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Verjüngungskur für den Hahnenkammsee

Großer finanzieller Aufwand für Entlandung - Ökologische Umgestaltung - 08.10. 17:08 Uhr

Hechlingen am See  - Seit über 30 Jahren lädt der Hahnen­kammsee zwischen Hechlingen und Ursheim im südwestlichen Mittelfranken zum Baden ein. Nun wird das in die Jahre gekommene Gewässer einer Verjüngungskur unterzogen. Der See soll über die Wintermonate ent­landet und ökologisch umgestaltet werden.

Der stellvertretende Landrat Robert Westphal, der Geschäftsführer des Zweckverbands Brombachsee Roland Schmerer, Seewart Johannes Reulein, Bauoberrat Michael Müller, ZV Hahnenkammsee-Vorsitzender Ewald Ziegler und Hannes Hüttinger (von links) sind überzeugt, mit der Endlandung des Sees die Attraktivität des schön Gelegenen Gewässers im Hahnenkamm zu steigern.
Der stellvertretende Landrat Robert Westphal, der Geschäftsführer des Zweckverbands Brombachsee Roland Schmerer, Seewart Johannes Reulein, Bauoberrat Michael Müller, ZV Hahnenkammsee-Vorsitzender Ewald Ziegler und Hannes Hüttinger (von links) sind überzeugt, mit der Endlandung des Sees die Attraktivität des schön Gelegenen Gewässers im Hahnenkamm zu steigern.
Foto: Natalis
Der stellvertretende Landrat Robert Westphal, der Geschäftsführer des Zweckverbands Brombachsee Roland Schmerer, Seewart Johannes Reulein, Bauoberrat Michael Müller, ZV Hahnenkammsee-Vorsitzender Ewald Ziegler und Hannes Hüttinger (von links) sind überzeugt, mit der Endlandung des Sees die Attraktivität des schön Gelegenen Gewässers im Hahnenkamm zu steigern.
Der stellvertretende Landrat Robert Westphal, der Geschäftsführer des Zweckverbands Brombachsee Roland Schmerer, Seewart Johannes Reulein, Bauoberrat Michael Müller, ZV Hahnenkammsee-Vorsitzender Ewald Ziegler und Hannes Hüttinger (von links) sind überzeugt, mit der Endlandung des Sees die Attraktivität des schön Gelegenen Gewässers im Hahnenkamm zu steigern.
Foto: Natalis

Vertreter des Ansbacher Was­­serwirtschaftsamts und des Zweck­verbands Hahnenkammsee stellten die Maßnahme nun der Öffentlichkeit vor. Jahr für Jahr landet aus den umlie­genden landwirtschaftlichen Flächen Erdreich in der Rohrach, und die wie­derum transportiert es in den Hah­nenkammsee. Dort setzen sich diese Partikel mangels Fließgeschwindig­keit am Boden ab. Bis zu 60 Zentime­ter hoch ist das Sediment nach Anga­ben des zuständigen Abteilungsleiters am Ansbacher Wasserwirtschaftsamt, Michael Müller, und sorgt nicht nur für schlammige Füße bei den Bade­gästen, sondern beeinträchtigt auch die Wasserqualität erheblich. Denn die darin enthaltenen Nährstoffe för­dern das Wachstum von Phytoplank­ton, das wiederum das Ökosystem des Gewässers erheblich belastet.

Soll der idyllisch gelegene See wei­terhin eine Freizeitattraktion bleiben, und als solcher wurde er in den 70er-Jahren gebaut, muss etwas geschehen, waren sich die Verantwortlichen einig. Allerdings, erläuterte Heidenheims Bürgermeister und Zweckverbands­vorsitzender Ewald Ziegler, ist dies „kein leichtes Unterfangen“, denn die Mitglieder des Zweckverbands sind „nicht so betucht“.

Immerhin werden in die Entlandung und Umgestaltung des Gewässers 600.000 Euro investiert. Mit 75 Prozent übernimmt der Frei­staat einen Großteil der Summe, doch die verbleibenden 150.000 Euro sind bereits genug Herausforderung für den Zweckverband, sie entsprechen dem Volumen von zwei Haushalten. Deshalb werden die Mitglieder nun mit einer Sonderabgabe zur Kasse ge­nommen, weiter wird zur Finanzie­rung ein Darlehen aufgenommen, er­läuterte Ziegler im Rahmen eines Pressegesprächs am Hahnenkammsee.


