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Als Repräsentantin und Sympathieträgerin der Landesvereinigung der bayerischen Milchwirtschaft war sie auf Landwirtschafts- und Verbrauchermessen wie der Grünen Woche in Berlin oder der Mailänder „Tuttofood“ mit der bayerischen Delegation unterwegs, an der Seite von Bayerns Staatsminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Helmut Brunner oder dem Präsidenten des bayerischen und deutschen Bauernverbandes Gerd Sonnleitner.
Jetzt ist die Amtszeit der Milchprinzessin vorbei und die 21-Jährige zieht eine durchwegs positive Bilanz: „Wenn ich mit Krone und Dirndl unterwegs war, kamen wildfremde Leute freundlich auf mich zu und erzählten ganz offen von sich. Es gab viele tolle Gespräche!“ Doch ehe sie die silberne Krone mit blauen Steinen tragen durfte, hatte Heike Röthenbacher einen Bewerbungsmarathon zu durchlaufen: Nach einer schriftlichen Bewerbung wurde sie mit zehn weiteren Konkurrentinnen unter 33 ausgewählt und nach Coburg zum Prüfungsgespräch eingeladen. Zwei Titel hatte die Jury aus Molkereivertretern, Sprechern von Verbraucherorganisationen und Journalisten zu vergeben: Es gibt wegen der vielen Termine, die zu absolvieren sind, eine bayerische Milchkönigin und eine bayerische Milchprinzessin. Eine Rangfolge unter den Damen gibt es nicht, jede darf während ihrer Amtszeit einmal die großen Auslandstermine wahrnehmen.
Bei den Auswahlgesprächen machte Heike Röthenbacher einen rundum guten Eindruck. Natürlich passte sie auch von der beruflichen Biografie her gut ins Profil, denn kurz nach der Bewerbung absolvierte sie ihre Prüfung zur Landwirtin mit Bravour und zum Titel der Milchprinzessin sollte bald der einer Bundessiegerin im Berufswettbewerb der Landwirte hinzukommen. Den Ausschlag gaben aber wohl Kriterien wie Kontaktfreudigkeit und Spontaneität. Gerade die Journalisten in der Jury hätten ausgetestet, ob die Dame ihrer Wahl auch medientauglich sei, berichtet sie.
Nach der Wahl ging es dann erst einmal nach Garmisch, um Stoffe einzukaufen. Die künftige bayerische königliche Hoheit wurde mit zwei maßgeschneiderten Dirndln und vorab erwähnter Krone ausgestattet, ehe die Tour mit 50 bis 60 Terminen pro Jahr losging. Sehr gefreut hat sich Heike Röthenbacher über das Sponsoring der Molkerei Zott, die für zwei Jahre ein Leasing-Auto zur Verfügung stellte. Da hatte man schon mal am Abend 600 Kilometer mehr auf dem Tacho, wenn ein Termin in Oberbayern zu absolvieren war. „Für meine persönliche Entwicklung hat mir die Amtszeit viel gebracht“, erzählt Heike Röthenbacher. Und das kann man sich gut vorstellen: Von der Landesvereinigung der bayerischen Milchwirtschaft bekam sie lediglich Termine und den Namen eines Ansprechpartners vor Ort übermittelt, um alles Weitere musste sie sich allein kümmern.
Was ihr denn besonders gut gefallen habe? Ohne zu zögern kommt die Antwort: „Der Kontakt zu den Kindern.“ Mit Freude erinnert sich Heike Röthenbacher an große Kinderaugen, die das mit der Prinzessin richtig ernst nehmen. Das kann sich dann so äußern, dass nun eine Fotografie mit der Milchprinzessin auf dem Nachtkästchen steht oder dass sich Kinder, die eigentlich keine Milch mögen, den Becher von der echten Prinzessin gleich dreimal nachfüllen lassen. Eine Mutter habe einmal verzweifelt gemeint, sie werde sich nun auch ein Dirndl und eine Krone anschaffen, wenn ihr Sprössling dadurch zum Milchtrinken bewegt werden könnte.
