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Von Gier und Liebe

Behindertengruppe führte Komödie im Lutherhaus auf - 05.02.2013 15:41 Uhr

Gunzenhausen  - Im Rahmen einer Benefizveranstaltung zugunsten der Stiftung Lebenshilfe Gunzenhausen führte die Theatergruppe „Schau mer X" (Sprich: Schau mer mal) das Stück „Alles Meins" im Lutherhaus auf. Nach der Premiere gab es lang anhaltenden Beifall und stehende Ovationen.

 

Wie Thomas Thill vom örtlichen „Lebenshilfe"-Verein eingangs sagte, setzt sich die neue Stiftung für Menschen ein, die sich infolge ihrer Behinderung gar nicht oder nur sehr eingeschränkt selbst vertreten können. Er bedankte sich bei den Sparkassendirektoren Burkhard Druschel und Jürgen Pfeffer, die über den Leiter der Geschäftsstelle Muhr am See, Michael Kleemann, der Stiftung einen Spendenscheck in Höhe von 1000 Euro übermittelten.

„Schau mer X" arbeitet mit Unterstützung von Mitarbeitern der Einrichtungen und Dienste der Diakonie Neuendettelsau unter Anleitung der Theaterpädagogin Heike Pfänder seit beinahe zehn Jahren daran, immer wieder neue Ideen auf die Bühne zu bringen. Die 15 Spieler und Spielerinnen mit einer geistigen Behinderung aus Rothenburg, Obernzenn und Lehrberg hatten sich diesmal das Thema Gier ausgesucht. Es wurde im Premierenstück „Alles Meins" aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln dargestellt. Wo steckt die Gier? Welche Arten gibt es? Wie kann sie aussehen? Was macht sie, wenn es dunkel ist?

Viel Beifall gab es für die Theatergruppe „Schau mer X“ und das Organisationsteam um Regisseurin und Theaterpädagogin Heike Pfänder (vorne rechts).
Viel Beifall gab es für die Theatergruppe „Schau mer X“ und das Organisationsteam um Regisseurin und Theaterpädagogin Heike Pfänder (vorne rechts).
Foto: Horst Kuhn
Viel Beifall gab es für die Theatergruppe „Schau mer X“ und das Organisationsteam um Regisseurin und Theaterpädagogin Heike Pfänder (vorne rechts).
Viel Beifall gab es für die Theatergruppe „Schau mer X“ und das Organisationsteam um Regisseurin und Theaterpädagogin Heike Pfänder (vorne rechts).
Foto: Horst Kuhn

Die Akteure hatten sich drumherum eine spannende Geschichte ausgedacht, die sich auch um die Liebe dreht. Hier wird deutlich, dass sich jeder Mensch weiterentwickeln kann und man gut daran tut, seine innersten Herzenswünsche wahr werden zu lassen.

Im Vordergrund steht Sepp Friedemann (Hans-Otto Enzelsberger), der mit 37 Jahren noch immer keinen Führerschein hat, weil sein Vater Franz Friedemann (Gerhard Meyer) meint, „so was braucht man nicht". Franz ist sehr „sparsam", außer beim Kauf von viel Bier für den Eigengebrauch. Der einzige, der Sepp lieb hat, ist sein Opa Emil Friedemann (Friedrich Heidecker) dieser ist schwer an den Füßen erkrankt. Die Pflege bleibt an Sepp hängen. Ihm träumt, dass er es eines Tages schaffen wird, sich von dieser Situation zu befreien, sodass er ein eigenständiges Leben führen kann. Dazu gehört für ihn unbedingt der Führerschein.

Also rennt er, immer auf den letzten Drücker, zur Fahrschule Prust, um bei Fahrlehrer Prust (Gerhard Vietz) zur Unterrichtsstunde zu kommen. Auf den letzten Drücker deshalb, weil er vorher den Haushalt, die Pflege und sämtliche kauzigen Wünsche seines Vaters erledigen muss. In der Fahrschule ist er dann oft so müde, dass er einschläft. Ein Teufelskreis.

Aber gerade dank seiner Müdigkeit kommt Sepp in Kontakt mit der Mitschülerin Natascha Schwarz (Dona del Duca), die auch ein schweres Päckchen zu tragen hat. Gemeinsam und vor allem dank des sehr gewieften V-Manns Harry Schmidt (Johannes Heidingsfelder) schaffen sie es, eine üble Bande gieriger Räuber zu überlisten. Diese Bösewichte wurden gespielt von Peter Weinisch, Heidemarie Metzger, Karin Heusinger, Günter Feiler und Jasmin Ebert. Unterstützt wird Sepp auch von sichtbar gewordenen Träumen (Heike Pfänder, Gabi Naczinsky, Claudia Minnameyer), die allerdings auch ein Gierproblem haben und am Rande von Leben und Tod operieren. Die weiteren Schauspieler waren: Hans Kienappel, Irmgard Malitz, Ute Heidingsfelder und Franziska Purrer.

Angeleitet wurden die Schauspieler von ihrer Regisseurin, der Theaterpädagogin Heike Pfänder. Unterstützt wurde sie dabei von Heidemarie Metzger, Stefanie Glück und Ute Heidingsfelder. Licht und Ton regelte Ulrich Pfänder.

Die Dankesworte für die gelungene Vorstellung brachte Landratstellvertreter Robert Westphal zum Ausdruck. Die Theatergruppe „Schau mer X" könne sehr stolz auf sich sein. Der Theaterabend bereicherte und zeigte auf, dass Menschen mit Handicap die ihnen aufgetragenen Schauspielerrollen mit Begeisterung, vollem Engagement und Herzblut auf der Bühne meisterten.

Für die Benefizveranstaltung wurde kein Eintritt verlangt. Die von den Besuchern geleisteten Spenden erbrachten 1150 Euro zugunsten der Stiftung Lebenshilfe. Wer diesem Beispiel folgen möchte, kann sich ans Büro der Lebenshilfe Gunzenhausen, wenden, Telefon 09831/2984. 

Horst Kuhn


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