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Mit dem früheren Landesbischof Dr. Johannes Friedrich hatte sich der Zweckverband Kloster Heidenheim einen fundierten Fachmann eingeladen. Er sprach über das Thema: „Eiszeit oder Erwärmung: Wohin steuert das Schiff der Ökumene?" .
Dekan Klaus Kuhn betonte in seiner Begrüßung, dass Ökumene für Heidenheim und das Kloster mit seiner zukünftigen Nutzung ein sehr wichtiges und bedeutendes Thema sei. Johannes Friedrich habe in seiner bisherigen beruflichen Laufbahn viele Berührungspunkte mit Ökumene gehabt. Das begann mit seinem Amt als Studentenpfarrer in Nürnberg, in seiner Zeit als Probst von Jerusalem, als Dekan in Nürnberg und schließlich als Landesbischof der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern. Er war Catholika-Beauftragter der Vereinigten evangelisch-lutherischen Kirche in Deutschland und ist seit 2005 leitender Bischof der VELKD, stellte Dekan Kuhn den Referenten vor.
In seiner Zeit als Landesbischof besuchte Friedrich die Marktgemeinde 2002 – anlässlich der 1250-Jahr-Feier. Damals lernte er auch einige Gemeinden im Dekanat kennen.
Als er anlässlich seines Ausscheidens als Landesbischof in einem Interview gefragt wurde, was ihm in seiner Laufbahn besonders wichtig war, benannte er unter anderem die Ökumene, vor allem mit der römisch-katholischen Kirche. Als Landesbischof in einem Gebiet mit immerhin sieben Diözesen hatte er viele Begegnungen und Berührungen mit der katholischen Kirche und hier vor allem mit dem damaligen Ökumenebeauftragten Bischof Müller aus Regensburg, den er persönlich in Sachen Ökumene als sehr aufgeschlossen und gesprächsbereit empfand. Friedrich stellte klar, dass er sich in seinem Vortrag vor allem auf die Zusammenarbeit mit der römisch-katholischen Kirche beziehe, wenn er von Ökumene spreche.
In der Ökumene seien es vor allem drei „V", die den Dialog prägen sollen: Verstehen, Verlässlichkeit und Vertrauen. Es sei enorm wichtig, den oder die anderen und ihre Glaubenspositionen zu verstehen. Gerade das Verständnis der bestehenden Differenzen könne verhindern, dass der Austausch ins Stocken kommt. Es sei müßig, vom Partner ein Handeln einzufordern, das dessen Glaubenslehren und Positionen widerspreche. Als Beispiel führte er das unterschiedliche Verständnis der Eucharistie in beiden Kirchen an, was zur Folge hat, dass gemeinsame Sonntagvormittag-Gottesdienste von evangelischen und katholischen Gläubigen schwierig sind.
Die Meinung vieler evangelischer Christen, dass Rom die lutherische Kirche nicht anerkenne, teile er nicht, es gebe ausreichend Äußerungen aus Rom, die das widerlegten. Dass es strittige Themen gebe, sei unzweifelhaft. Allerdings handele es sich gerade um die Dinge, die Evangelische ja nicht haben wollen, wie die Unfehlbarkeit des Papstes. Hier zeige sich die Bedeutung des gegenseitigen Verständnisses. Friedrich führte anhand von Zitaten und Stellungnahmen der Bischöfe Müller und Kaspari aus, dass es der katholischen Kirche durchaus wichtig sei, an der Ökumene zu arbeiten und die Gemeinsamkeiten der unterschiedlichen Glaubensrichtungen zu betonen und weiterzuentwickeln.
Verlässlichkeit, so der Theologe sei das zweite „V" in der Bewegung. Ein Partner, der sich immer wieder wende und nicht zu dem stehe, was besprochen wurde, oder immer wieder eine andere Position einnehme, behindere die gemeinsame Arbeit. Verlässlichkeit sei eine wichtige Grundlage und Komponente und sollte von allen Beteiligten ernstgenommen werden.
Als letztes „V" benannte er das Vertrauen. – ineinander und in Gott. Er selbst wisse aus seinen Begegnungen und seiner Arbeit, wie wichtig es sei, dem Gegenüber zu vertrauen, dass er das Gesagte ernst meine. Misstrauen führe dazu, in den Verhandlungen stecken zu bleiben.
Diese drei „V" seien ihm wichtige Begleiter. Sie hätten sich bewährt und geholfen, dass er in seiner Laufbahn eine Reihe ökumenischer Höhepunkte erlebte. Einer war die Unterzeichnung der Rechtfertigungslehre am 31. Oktober 1999, die er persönlich in der Synode mit vorbereitet hatte. Als weiteres wichtiges Ereignis hat Friedrich den Ökumenischen Kirchentag in München empfunden, der ihn sehr beeindruckte. Die gegenseitige Taufanerkennung habe ihn ebenfalls sehr bewegt, obwohl die Verhandlungen mit der orthodoxen Kirche sehr schwierig und langwierig gewesen seien. Als letzten Punkt führte er die Besuche von Papst Benedikt und die Begegnungen mit ihm an. Er erlebte den Papst als jemanden, der der Ökumene gegenüber durchaus offen sei. Das lasse sich aber nicht über die Berater des Papstes in Rom sagen, jedenfalls habe er diesen Eindruck gehabt.
Im letzten Teil der Veranstaltung hatten die Zuhörer Gelegenheit, eigene Erfahrungen aus der Ökumene zu berichten oder Fragen zu stellen. Dazu wurden strittige Äußerungen von Johannes Friedrich in seinem Amt als Landesbischof diskutiert und erklärt. Sein Wort, er könne sich den Papst als Sprecher der Kirchen vorstellen, schlug damals hohe Wellen. Als er erklärte, wie die Äußerung zustande kam und wie sie aus dem Zusammenhang gerissen wurde, ergab sich für die Zuhörer ein gänzlich anderes Bild.

In unserer hektischen Zeit kommt das Nachdenken oft zu kurz.
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