10°

Montag, 24.09.2018

|

Triesdorf setzt auf eigene Milch

Molkerei verarbeitet den Rohstoff aus dem benachbarten Stall - 15.01.2017 08:03 Uhr

Wie im Taubenschlag geht es im Triesdorfer Käseladen zu. Rita Kocher und Christa Breit sind hier langjährige Verkäuferinnen. Der Laden ist ein Geheimtipp und bietet Schmankerln aus der Palette der Triesdorfer Lebensmittelprodukte aus der Landwirtschaft. © Margit Schachameyer


Dank einer separaten Kammer im Tanksammelwagen kann die Triesdorfer Milch über die kurze Strecke befördert werden, ohne sich mit anderer Milch zu vermischen. Der Camembert „Triesdorfer Silber“ und der „Wilde Markgraf“ wurden kürzlich rein aus Triesdorfer Milch gefertigt und zur Präsentation war auch Bezirkstagspräsident Richard Bartsch zugegen.

„Wenn man von Regionalität spricht, meint man normalerweise etwa 50 Kilometer; hier sind es hundert Meter“, freute sich Molkereimeister Rudolf Raith. Bezirkstagspräsident Bartsch gab ebenfalls seiner Freude Ausdruck über den dadurch gelungenen Schulterschluss von Milchgewinnungszentrum und dem Milchwirtschaftlichen Verein Franken (MVF) als Betreiber der Triesdorfer Molkerei. Sie gilt übrigens als älteste Molkerei im süddeutschen Raum.

Lange Geschichte

Bereits 1737 wurden zwei sogenannte Meierei-Scheunen innerhalb des damaligen landwirtschaftlichen Betriebes der Ansbacher Markgrafen errichtet. Unter Markgraf Alexander entsteht dann eine Meierei mit der Aufgabe, die im landwirtschaftlichen Betrieb anfallende Milch zu verarbeiten. 1785 ließ Lady Graven, die englische Freundin des Markgrafen Alexander, Rezepte zur Bereitung von Käse aus England kommen: Man produzierte den „Stilton-Käse“, einen mit Blauschimmel durchzogenen halbfesten Schnittkäse, und den „Berkeley“, einen fetten oder halbfetten Schnittkäse. Diese Zeit gilt als Gründungsdatum der Molkerei in Triesdorf; sie ist damit die älteste Molkerei im süddeutschen Raum.

1847 wird die Hofmeierei dann zur Gutsmolkerei der „Königlichen Kreisackerbauschule“. 1895 übernahm der Bezirksverband Ober- und Mittelfranken Triesdorf. Seit 1931 besteht die Molkerei an ihrem heutigen Standort. 1947 wurde sie dem Milchwirtschaftlichen Verein Franken (MVF) als Lehrmolkerei zunächst für zehn Jahre überlassen. Dieser baute dann die technische Einrichtung weiter aus und schuf im Dachgeschoss Internatsräume.

1972 wurde aus der Lehr- und Versuchsanstalt des MVF die Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Milchwirtschaft und Molkereiwesen. Seit 2002 gehört das Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum (LVFZ) für Milchanalytik zur Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft.

Das Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Milchanalytik ist die überbetriebliche Ausbildungsstätte in Bayern für den Ausbildungsberuf Milchwirtschaftlicher Laborant/Milchwirtschaftliche Laborantin.

Petra Hartner, Leiterin des LVFZ Triesdorf, Bezirkstagspräsident Richard Bartsch (Mitte) und Molkereimeister Rudolf Raith präsentieren den neuen Käse. © LVFZ


Angegliedert ist die Staatliche Fachschule für Agrarwirtschaft, Fachrichtung „Milchwirtschaftliches Laborwesen“. An dieser Schule wird einmalig in Deutschland und darüber hinaus in Vollzeitform auf die Labormeisterprüfung vorbereitet.

Die Lehrmolkerei wurde auch nach Errichtung der Lehr- und Versuchsanstalt 1955 weiterhin für die Aus- und Fortbildung genutzt. 1990 wurde das eigene Einzugsgebiet der Lehrmolkerei an die Rangau-Käserei in Fürth abgegeben. Ein Kleinbetrieb wurde aufrechterhalten, in dem in den vergangenen Jahren unter anderem Ziegenmilch und Bio-Milch verarbeitet wurde. Ab 2017 wird nun zusätzlich die Triesdorfer Milch der Landwirtschaftlichen Lehranstalten verarbeitet.

Nach dem Krieg waren die wirtschaftlichen Verhältnisse sehr schwierig und die Versorgung der Bevölkerung noch unzureichend. Milcherzeuger und Molkereifachleute aus Franken schlossen sich zusammen, bezogen den Milchhandel und den Verbraucher ein und gründeten im Juli 1946 in Ansbach den Milchwirtschaftlichen Verein Franken. Da man erkannte, dass insbesondere Fachpersonal notwendig war, um die fränkische Milchwirtschaft wieder aufzubauen und zu modernisieren, wandte sich der Verein der Aus- und Fortbildung im Molkereifach zu.

Dazu übernahm er die Lehrmolkerei in Triesdorf und baute diese zu einer modernen Lehr- und Versuchsanstalt des Milchwirtschaftlichen Vereins Franken auf. Daneben schuf der Verein eine Milchwirtschaftliche Untersuchungsanstalt, die früher in Nürnberg war und 1970 nach Triesdorf verlagert wurde.

Qualitätsprüfungen und -untersuchungen werden heute nicht mehr durchgeführt. Der MVF betreibt jedoch heute noch die Lehrmolkerei und unterstützt weiterhin die Aus- und Fortbildung in der Milchwirtschaft.

Geheimtipp Käseladen

Ein Geheimtipp ist der zur Triesdorfer Molkerei gehörende Käseladen. Hier werden nicht nur selber hergestellte, sondern auch zugekaufte Käsesorten angeboten. Weiter werden sämtliche Triesdorfer Produkte hier vermarktet, also etwa auch Joghurt, Honig, Apfelsaft oder Schnaps. Darüber hinaus gibt es auch saisonale Angebote wie etwa Spargel. Geöffnet ist mittwochs immer nachmittags, an den anderen Wochentagen (außer sonntags) immer vormittags.

  

MARGIT SCHACHAMEYER E-Mail

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Triesdorf, Triesdorf