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Vertreter des Ansbacher Wasserwirtschaftsamts und des Zweckverbands Hahnenkammsee stellten die Maßnahme nun der Öffentlichkeit vor. Jahr für Jahr landet aus den umliegenden landwirtschaftlichen Flächen Erdreich in der Rohrach, und die wiederum transportiert es in den Hahnenkammsee. Dort setzen sich diese Partikel mangels Fließgeschwindigkeit am Boden ab. Bis zu 60 Zentimeter hoch ist das Sediment nach Angaben des zuständigen Abteilungsleiters am Ansbacher Wasserwirtschaftsamt, Michael Müller, und sorgt nicht nur für schlammige Füße bei den Badegästen, sondern beeinträchtigt auch die Wasserqualität erheblich. Denn die darin enthaltenen Nährstoffe fördern das Wachstum von Phytoplankton, das wiederum das Ökosystem des Gewässers erheblich belastet.
Soll der idyllisch gelegene See weiterhin eine Freizeitattraktion bleiben, und als solcher wurde er in den 70er-Jahren gebaut, muss etwas geschehen, waren sich die Verantwortlichen einig. Allerdings, erläuterte Heidenheims Bürgermeister und Zweckverbandsvorsitzender Ewald Ziegler, ist dies „kein leichtes Unterfangen“, denn die Mitglieder des Zweckverbands sind „nicht so betucht“.
Immerhin werden in die Entlandung und Umgestaltung des Gewässers 600.000 Euro investiert. Mit 75 Prozent übernimmt der Freistaat einen Großteil der Summe, doch die verbleibenden 150.000 Euro sind bereits genug Herausforderung für den Zweckverband, sie entsprechen dem Volumen von zwei Haushalten. Deshalb werden die Mitglieder nun mit einer Sonderabgabe zur Kasse genommen, weiter wird zur Finanzierung ein Darlehen aufgenommen, erläuterte Ziegler im Rahmen eines Pressegesprächs am Hahnenkammsee.
Bereits vor wenigen Tagen wurde laut Müller damit begonnen, den See abzulassen. Pro Sekunde fließen etwa 250 Liter aus dem Auslass. In rund drei Wochen soll der Wasserstand dann um die erforderlichen drei Meter gesenkt sein. Lediglich am Damm, dort wo der See mit vier Metern am tiefsten ist, wird ein Rest Wasser übrig bleiben. Muscheln werden umgesetzt In dieser Zeit soll ein Großteil der im See lebenden Fische in gezielten Abfischaktionen aus dem Wasser geholt werden, die übrigen Fische werden wohl in dem Restgewässer am Damm überwintern können, so die Einschätzung des Experten. Nach Abschluss der Maßnahme werden wieder Fische eingesetzt.
Das Wasserwirtschaftsamt rechnet zudem damit, dass durch das Ablassen des Wassers viele Muscheln freigelegt werden.Sie sollen unter anderem mit der Hilfe von Schulklassen in die Rohrach umgesetzt werden. Ist der Wasserspiegel weit genug gesenkt, dann rücken die Bagger an. Dafür wird im oberen Bereich des Sees ein Damm aufgeschüttet,der während der Bauarbeiten als Zufahrt dient. Zudem wird in der Mitte des Sees eine Baustraße errichtet, auf der die Muldenkipper fahren können. Die geschätzten 50000 Kubikmeter Schlamm, die in den nächsten Wochen vom Seegrund gebaggert werden, müssen ja auch heraustransportiert werden.
Der nährstoffreiche – und unbelastete, das haben Untersuchungen ergeben – Schlamm soll möglichst auf den umliegenden Äckern landen. Allerdings nicht auf erosionsgefährdeten Hanglagen, denn es soll natürlich verhindert werden, dass das Material gleich wieder in den See gelangt. Bei der reinen Entlandung will es das Wasserwirtschaftsamt, unter dessen Regie die Maßnahme über die Bühne geht, aber nicht belassen, schließlich soll sie eine möglichst einmalige Aktion bleiben.
Es gilt also, präventive Maßnahmen zu ergreifen, um eine künftige und mögliche Verschlammung des Sees zu verhindern. Deshalb wird der Damm im oberen Bereich des Sees nicht nur stehen bleiben, sonden soll sogar mit aufeinander abgestimmten Gesteinsfraktionen aufgestockt werden. Und zwar so hoch, dass er bei maximalem Sommereinstau 50 Zentimeter über die Wasseroberfläche hinausragt. Der begehbare Damm soll die Fließgeschwindigkeit der Rohrach im Mündungsbereich so weit reduzieren, dass sich die mitgeführten Schwebstoffe bereits dort absetzen. Bepflanzung dient als Filter Als weiterer Filter dient künftig eine flächige Röhrichtbepflanzung in diesem Bereich, die weitere Schwebstoffe abfangen soll.
Außerdem entziehen die Pflanzen dem sich absetzenden Sediment Nährstoffe. Darüber hinaus wird der östliche Bereich des Sees umgestaltet. Das bisher sehr steile Ufer soll durch punktuelle Maßnahme ökologisch aufgebessert werden. Geplant ist die Schaffung von Flachwasserzonen, die am Ufer in ein wechselfeuchtes Muldensystem übergehen. Ziel ist es, so neue Lebensräume für unterschiedliche Organismen zu schaffen. Röhricht, Schilf und Schwimmblattgesellschaften sollen den Raubfischen als Unterschlupf dienen.
Denn wenn Hecht und Zander gut gedeihen, sorgen sie auf natürlichem Weg dafür, dass sich die Weißfischpopulation in Grenzen hält. Im Badebereich an der Westseite werden noch notwendige Reparaturen am Steg durchgeführt. Ein Großteil der Arbeiten soll noch in diesem Jahr erledigt werden, vorausgesetzt das Wetter spielt mit und es bleibt einigermaßen trocken. Im nächsten Frühjahr hoffen die Verantwortlichen dagegen auf ausreichend Regen, damit der See in rund zwei Monaten wieder gefüllt werden kann.
Um das Sommerstauziel von vier Metern zu erhalten, sind grob geschätzt 500 000 Kubikmeter Wasser notwendig. Und es kann ja nicht alle Flüssigkeit, die die Rohrach in den See bringt, auch drin bleiben. Ein festgelegter Anteil des Wasser muss, erläutert Müller, am Ende des Sees wieder herauskommen. Für die Angler fallen im oberen Seebereich ein paar Plätze weg, erläutert der am Wasserwirtschaftsamt für Wasserbau und Gewässerentwicklung zuständige Hannes Hüttinger. Zum Ausgleich kann künftig aber von der Mauer der eine oder andere dicke Fisch aus dem See gezogen werden. Wenn im nächsten Sommer die ersten Badegäste in den Hahnenkamm kommen, dann wartet auf sie laut Müller ein „runderneuerter“ See. So das Wetter mitspielt, worauf die Verantwortlichen natürlich hoffen.

In unserer hektischen Zeit kommt das Nachdenken oft zu kurz.