grad Minus aufs Klo zu gehen?“, fragt sich wohl nicht nur der 38-jährige Michael Snehotta. Für diese oder ähnlich schwierige Situationen bereitet der Treuchtlinger Extrembergsteiger Arthur Rosenbauer die Gruppe vor. Er besitzt einschlägige Erfahrungen aus zahlreichen Touren und Expeditionen, unter anderem in den Hochregionen des Himalaya-Gebirges. Wichtig sind Hinweise zur Ausrüstung und um Erfrierungen zu vermeiden. „Der Erfolg beginnt im Kopf“, ist das Motto von Mentalberater Oliver Gulde aus Niederstetten. Auch er will „den Jungs“ im Kampf gegen die Strapazen wertvolle Tipps mit auf den Weg geben.

Eigentlich könnte es schon losgehen. Doch vor dem Preis kommt bekanntlich der Schweiß. Snehotta, Altmann (33) und Luksch (28) hoffen auf einen „knallharten Winter“, um zumindest ansatzweise unter Wettbewerbsbedingungen trainieren zu können. Großen Wert legen die Akteure darauf, nicht als Selbstdarsteller angesehen zu werden. Ihre Intention ist es, möglichst viele Menschen zugunsten des guten Zwecks mit ins Boot zu holen.

Auch deshalb und für viele weitere Rückfragen zum Themenkomplex steht Walter Rotter unter Telefon 09187/410645 oder 0170/2136095 zur Verfügung. Informationen gibt es ferner unter info@walterrotter.com. 



ug

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