Bereits vor wenigen Tagen wurde laut Müller damit begonnen, den See abzulassen. Pro Sekunde fließen etwa 250 Liter aus dem Auslass. In rund drei Wochen soll der Wasserstand dann um die erforderlichen drei Meter gesenkt sein. Lediglich am Damm, dort wo der See mit vier Metern am tiefsten ist, wird ein Rest Wasser übrig bleiben. Muscheln werden umgesetzt In dieser Zeit soll ein Großteil der im See lebenden Fische in gezielten Abfischaktionen aus dem Wasser ge­holt werden, die übrigen Fische wer­den wohl in dem Restgewässer am Damm überwintern können, so die Einschätzung des Experten. Nach Ab­schluss der Maßnahme werden wieder Fische eingesetzt.

Das Wasserwirt­schaftsamt rechnet zudem damit, dass durch das Ablassen des Wassers viele Muscheln freigelegt werden.Sie sollen unter anderem mit der Hilfe von Schulklassen in die Rohrach umge­setzt werden. Ist der Wasserspiegel weit genug ge­senkt, dann rücken die Bagger an. Da­für wird im oberen Bereich des Sees ein Damm aufgeschüttet,der während der Bauarbeiten als Zufahrt dient. Zudem wird in der Mitte des Sees eine Baustraße errichtet, auf der die Mul­denkipper fahren können. Die ge­schätzten 50000 Kubikmeter Schlamm, die in den nächsten Wochen vom Seegrund gebaggert werden, müssen ja auch heraustransportiert werden.

Der nährstoffreiche – und un­belastete, das haben Untersuchungen ergeben – Schlamm soll möglichst auf den umliegenden Äckern landen. Al­lerdings nicht auf erosionsgefährde­ten Hanglagen, denn es soll natürlich verhindert werden, dass das Material gleich wieder in den See gelangt. Bei der reinen Entlandung will es das Wasserwirtschaftsamt, unter des­sen Regie die Maßnahme über die Bühne geht, aber nicht belassen, schließlich soll sie eine möglichst ein­malige Aktion bleiben.

Damm wird aufgestockt

Es gilt also, präventive Maßnahmen zu ergreifen, um eine künftige und mögliche Ver­schlammung des Sees zu verhindern. Deshalb wird der Damm im oberen Bereich des Sees nicht nur stehen bleiben, sonden soll sogar mit aufein­ander abgestimmten Gesteinsfraktio­nen aufgestockt werden. Und zwar so hoch, dass er bei maximalem Som­mereinstau 50 Zentimeter über die Wasseroberfläche hinausragt. Der be­gehbare Damm soll die Fließge­schwindigkeit der Rohrach im Mün­dungsbereich so weit reduzieren, dass sich die mitgeführten Schwebstoffe bereits dort absetzen. Bepflanzung dient als Filter Als weiterer Filter dient künftig eine flächige Röhrichtbepflanzung in diesem Bereich, die weitere Schweb­stoffe abfangen soll.

Außerdem entzie­hen die Pflanzen dem sich absetzen­den Sediment Nährstoffe. Darüber hinaus wird der östliche Bereich des Sees umgestaltet. Das bis­her sehr steile Ufer soll durch punktu­elle Maßnahme ökologisch aufgebes­sert werden. Geplant ist die Schaffung von Flachwasserzonen, die am Ufer in ein wechselfeuchtes Muldensystem übergehen. Ziel ist es, so neue Lebens­räume für unterschiedliche Organis­men zu schaffen. Röhricht, Schilf und Schwimmblattgesellschaften sollen den Raubfischen als Unterschlupf dienen.

Denn wenn Hecht und Zander gut gedeihen, sorgen sie auf natürli­chem Weg dafür, dass sich die Weiß­fischpopulation in Grenzen hält. Im Badebereich an der Westseite werden noch notwendige Reparatu­ren am Steg durchgeführt. Ein Groß­teil der Arbeiten soll noch in diesem Jahr erledigt werden, vorausgesetzt das Wetter spielt mit und es bleibt einigermaßen trocken. Im nächsten Frühjahr hoffen die Verantwortlichen dagegen auf ausreichend Regen, da­mit der See in rund zwei Monaten wieder gefüllt werden kann.

Um das Sommerstauziel von vier Metern zu erhalten, sind grob geschätzt 500 000 Kubikmeter Wasser notwendig. Und es kann ja nicht alle Flüssigkeit, die die Rohrach in den See bringt, auch drin bleiben. Ein festgelegter Anteil des Wasser muss, erläutert Müller, am Ende des Sees wieder heraus­kommen. Für die Angler fallen im oberen See­bereich ein paar Plätze weg, erläutert der am Wasserwirtschaftsamt für Wasserbau und Gewässerentwicklung zuständige Hannes Hüttinger. Zum Ausgleich kann künftig aber von der Mauer der eine oder andere dicke Fisch aus dem See gezogen werden. Wenn im nächsten Sommer die ers­ten Badegäste in den Hahnenkamm kommen, dann wartet auf sie laut Müller ein „runderneuerter“ See. So das Wetter mitspielt, worauf die Ver­antwortlichen natürlich hoffen. 



man

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