Manchmal haben die Eltern auch vorgefasste Meinungen: „Danke, mein Kind isst keinen Käse!“, heißt es dann und kurze Zeit später vertilgt das Kind sein Käsebrot, das es mit Hilfe der Milchprinzessin selbst belegen durfte. Überhaupt hätten Kinder viel Interesse an der Landwirtschaft, es fehle oft nur an Möglichkeiten des Kontakts, meint Heike Röthenbacher und berichtet von der Freude der Kinder, die bei einer Aktion auf einem Erlebnisbauernhof zum Butter-Schütteln und Probemelken eingeladen worden waren.
Als schöne Erfahrung wertet es die jungeTheilenhöferin weiter, dass Bayern so ein gutes Image habe. Es habe durchwegs positive Reaktionen auf den Auftritt im Dirndl gegeben, ohne dabei Bayern auf Dirndl und Lederhose zu reduzieren.Gerade in Mailand hätten die Italiener die „Principessa de la Latte“ hofiert, seien aber auch von den bayerischen Milchprodukten, besonders vom Joghurt, begeistert. Beim bayerischen Oktoberfest, das die EU-Parlamentarier in Brüssel mit Ochs am Spieß und Blasmusik feiern, hätten sich die Engländer sehr gewundert, dass auch Bayern eine „Princess“ habe. Gibt es eigentlich einen Milchkönig? Heike Röthenbacher lacht: Das sei sie oft gefragt worden, aber den gebe es nicht. Auch die Frage, ob denn öfter junge Männer versucht hätten, das Herz der Milchprinzessin zu erobern, muss sie verneinen: Die Politiker und Repräsentanten von Verbänden, mit denen sie oft zu tun gehabt habe, seien „eine andere Altersklasse“. „Ich stand eher bei den fünfjährigen Jungs hoch im Kurs“, schmunzelt sie.
Wer an Schmankerlstraßen und Messen, bei Veranstaltungen von Kreisbäuerinnen, beim Buttermilchausschank an Wanderer auf bayerischen Almen oder im Freizeitland Geiselwind für die bayerische Milch und Milchprodukte zwei Jahre lang wirbt, der kennt nun die Produktpalette der bayerischen Molkereien. „Ich habe viel durchprobiert!“, sagt Heike Röthenbacher. Milch habe sie schon immer gern getrunken, vielleicht nicht in solchen Mengen. Ihre Vorbehalte gegen Weichkäse habe sie revidiert: „Ich esse jetzt gerne Camembert und Obatzten!“ Die aus dem Amt geschiedene Milchprinzessin kann gut zuhören, auf ihre Gesprächspartner eingehen und versteht einiges von der Landwirtschaft: Die Frage liegt nahe, ob nicht an sie herangetreten worden sei, in der Verbandspolitik mehr mitzumischen. Dafür habe sie aber vorerst keine Zeit, meint die junge Landwirtin.
Im Moment absolviert sie die dreisemestrige Landwirtschaftsschule in Roth, die sie als staatlich geprüfte Wirtschafterin beenden wird, um anschließend ihren Abschluss als Landwirtschaftsmeisterin zu machen. Im Kreisvorstand und in der bayerischen Vorstandschaft des Jungtierzüchterclubs ist sie dabei. Später will sie gemeinsam mit den Eltern Renate und Friedrich Röthenbacher den Milchviehbetrieb mit momentan 75 Kühen im modernen Laufstall führen. Heutzutage sei es als Frau einfacher, einen Betrieb zu leiten, denn die körperliche Arbeit werde vielfach durch Maschinen erleichtert. Auch in ihrer Ausbildung gebe es viele junge Frauen, berichtet Heike Röthenbacher: „Der beste Bauer war früher derjenige, der die meiste Kraft gehabt hat und am meisten arbeiten konnte, heute braucht man mehr Köpfchen.“

In unserer hektischen Zeit kommt das Nachdenken oft zu kurz.
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