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In ihrem Parteirat hat die SPD diese längst erreicht: 46 der 98 Parteitagsteilnehmer waren Frauen. „Gleichstellungspolitik ist kein Geschlechterkampf“, betonte Ude in der mit noch einmal der gleichen Zahl an Medienvertretern und Gästen proppenvollen Stadthalle. Statt der geplanten 15 Minuten sprach der Herausforderer von Horst Seehofer fast eine Stunde – und wurde danach minutenlang mit stehenden Ovationen gefeiert.
„Frauen in den Chefetagen sind kein Benefiziat, sondern die unternehmerische Chance, männliche Defizite auszugleichen“, rief Ude den Delegierten zu. Dies gelte „nirgends so himmelschreiend wie in der Finanzwelt“. Frauen seien in Bayern zwar in den Stadträten und als Rathauschefs vertreten, aber so gut wie nie in gut bezahlten Vorstands- und Aufsichtsratsposten. So sei kürzlich bei einer Sparkassen-Tagung unter 1000 Teilnehmern genau eine weibliche Bankerin gewesen.
Kaum besser sieht es nach Worten des Münchner OBs in den CSU-geführten Behörden aus. Nur 13 Prozent der Spitzenkräfte seien dort Frauen. „Das haben SPD und Grüne in München besser gelöst“, sagte Ude: In den vergangenen zehn Jahren sei der Anteil dort von 33 auf 47 Prozent gewachsen.
Diese Diskrepanz liegt laut dem gelernten Journalisten und Juristen, der übermorgen 64 wird, freilich nicht nur an bewusster Benachteiligung. So gelte es, auch die Beurteilungskriterien zu verschieben und „Sozialkompetenz statt dominanter Führung“ zu belohnen. Die Frauen selbst seien gefordert, Führungsverantwortung zu übernehmen. Das sogenannte Cross-Mentoring, ein Mentorenprogramm von und für Frauen, könne dabei helfen.
Mit Blick auf den anschließend diskutierten Leitantrag der Bayern-SPD mahnte Ude indes, pragmatisch zu entscheiden und den Frauen „gut zuzuhören“. So würden zum Beispiel Teilzeitjobs die Rolle der Frau als Zuverdienerin zwar langfristig zementieren. Dennoch seien sie für viele eine willkommene Chance, trotz Familie im Beruf zu bleiben.
Voraussetzung für ein Nebeneinander von Familie und Beruf für beide Geschlechter sind nach Udes Überzeugung ein flächendeckendes Netz mit Krippen und schulische Ganztagsangebote. Es sei „eine Schande, dass das reiche Bayern hier unter den drei Schlusslichtern in Deutschland ist“. Die angestrebte 40-Prozent-Quote müsse zudem „nicht nur für Chefetagen, sondern für die gesamte Gesellschaft gelten“ und „verbunden sein mit dem Kampf für gute Arbeit und Mindestlohn“.
Verständnis äußerte der Spitzenkandidat dafür, dass das von der CSU favorisierte Erziehungsgeld bei Familien, die ihre Kinder zu Hause erziehen, gut ankommt. Die SPD müsse deshalb „überzeugen, dass die beschränkten Mittel in den Ausbau der Betreuung gesteckt werden müssen“. Es gebe schließlich „auch keine Opernprämie für Leute, die nicht in die Oper gehen“.
„Die CSU wird in Bayern nicht mehr gebraucht“, hatte zu Beginn bereits SPD-Landesvorsitzender Florian Pronold konstatiert und Mittelfranken mit Blick auf die gewonnene Landratswahl in Roth und die anstehende in Weißenburg-Gunzenhausen bescheinigt, „ein guter Ort für die SPD zu sein, um Landräte zu gewinnen“. Bei der Zuordnung des Kürzels „AN“ zu Ansbach scheiterte der Niederbayer allerdings.
„Keine Partei kann mehr allein regieren“, antwortete ihm Kandidat Uwe Döbler, der aber ausdrücklich die parteiübergreifende Arbeit des verstorbenen CSU-Landrats Franz Xaver Uhl würdigte. Neben der Energie- und Schulpolitik, dem Regionalmanagement und der DSL-Versorgung sprach er die Verkehrsanbindung des ländlichen Raums an. Ude bat er, sich als Ministerpräsident um den Straßenbau und „nicht nur um die dritte Startbahn in München, sondern auch um die erste in Nürnberg zu kümmern“.

In unserer hektischen Zeit kommt das Nachdenken oft zu kurz.