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Ausstellung "Die Verschollenen" im Kunstmuseum

Eröffnung findet am Donnerstag in Hersbruck statt - 20.09.2017 16:56 Uhr

Das Hersbrucker Rathaus mit dem Wandgemälde auf einer Ansichtskarte. © privat


Auch warum die um 1900 geborenen Künstler der Region, zu denen auch die Maler des Rathaus-Freskos Eitel Klein und Erich Kohout zählen, heute als die "Verschollenen" bezeichnet werden, wird in der Ausstellung und im kenntnisreich durch Kunsthistorikerin Birgit Rauschert erstellten Begleitkatalog behandelt. Das spannende, wenn auch teilweise dunkle Kapitel der heimischen Kunstgeschichte ist in dieser Form noch nie aufgeschlagen worden.

"Viele Künstler der Jahrgänge um 1900 hatten einen schwierigen Werdegang", erläutert der Leiter des Kunstmuseums Hersbruck, Uli Olpp. Zunächst absolvierten sie nach verlorenem Krieg und politischem Neuanfang ein Studium und waren voller Begeisterung für den Aufbruch in die noch junge Moderne. Dann, gerade beim Start in die Selbstständigkeit, die Ermächtigung der Nationalsozialisten, die ihnen mit der Brandmarkung "Entartete Kunst" und mit Malverboten entgegentraten. Dies führte bei vielen zu künstlerischen Ausweichbewegungen und inneren Rückzug.“

Einigen Künstlern gelang nach dem Zweiten Weltkrieg die Wiederaufnahme der modernen Mal- und Arbeitsweise. Andere gerieten zwischen die Fronten von Naziherrschaft und Kaltem Krieg und waren nach 1945 zu erschöpft und entmutigt, um den Faden ihrer Karriere künstlerisch selbstbewusst wieder aufzunehmen. Für diese Generation wurde der Begriff "Die Verschollenen" vom Kunsthistoriker Rainer Zimmermann geprägt.

Für die Hersbrucker dürften die Bilder und Geschichten rund ums bemalte Rathaus am Fesselndsten sein: wie die Maler ihre Aufmüpfigkeit durch ihren Stil ausdrückten, obwohl ein deutlich sichtbares Hakenkreuz das Werk in den Augen des Regimes "absegnete". Wie der Studentenstreich, nackten Badenden auf dem Wandbild Höschen aus Papier zu verpassen, den Bürgermeister in Rage brachte. Und wie 1945 das Hersbrucker Rathaus samt Wandbild abbrannte und die Bemalung in Vergessenheit geriet.

Zur Eröffnung lädt das Kunstmuseum am Donnerstag um 20 Uhr ein. Birgit Rauschert und Museumsleiter Uli Olpp führen in die Schau ein, die bis 17. Dezember Mittwoch bis Samstag von 15 bis 18 Uhr und Sonntag von 14 bis 16 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet ist. Den Katalog gibt’s im Kunstmuseum und in der Buchhandlung Lösch. 

Ute Scharrer

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