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Mit Krone,Dirndl und Herz unterwegs

Heike Röthenbacher blickt auf ihre Amtszeit als bayerische Milchprinzessin zurück - 22.05.2011 14:25 Uhr

THEILENHOFEN  - Düssel­dorf, Berlin, Brüssel, Mailand: Heike Röthenbachers Terminkalender in den vergangenen zwei Jahren war zwar vorrangig mit Terminen im Bayern­land ausgebucht, doch es gab eben auch jene Höhepunkte, die eigentlich an international besetzte Modemessen und Laufsteg-Karriere denken lassen. Und ein bisschen stimmt es auch mit dem Laufsteg: Heike Röthenbacher hatte zwei Jahre lang das ehrenvolle Amt der bayerischen Milchprinzessin auszufüllen.


Zwei Jahre lang bekleidete Heike Röthenbacher das Amt der bayerischen Milchprinzessin
Zwei Jahre lang bekleidete Heike Röthenbacher das Amt der bayerischen Milchprinzessin
Foto: nn

Als Repräsentantin und Sympathie­trägerin der Landesvereinigung der bayerischen Milchwirtschaft war sie auf Landwirtschafts- und Verbrau­chermessen wie der Grünen Woche in Berlin oder der Mailänder „Tutto­food“ mit der bayerischen Delegation unterwegs, an der Seite von Bayerns Staatsminister für Ernährung, Land­wirtschaft und Forsten Helmut Brun­ner oder dem Präsidenten des bayeri­schen und deutschen Bauernverban­des Gerd Sonnleitner.

 Jetzt ist die Amtszeit der Milchprin­zessin vorbei und die 21-Jährige zieht eine durchwegs positive Bilanz: „Wenn ich mit Krone und Dirndl un­terwegs war, kamen wildfremde Leute freundlich auf mich zu und erzählten ganz offen von sich. Es gab viele tolle Gespräche!“ Doch ehe sie die silberne Krone mit blauen Steinen tragen durfte, hatte Heike Röthenbacher ei­nen Bewerbungsmarathon zu durch­laufen: Nach einer schriftlichen Be­werbung wurde sie mit zehn weiteren Konkurrentinnen unter 33 ausge­wählt und nach Coburg zum Prü­fungsgespräch eingeladen. Zwei Titel hatte die Jury aus Molkereivertretern, Sprechern von Verbraucherorganisati­onen und Journalisten zu vergeben: Es gibt wegen der vielen Termine, die zu absolvieren sind, eine bayerische Milchkönigin und eine bayerische Milchprinzessin. Eine Rangfolge un­ter den Damen gibt es nicht, jede darf während ihrer Amtszeit einmal die großen Auslandstermine wahrneh­men.

Kontaktfreudig und spontan

Bei den Auswahlgesprächen machte Heike Röthenbacher einen rundum guten Eindruck. Natürlich passte sie auch von der beruflichen Biografie her gut ins Profil, denn kurz nach der Bewerbung absolvierte sie ihre Prü­fung zur Landwirtin mit Bravour und zum Titel der Milchprinzessin sollte bald der einer Bundessiegerin im Be­rufswettbewerb der Landwirte hinzu­kommen. Den Ausschlag gaben aber wohl Kriterien wie Kontaktfreudig­keit und Spontaneität. Gerade die Journalisten in der Jury hätten ausge­testet, ob die Dame ihrer Wahl auch medientauglich sei, berichtet sie.

Nach der Wahl ging es dann erst einmal nach Garmisch, um Stoffe ein­zukaufen. Die künftige bayerische kö­nigliche Hoheit wurde mit zwei maß­geschneiderten Dirndln und vorab er­wähnter Krone ausgestattet, ehe die Tour mit 50 bis 60 Terminen pro Jahr losging. Sehr gefreut hat sich Heike Röthenbacher über das Sponsoring der Molkerei Zott, die für zwei Jahre ein Leasing-Auto zur Verfügung stell­te. Da hatte man schon mal am Abend 600 Kilometer mehr auf dem Tacho, wenn ein Termin in Oberbayern zu ab­solvieren war. „Für meine persönliche Entwick­lung hat mir die Amtszeit viel ge­bracht“, erzählt Heike Röthenbacher. Und das kann man sich gut vorstellen: Von der Landesvereinigung der baye­rischen Milchwirtschaft bekam sie le­diglich Termine und den Namen eines Ansprechpartners vor Ort übermittelt, um alles Weitere musste sie sich allein kümmern.

