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Im neuen Jahrbuch des Vereins für Heimatkunde Gunzenhausen gibt Werner Kugler, der vormalige Dekan, einen skizzenhaften Einblick in die Geschichte des Orts („Heidenheim am Ende des Mittelalters – ein paar Streiflichter“). Zur Klarstellung: Die Rede ist nicht von der neuen katholischen Kirche St. Walburg, sondern von der Pfarrkirche, die 1551 nebst 30 weiteren Gebäuden infolge einer Feuersbrunst niedergebrannt ist und nicht mehr aufgebaut wurde. Für die Heidenheimer war das gar nicht so schlimm, wie Werner Kugler darstellt, denn der Markgraf von Ansbach erlaubte ihnen daraufhin die Benützung der Klosterkirche.
Es war genau der 12. April 1552. Der Klosterverwalter Hans Reinmann überbrachte damals die schreckliche Nachricht an die Regenten in Ansbach. Unter den ausgebrannten Gebäuden befnden sich auch alle vier Bäckereien des Orts. Die Unterlagen von Amtmann Christoph von Liechtenstein geben für den Forscher einiges her. Es finden sich Hinweise auf die Brandbekämpfung (aus allen umliegenden Dörfern sind Leute mit Pferden nach Heidenheim gekommen, um Wasser zu den Brandstätten zu fahren und glimmende Hölzer von den Brandplätzen wegzubringen) und zum Wiederaufbau der Häuser.
Werner Kugler stützt sich in seinen historischen „Skizzen“ auf Berichte von alten Heidenheimern, die früher beim Grabmachen im nördlichen Teil des alten Friedhofs auf Fundamentreste der einstigen Kirche gestoßen sind. In der Eingangshalle des Münsters ist heute noch das Bogenfeld eines romanischen Portals zu sehen, das nach dem Abbruch eines alten Privathauses dorthin verbracht worden ist.
Weitere Geschichten beziehen sich auf die Heidenheimer Amtsinsignien und auf die liturgischen Bücher, die es früher im Benediktinerkloster gegeben hat. Es waren zum Teil kunstvoll gestaltete, handgeschriebene Messbücher, Evangeliare, Psalterien und Hymnare, die aber vor Ort nicht mehr vorhanden sind. Aber im Nürnberger Hauptstaatsarchiv hat Werner Kugler Archivalien der Klosterverwaltung gefunden. Die einstigen Schriftstücke dienten als Einbandmaterial. Auch in der Weißenburger Ratsbibliothek findet sich ein benediktinisches Messbuch, das in Heidenheim benützt wurde. Mit roter Tinte sind Randbemerkungen angebracht, die sich mit dem befassen, was man heute wohl unter Gottesdienstordnung verstehen kann. Neben bedruckten Seiten finden sich dort auch handschriftliche Eintragungen zu örtlichen Festen und „Maßregeln“, die von den Priestern zu beachten waren.
Kugler geht davon aus, dass das Buch 1498 von einem Nürnberger Buchhändler gekauft wurde. Es blieb wohl solange in Gebrauch, wie lateinische Gottesdienste im Münster gefeiert wurden. Nach 1533 gibt es keine handschriftlichen Einträge mehr. Fortan hat die markgräfliche Kirchenordnung gegolten.
In den Heidenheimer Tauf- und Traubüchern (ab 1534) ist Autor Werner Kugler auf ein weiteres interessantes Kapitel gestoßen: die Judentaufen in Heidenheim. Nachgewiesen ist, dass es schon Ende des 13. Jahrhunderts Juden in der Gegend gegeben hat.
Ein Visitationsbericht von 1480 berichtet von zwei Häusern in Hechlingen, in denen Juden gelebt haben. Menschliche Schwächen hat es auch damals schon gegeben. 1537 wird ein Jude Sander aus Polsingen erwähnt, dessen Ehefrau ihn verließ und mit einem ledigen Gesellen (dem gebürtigen Polsinger Hans Hitlen) umherzog und von ihm geschwängert wurde. Die Juden waren zornig auf die Mutter, die sich mit einem Christen eingelassen hatte. Sie wollten das Kind in ein Spital abschieben, aber der Heidenheimer Klosterpfarrer Hans Bierbäu und seine Frau nahmen das Kind an sich.
Das Jahrbuch „Alt-Gunzenhausen“ des Vereins für Heimatkunde ist für 15 Euro im örtlichen Buchhandel erhältlich.

In unserer hektischen Zeit kommt das Nachdenken oft zu kurz.