Sonntag, 18.11.2018

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Helikopter-Lärm in Katterbach: Schutzzonen abgebügelt

Belastung durch US-Hubschrauber angeblich nicht hoch genug - Heftige Kritik - 27.01.2018 16:03 Uhr

Der Lärm der in Katterbach stationierten Helikopter der US-Armee, hier ein Transporthubschrauber vom Typ "Chinook", macht den Anwohnern schwer zu schaffen. Dennoch weist das Innenministerium keine Lärmschutzzonen aus. © Jaymon Bell/U.S. Army


Neun Jahre hat die Prüfung des bayerischen Innenministeriums gedauert, das nun vorliegende Ergebnis ist ein Schlag ins Gesicht der Menschen, die nahe des Flugplatzes der US-Armee leben. Laut dem Prüfbericht gibt es zum jetzigen Zeitpunkt keine Notwendigkeit, rund um Katterbach Lärmschutzbereiche auszuweisen. Die Berechnungen hätten ergeben, dass der Dauerschall durch die US-amerikanischen Kampf- und Transporthubschrauber nicht hoch genug sei - so das Fazit des Prüfungsberichts, der an die Anrainergemeinden geschickt worden war

Zur Begründung hieß es, dass in der Schutzzone niemand wohne. Dem hat Ansbachs Oberbürgermeisterin Carda Seidel (parteilos) jetzt widersprochen. Allem Anschein nach haben die vom Innenministerium beauftragten Fachleute nicht sorgfältig genug gearbeitet.

In ihrem Brief an die Oberste Baubehörde im Innenministerium weist Seidel nämlich darauf hin, dass im Ansbacher Ortsteil Hennenbach ein Wohnhaus innerhalb der fraglichen Zone liege. "Am Gebäude wird ein Pegel von 54 Dezibel prognostiziert, das Flurstück selbst befindet sich innerhalb der Nachtschutzzone und ist einem Pegel größer 55 Dezibel ausgesetzt", heißt es in Seidels Schreiben. Laut Udo Kleinlein, dem Rechtsreferenten im Ansbacher Rathaus, will das Innenministerium das Lärmschutzgutachten ergänzen lassen.

Seidel kritisiert das ministerielle Gutachten grundsätzlich. Da nur die Flüge in unmittelbarer Nähe des US- Flugplatzes zählten, bleibe die Lärmbelastung im Umfeld unberücksichtigt, erklärte sie gegenüber der Fränkischen Landeszeitung. Doch klagten Bürger vor allem deswegen, weil die US-Militärhubschrauber ihr Wohngebiet überfliegen. Diese Flüge seien die Hauptursachen von Beschwerden.

"Besondere Störwirkung"

Ansbachs Oberbürgermeisterin erinnert das Ministerium an die "besondere Störwirkung" des Hubschrauberlärms. "Verkannt wird insbesondere die psychoakustische Wirkung nächtlicher, tieffliegender Militärhubschrauber." Zudem seien Hubschrauber technisch dazu geeignet, über längere Zeiträume an ein und derselben Stelle in der Luft zu verharren. Dadurch wirke der Lärm eines Hubschraubers lokal vielfach stärker als der Lärm eines Flugzeuges.

Heftige Kritik am bisherigen Kurs der bayerischen Staatsregierung gegenüber den US-Streitkräften übt Boris-André Meyer, Sprecher der Bürgerinitiative "Etz langt’s!", für den die Diskussion um Lärmschutzbereiche ohnehin nur ein Nebenaspekt ist. Der tieffrequente Rotorenlärm der Militärhubschrauber, die oft noch nach Mitternacht (Meyer: "Inzwischen gibt es zumindest ein Nachtflugverbot für die Zeit zwischen 2 und 6 Uhr") ihre Kreise ziehen, sei gegenüber der Feinstaubbelastung noch das geringere Übel.

Extremer Feinstaubausstoß

So verbrauche zum Beispiel ein Transporthubschrauber vom Typ "Chinook" über 1000 Liter Kerosin pro Stunde und stoße wegen seines speziellen Treibstoffs mit vielen Additiven extreme Mengen von Feinstaub aus. Da das Innenministerium bislang keine Feinstaubmessungen rund um Katterbach durchgeführt hat, schafften sich die Aktiven der Bürgerinitiative ein geeichtes Messgerät an. "Dabei haben wir Messwerte erhalten, die um mehr als das Zehnfache über der Norm lagen", berichtet Boris-André Meyer.

Der Sprecher von "Etz langt’s" bat Carda Seidel darum, den "kommunalen Schulterschluss" mit Bad Windsheim zu suchen. Die Stadt - ebenfalls vom US-Hubschrauberlärm betroffen - will eigene Feinstaubmessungen durchführen. 

André Ammer und Sebastian Haberl

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