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Mittwoch, 19.09.2018

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Witzig: Heinz-Erhardt-Abend in Muhr am See

Hans-Joachim Heist begeisterte — Perfekte "Kopie" des Kult-Komikers - 19.03.2018 06:18 Uhr

Hans-Joachim Heist als Heinz Erhardt im AIZ Muhr am See: Mit "Noch'n Gedicht" zeigte der Choleriker aus der "heute Show" seine charmant-witzige Seite. © Jürgen Eisenbrand


Gerade eben hat Heist noch charmant mit dem Publikum geplaudert, vom "Rotling" geschwärmt, der ihm schon beim ersten Gastspiel in Muhr am See so trefflich mundete, und Erhardt zum unerreichbaren Kult-Komödianten erklärt. Da dreht er sich plötzlich weg, nestelt ein wenig am Kopf herum – und erscheint sodann, eine Heinz-Erhardt-Brille auf der Nase, ein Heinz-Erhardt-Lachen im Gesicht, als jene Figur, als die er den rund 150 Zuschauern in den nächsten 100 Minuten einen wunderbar witzigen Abend bereiten wird.

Zweifel, ob der 69-Jährige Schauspieler und Kabarettist dem begnadeten Wortakrobaten und unvergessenen Star aus ebenso unvergessenen Kino-Komödien ("Immer die Radfahrer", "Was ist denn bloß mit Willi los?") tatsächlich gerecht werden könnte, zerstreut Heist nach wenigen Augenblicken. Immer wieder ertappt sich der Zuschauer dabei, dass er beinahe vergisst, einen Imitator vor sich zu haben, einen Rollenspieler, eine Kopie.

Denn Heist, der mit "Noch’n Gedicht" schon seit Jahren durch Deutschland tourt, beherrscht Erhardt perfekt. Mimik, Gestik, Körpersprache, Stimme – da stimmt einfach alles. Wer also den – mitunter leicht angestaubten, bisweilen aber auch erstaunlich aktuellen – Humor Heinz Erhardts liebt, kommt an diesem Abend im Altmühlsee-Informationszentrum voll auf seine Kosten.

Mal ist das dann ziemlich albern ("Nasshorn und Trockenhorn", "Ich bin mit der Eisenbahn gekommen, obwohl ich gar keinen Zug vertrage"), mal klingt's ein wenig nach Stammtisch nach vier Halben ("Die Frau ist in Behandlung bei zwei Ärzten: bei einem alten, wenn’s ihr schlecht geht, und bei einem jungen, wenn ihr was fehlt.") und mal erstaunlich politisch.

Heftiges Kopfnicken

Etwa, wenn Heist/Erhardt die Geschichte vom Scheich erzählt, der sein eigenes Landes-Idiom nicht beherrscht: "Das ist doch nicht ungewöhnlich, dass die Regierung eine andere Sprache spricht als ihr Volk." Was heftiges Kopfnicken im und Beifall vom Publikum auslöst.

Das Original: Der Sprachkünstler und Reimdrechsler Heinz Erhardt amüsierte in der Wirtschaftswunderzeit ein Millionenpublikum. © ZDF


Wie eine dichte Perlenkette reiht Heist einen Erhardt-Klassiker an den anderen: kleine Wortdrechseleien, kalauerartige Versprecher, witzige Zwei-, Vier- und Sechszeiler ("Die alten Zähne wurden schlecht/ und man begann, sie auszureißen/ die neuen kamen gerade recht/ um mit ihnen ins Gras zu beißen."). Dazu den "König Erl" und "Das Gewitter", komödiantische Perlen, mit denen schon Otto Waalkes vor Jahrzehnten seinem Vorbild Erhardt seine Referenz erwies – und Beifallsstürme erntete.

Ein rundum gelungener, lustig-leichter Abend, bei dem der seit über 30 Jahren in Pfungstadt (Hessen) lebende Heist nur eine echte Schwäche zeigte: Als er für ein Gedicht das Publikum um einen besonders albernen Ortsnamen aus der Region bat und mit Unterasbach, Aha und Schweina noch nicht recht zufrieden war, rief ihm jemand "Wassermummerla" zu. Das erfüllte seinen Anspruch auf Albernheit, überforderte allerdings zunächst seine Dialekt-Fähigkeiten – und so ließ er erst nach einigem Üben einen "kalten Wind durch Wassermummerla" wehen.

Dem Spaß an diesem Abend tat dies keinen Abbruch. Im Gegenteil: Das kongeniale Duo Erhardt/Heist machte Lust, mal wieder in dem alten, von den Eltern geerbten "Großen Heinz Erhardt-Buch" zu schmökern, das seit Jahren im Regal verstaubt.

  

Jürgen Eisenbrand E-Mail

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