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Die Landtagswahl am 20. November wirft schon ihre Schatten voraus, und so passte es gut ins Programm, dass sich mit Kultusminister Ludwig Spaenle ein wahres Zugpferd der Christsozialen zum Jahresempfang des CSU-Kreisverbands Weißenburg-Gunzenhausen angesagt hatte. Neben reichlich Informationen zur bayerischen Bildungspolitik aus erster Hand gab es im brechend vollen Saal des Altmühlsee-Informationszentrums in Muhr am See denn auch kräftigen Rückenwind für Gastgeber Gerhard Wägemann, der sich um den Chefsessel im Landratsamt bewirbt.
Dass im Landkreis Neuwahlen nötig werden, konnte bei der Einladung Spaenles allerdings niemand ahnen, hoffte man doch, dass Franz Xaver Uhl auf seinen Posten zurückkehren würde. Eine Hoffnung, die auch der Gast aus München teilte, der seinem Landtagskollegen Wägemann großen Respekt für seine Entscheidung zollte, die Nachfolge Uhls antreten zu wollen. Allerdings ist dieser Schritt für den Staatsminister mit einem Wermutstropfen behaftet, würde er doch einen „kompetenten Mitstreiter im zentralen Feld der Landespolitik“ verlieren.
Wägemann, der auch Mitglied im Bildungsausschuss ist, habe sich in den vergangenen acht Jahren gut eingearbeitet und Akzente gesetzt, lobte Spaenle und bezeichnete den Weißenburger Abgeordneten als einen erfahrenen Bewerber. Kurz: „Er kann’s!“ Überhaupt ließ Spaenle weder einen Zweifel daran, dass er von den Fähigkeiten des Landratskandidaten überzeugt ist, noch daran, dass ihm der Landkreis und seine Bewohner – nicht zuletzt wegen seiner familiären Wurzeln in Spielberg sprach er des Öfteren von seiner zweiten Heimat – am Herzen liegen.
Und er weiß auch, dass es nicht einfach sein wird, das breite Bildungsangebot in ländlich geprägten Landkreisen wie es Weißenburg-Gunzenhausen nun mal ist, angesichts der sinkenden Schülerzahlen aufrecht zu erhalten. Doch die Zielsetzung aus München ist unmissverständlich: „Kirche und Schule sollen im Dorf bleiben.“ Er sprach sich klar für gleichwertige Lebensbedingungen und ein wohnortnahes weiterführendes Schulangebot aus. „Das ist ein Stück Lebensqualität, Standortsicherung und Bildungsgerechtigkeit“, betonte Spaenle.
Die 965 Haupt- beziehungsweise Mittelschulstandorte in Bayern sind für den Minister ein Geschenk. „Die Vorbereitung auf die duale Ausbildung kann diese Schulform am besten“, zeigte er sich überzeugt. Geplant ist, die intensive Vorbereitung auf die Arbeitswelt zusammen mit den Arbeitsämtern weiter zu verbessern und die weiterführenden Angebote breit aufzustellen.
Es werde aber trotz allem nicht möglich sein, alle Standorte zu sichern: „Dort, wo keine Schüler mehr sind, kann auch keine Schule mehr stattfinden.“ Das Bildungspaket, das in der Landeshauptstadt gerade geschnürt wird, sieht außerdem eine Bestandsgarantie für die Grundschulen vor, dort „wo es die Eltern wünschen.“ Dafür werde eine Mindestgröße definiert, die bei rund 30 Schülern insgesamt (also in den Klassen ein bis vier zusammen) liegen soll. Gelingen kann dies durch jahrgangskombinierte Klassen, sprich die Jahrgangsstufen eins und zwei werden gemeinsam unterrichtet sowie die Klassen drei und vier. Damit sollen möglichst viele der 2100 Grundschulen im Freistaat gemäß dem Leitsatz „Kurze Beine – kurze Wege“ erhalten bleiben.
Jeder Abschluss soll räumlich erreicht werden können, so lautet die Prämisse. Um diese in die Tat umsetzen zu können, will Spaenle die Zusammenarbeit zwischen den Schularten verstärken. Einer Einheitsschule erteilte er jedoch eine klare Absage („Das wird es mit uns nicht geben“), vielmehr muss die Durchlässigkeit verbessert werden und „die Schule muss pädagogischer Schulweghelfer sein“. So soll es beispielsweise mit dem Konzept „9+2“ möglich sein, nach dem „Quali“ einen Realschulabschluss zu machen.
Auch der Weg, über die Fachhochschule zur Hochschulreife zu gelangen, soll weiter eröffnet werden. Gleiches gilt für das Abitur am Gymnasium nach einem mittleren Schulabschluss. „Wir wollen jeden Abschluss für jedes Kind ermöglichen, egal wo es wohnt“, brachte der Kultusminister seine Pläne auf den Punkt, bei denen auch die soziale Herkunft keine Rolle spielen dürfe.
Pläne, die vielleicht bald im Landkreis umgesetzt werden könnten: Schon vor einigen Monaten habe man sich darauf verständigt, dass Weißenburg-Gunzenhausen als ländlicher Pilot-Landkreis in Frage komme. Bei Interesse würde er das Angebot aufrecht erhalten, sicherte der CSU-Politiker zu. Anbieten würde sich seiner Meinung die Stadt Weißenburg, weil dort momentan ein sehr ambitioniertes Raumprogramm in Arbeit sei, dass dann vielleicht in den Genuss einiger Förderungen kommen könnte.
Und hierbei könnte sich auszahlen, dass Wägemann als ein energischer Streiter gilt, auch wenn es um den Einsatz von finanziellen Mitteln geht. „Er legt den Finger in die Wunde“, bescheinigte ihm sein Parteifreund. Neben den allgemeinbildenden Schulen sprach Spaenle die Berufsschulen an, die ebenfalls stabilisiert werden müssten. In Gunzenhausen zum Beispiel ist das Thema Tourismus im Gespräch, und er sei guter Dinge, dass dieses Vorhaben zu einem guten Ergebnis kommt.
Einen Augenmerk richtete er außerdem auf die Erwachsenenbildung. Auch dieser Bereich sei vom demografischen Wandel betroffen und müsse begleitet und ausgebaut werden. Ein weiteres Thema ist der Unterrichtsausfall, „ein Ärgernis, das zurückgefahren werden muss“. Einig sind sich alle Parteien, was die Inklusion von Menschen mit einem besonderen Förderbedarf betrifft, was letztlich in einem Gesetz mündete. Diese Menschen sollen so individuell wie möglich ihren Weg gehen können, und zwar „in der Mitte der Gesellschaft und nicht am Rande.“ Die Förderzentren sollen als Kompetenzzentren erhelten bleiben, aber auch der Weg an die Regelschulen möglich gemacht werden, erläuterte der Minister, der davon ausgeht, dass dies kein einfacher Auftrag werden wird. „Aber wir nehmen das Thema sehr ernst“, bekräftigte er.
Und er hatte offensichtlich eine Portion Zeit mit ins Seenland gebracht, stellte er sich nach diesem ausführlichen Einblick in die Bildungspolitik geduldig vielen Fragen in kleiner Runde. Wer immer wollte, konnte die Gelegenheit nutzen, um mit dem Staatsminister über das Thema zu sprechen, das, wie Wägeman eingangs bemerkte, immer aktuell ist. Auch darüber hinaus folgten die Gäste rege der Einladung des Kreisvorsitzenden zum ungezwungenen Gedankenaustausch, sodass die Räume des AIZ noch längere Zeit gut gefüllt waren.

In unserer hektischen Zeit kommt das Nachdenken oft zu kurz.