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Samstag, 22.09.2018

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Tunnel unterm Altmühlsee für B13-Umgehung?

Vorschlag aus der Bevölkerung scheitert wohl am Wirtschaftlichkeitsgebot - 31.08.2018 06:02 Uhr

Ein Tunnel unter dem Altmühlsee als B13-Umfahrung von Schlungenhof hat nun Michael Hoffmann ins Gespräch gebracht. Wie der verlaufen könnte, hat der Gunzenhäuser auf diesem Luftbild eingezeichnet. Die Zahlen von 1 bis 6 kennzeichnen bestehende neuralgische Punkte, die nach Hoffmanns Meinung besser gelöst werden könnten. © google earth


Etwa auf der Höhe von Laubenzedel, so der Vorschlag von Hoffmann, sollte die B13 Richtung See und unter die Erde geführt werden. Auf Höhe des Parkplatzes an der Hirteninsel könnten die Autofahrer dann wieder nach oben und auf die bestehende Umgehungsstraße geführt werden. Nach der Bahnunterführung sollte die Trasse nach Hoffmanns Meinung diagonal Richtung Aha geführt werden, um den Verkehr möglichst ungehindert fließen zu lassen.

Für Hoffmann wäre dies "die beste Lösung für das Fränkische Seenland", wie er in einem Schreiben an Baudirektor Heinrich Schmidt vom Staatlichen Bauamt Ansbach darlegt. Seine Variante entspräche nicht nur "in hohem Maß" den Zielen des Bundesverkehrswegeplans, sie würde auch den Verkehrsfluss extrem verbessern und alle Anwohner sowie Gunzenhausen "nachhaltig entlasten".

Hoffmann ist dabei klar, dass seine Idee nicht eben die wirtschaftlichste Lösung ist und "die Baukosten hier der Knackpunkt sein werden". Dieses Problem zu lösen und dafür zu sorgen, dass der Tunnel realisiert wird, ist für ihn Sache der Politik. "Im Seenland wurden schon ganz andere Erdmassen bewegt", hält Hoffmann nichts für unmöglich und verweist darauf, dass auch andere Gemeinden eine Tunnellösung erkämpft haben.

Bereits diskutiert und verworfen

Beim Staatlichen Bauamt ist allerdings genau diese Wirtschaftlichkeit eine maßgebliche Vorgabe. Deshalb hält Baudirektor Schmidt den Vorschlag für eher nicht durchführbar, denn ein Kilometer Tunnel würden "zig Millionen Euro" kosten. Dennoch verspricht Schmidt auf Anfrage des Altmühl-Boten: "Wir schauen uns die Sache an." Allerdings sei ein solcher Tunnel bereits in einer sehr frühen Phase in der Arbeitsgruppe angedacht und auch sofort wieder verworfen worden. Ähnlich wie bei der sogenannten Westumfahrung gaben hier Kostengründe den Ausschlag.

Auch die nun ins Gespräch gekommene "Winter-Variante" kam bei der Suche nach möglichen Varianten in der Arbeitsgruppe auf den Tisch und wurde laut Schmidt ebenfalls aussortiert. Da es nun aber offensichtlich "eine gewisse Gesprächsbereitschaft" zu dieser Lösung gebe, werde sie, wie übrigens auch die Kernstockvariante, noch einmal näher angesehen. Die dafür notwendigen Fachplanungen hat das Staatliche Bauamt nun in Auftrag gegeben, die zuständigen Ingenieurbüros "sind intensiv tätig", heißt es in einer gestern eingegangenen Pressemitteilung der Behörde zum weiteren Vorgehen. Landschaftsplaner und Biologen, Straßenplaner und Verkehrsgutachter sind nun am Werk. Geprüft wird die Umweltverträglichkeit der einzelnen Trassen, also deren Auswirkungen auf wichtige Schutzgüter wie Gesundheit, Flora und Fauna, biologische Vielfalt, Flächenverbrauch, Wasser oder auch das Klima. Die Straßenplaner nehmen jede Variante unter die Lupe, um deren Verlauf nach Lage und Höhe sowie die notwendigen Knotenpunkte, eventuelle Brückenbauten und die Hoch- und Grundwasserverhältnisse zu prüfen, auch das Geh- und Radwegenetz sowie die Wirtschaftswege werden beachtet. Lärmtechnische Berechnungen sowie die Untersuchung der Auswirkungen auf den Verkehr runden diese Studien ab.

Die Fachplanungen liefern die Grundlage, um die Varianten nach "gut vergleichbaren Bewertungskriterien beurteilen und gegenüberstellen zu können", ist der Pressemeldung zu entnehmen. Ergebnisse werden voraussichtlich Anfang 2019 vorliegen, dann könne der "bisher offen und umfassend geführte Dialogprozess zusammen mit den bekannten Gremien Arbeitsgruppe, Lenkungsgruppe und Bürgerdialog fortgesetzt werden", heißt es.

Zeitplan wird nicht eingehalten

Damit kann der ursprünglich Zeitplan aber nicht eingehalten werden. Ausschlaggebend, dass überhaupt mit der Planung einer Ortsumgehung von Schlungenhof begonnen wurde, waren laut Schmidt ja unter anderem der Wunsch der Bahn, die Bahnübergängen in absehbarer Zeit zu beseitigen. Die Baumaßnahmen der Bahn sollen möglichen Umgehungstrassen nicht entgegen stehen. Mit dem Schienenunternehmen hatte man sich deshalb darauf geeinigt, dass die Bahn bis Ende 2018 abwartet, das Straßenbauamt seinerseits bis zu diesem Termin konkrete Vorschläge liefert.

Die könnten aber erst gemacht werden, erläutert Schmidt im Gespräch mit unserer Zeitung, wenn die notwendigen "Fakten auf dem Tisch liegen". Insgesamt sieben Varianten werden jetzt auf ihre Realisierbarkeit abgeklopft, Hoffmanns Tunnellösung ist nicht darunter. Die Winter- und Kernstockvarianten wurden vom Staatlichen Bauamt in der Hoffnung aufgenommen, dass "sich daraus die gerade erkennbaren Annäherungen der unterschiedlichen Interessenslager zu einem versachlichten und ergebnisorientierten Planungsablauf mit möglichst breiter Akzeptanz weiter entwickeln lassen".

Vor allem aber der Vorschlag von Stadtrat Dr. Werner Winter kommt nach Hoffmanns Meinung "einer kompletten Zielverfehlung gleich". Der moderne Autofahrer lässt sich von seinem Navigationsgerät leiten, führt Hoffmann an. Werde die Umgehung aber bis zur McDonald’s-Kreuzung geführt, dann werde er von seinem Leitsystem entweder Richtung Pleinfeld oder gleich durch Gunzenhausen weitergeführt, aber sicher nicht zurück an den Altmühlsee, befürchtet Hoffmann. Diese Überlegung war auch mit ausschlaggebend, dass er sich nun in die Diskussion eingeschaltet hat.  

Marianne Natalis Altmühl-Bote E-Mail

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