Dienstag, 25.09.2018

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Ein Unfall - und keiner hilft

Ein Auto liegt in einer Böschung und bis auf Erwin Müller hält niemand an - 15.12.2012 17:09 Uhr

Wie auf diesem nachgestellten Foto gilt auch in der Wirklichkeit: Wer zu einem Unfall kommt, sollte immer Hilfe leisten. © hz


„Ich bin am Dienstag um 6.30 Uhr von Thalheim nach Hersbruck zur Arbeit gefahren", erzählt der Betriebsschlosser der Firma Fackelmann. Es war noch dunkel, die Straße verschneit. Vor ihm fuhren drei Autos. Deren Fahrer hätten genau das erkennen müssen, was Müller entdeckte: „Nach der Einfahrt Happurg stand ein Auto entgegen der Fahrbahn, das Heck hing auf der Böschung, die Fahrertür war eingedrückt.“ Was Müller fassungslos macht: „Die anderen vor mir sind einfach weitergefahren - obwohl ersichtlich war, dass hier ein Unfall passiert war.“ Für Müller gab es kein Zögern: Er hielt an, ging ans Auto, sah eine junge Frau hinter dem ausgelösten Airbag. Beherzt griff er an die Fahrertür, doch die ließ sich nicht öffnen. Erst die Beifahrertür gab nach, er konnte die Frau aus dem Auto befreien. Die Verunglückte hatte nur einen Schock.

Erst nach etwa zehn weiteren Autos hielt ein Mann und fragte, ob er helfen könne. Müller ist verärgert, dass so wenige ihre Hilfe angeboten hatten. „Das Verhalten der anderen Autofahrer ist nicht mit Gleichgültigkeit zu entschuldigen, das empfinde ich als unterlassene Hilfeleistung. Ich hoffe, dass diese Ignoranten diese Zeilen lesen und in Zukunft anders handeln.“

Unterlassene Hilfeleistung, das ist vom Gesetz her klar beschrieben: Wer bei Unfällen nicht Hilfe leistet, obwohl das erforderlich und den Umständen nach auch zuzumuten ist, wird zu einem Jahr Freiheitsstrafe oder einer Geldstrafe verurteilt. Handelt es sich um eine reine Panne oder einen Blechschaden oder ist bereits jemand am Unfallort, sind die Verkehrsteilnehmer davon befreit. „Es hängt sehr stark vom Einzelfall ab“, erklärt Klaus Bald, Vize-Dienststellenleiter der Hersbrucker Polizei.

Dennoch appelliert der: Beamte „Bei einem Unfall sollte es selbstverständlich sein, dass jeder anhält und zumindest fragt, ob er helfen kann - und sei es nur mit einem Telefonanruf.“

Er nimmt den potenziellen Helfern auch Angst, dass bei Erster Hilfe Fehler gemacht werden. „In Schwierigkeiten kommt nur der, der vorsätzlich oder grob fahrlässig irgendetwas vollkommen verkehrt macht.“

  

sw

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