Was ihr denn besonders gut gefallen habe? Ohne zu zögern kommt die Ant­wort: „Der Kontakt zu den Kindern.“ Mit Freude erinnert sich Heike Rö­thenbacher an große Kinderaugen, die das mit der Prinzessin richtig ernst nehmen. Das kann sich dann so äu­ßern, dass nun eine Fotografie mit der Milchprinzessin auf dem Nachtkäst­chen steht oder dass sich Kinder, die eigentlich keine Milch mögen, den Be­cher von der echten Prinzessin gleich dreimal nachfüllen lassen. Eine Mut­ter habe einmal verzweifelt gemeint, sie werde sich nun auch ein Dirndl und eine Krone anschaffen, wenn ihr Sprössling dadurch zum Milchtrinken bewegt werden könnte.

 Manchmal haben die Eltern auch vorgefasste Meinungen: „Danke, mein Kind isst keinen Käse!“, heißt es dann und kurze Zeit später vertilgt das Kind sein Käsebrot, das es mit Hilfe der Milchprinzessin selbst belegen durfte. Überhaupt hätten Kinder viel Interes­se an der Landwirtschaft, es fehle oft nur an Möglichkeiten des Kontakts, meint Heike Röthenbacher und berich­tet von der Freude der Kinder, die bei einer Aktion auf einem Erlebnisbau­ernhof zum Butter-Schütteln und Pro­bemelken eingeladen worden waren.

Bayern hat gutes Image

Als schöne Erfahrung wertet es die jungeTheilenhöferin weiter, dass Bay­ern so ein gutes Image habe. Es habe durchwegs positive Reaktionen auf den Auftritt im Dirndl gegeben, ohne dabei Bayern auf Dirndl und Leder­hose zu reduzieren.Gerade in Mailand hätten die Italiener die „Principessa de la Latte“ hofiert, seien aber auch von den bayerischen Milchprodukten, besonders vom Joghurt, begeistert. Beim bayerischen Oktoberfest, das die EU-Parlamentarier in Brüssel mit Ochs am Spieß und Blasmusik feiern, hätten sich die Engländer sehr ge­wundert, dass auch Bayern eine „Princess“ habe. Gibt es eigentlich einen Milchkönig? Heike Röthenbacher lacht: Das sei sie oft gefragt worden, aber den gebe es nicht. Auch die Frage, ob denn öfter junge Männer versucht hätten, das Herz der Milchprinzessin zu erobern, muss sie verneinen: Die Politiker und Repräsentanten von Verbänden, mit denen sie oft zu tun gehabt habe, seien „eine andere Altersklasse“. „Ich stand eher bei den fünfjährigen Jungs hoch im Kurs“, schmunzelt sie.

Wer an Schmankerlstraßen und Mes­sen, bei Veranstaltungen von Kreisbäu­erinnen, beim Buttermilchausschank an Wanderer auf bayerischen Almen oder im Freizeitland Geiselwind für die bayerische Milch und Milchprodukte zwei Jahre lang wirbt, der kennt nun die Produktpalette der bayerischen Molkereien. „Ich habe viel durchpro­biert!“, sagt Heike Röthenbacher. Milch habe sie schon immer gern ge­trunken, vielleicht nicht in solchen Mengen. Ihre Vorbehalte gegen Weich­käse habe sie revidiert: „Ich esse jetzt gerne Camembert und Obatzten!“ Die aus dem Amt geschiedene Milchprinzessin kann gut zuhören, auf ihre Gesprächspartner eingehen und versteht einiges von der Land­wirtschaft: Die Frage liegt nahe, ob nicht an sie herangetreten worden sei, in der Verbandspolitik mehr mitzumi­schen. Dafür habe sie aber vorerst kei­ne Zeit, meint die junge Landwirtin.

Im Moment absolviert sie die dreise­mestrige Landwirtschaftsschule in Roth, die sie als staatlich geprüfte Wirtschafterin beenden wird, um an­schließend ihren Abschluss als Land­wirtschaftsmeisterin zu machen. Im Kreisvorstand und in der bayeri­schen Vorstandschaft des Jungtier­züchterclubs ist sie dabei. Später will sie gemeinsam mit den Eltern Renate und Friedrich Röthenbacher den Milchviehbetrieb mit momentan 75 Kühen im modernen Laufstall führen. Heutzutage sei es als Frau einfacher, einen Betrieb zu leiten, denn die kör­perliche Arbeit werde vielfach durch Maschinen erleichtert. Auch in ihrer Ausbildung gebe es viele junge Frau­en, berichtet Heike Röthenbacher: „Der beste Bauer war früher derjeni­ge, der die meiste Kraft gehabt hat und am meisten arbeiten konnte, heu­te braucht man mehr Köpfchen.“

  

Babett Guthmann

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