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Donnerstag, 20.09.2018

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Fulminante Eröffnung beim Gitarrenfestival Hersbruck

Badi Assad und CCK-Trio heizten dem Publikum ein - 13.08.2018 08:28 Uhr

Badi Assad und Bobby Watson hatten einfach nur Spaß und wussten zu unterhalten. © Wildner


Der riesige, schwarze, glänzende Flügel auf der Bühne fiel beim betreten der Geru-Halle sofort ins Auge. Kein Wunder, dass Robert Ilg den in seiner Begrüßungsrede nicht unter den Tisch fallen ließ: Von der Firma Piano Haid "zu einem leistbaren Preis zur Verfügung gestellt", sollte er das Gitarrenfestival bereichern. Auch für die vielen Sponsoren fand das Stadtoberhaupt dankende Worte und hob neben der Baumschule Geiger, die der Geru-Halle mit Bäumen und Büschen etwas Farbe verlieh, besonders den Hauptsponsor Psorisol hervor: "Das ist euer Abend", würdigte Ilg die Hautklinik.

Mit Fotografien von Thomas Geiger an den Wänden hatte auch die Kunst Einzug in die Halle gefunden, genauso wie das Projekt "Kunst im Fluss", bei dem parallel zum Festival Kunstwerke in, an und über der Pegnitz zu finden sind. Festival-Organisator Johannes Tonio Kreusch nutzte seine Ansprache, um den Musikern zu danken, die teilweise extra aus den USA angereist waren, um ihr vielfältiges Können nach Hersbruck zu bringen. "Offenheit gegenüber neuen Ideen" war demnach auch das Motto, unter das Kreusch das Festival stellte: Als einer der Leitgedanken der Stadt Hersbruck passe der Satz zum Festival, das sich jenseits von Konventionen bewege.

Die etwas andere Gitarre

Konventionen brach schon alleine das Instrument der ersten Künstlerin auf: Der Gitarrenhals war umgedreht, sodass sich der Kopf am Ende des Korpus befand. Letzterer bestand zudem nur aus einem dicken, runden Rahmen, der wie ein Schlauch zumindest die Form einer Gitarre beschrieb. Das tat aber dem Klang und der Stimmung, die Badi Assad aus ihrem Instrument herausholte, keinen Abbruch. Im Gegenteil, sie passte in ihrer außergewöhnlichen Form einfach zu der Musikerin.

Und diese wechselte spielerisch zwischen laut und leise, schnell und langsam, leidenschaftlich und schüchtern, fröhlich und traurig – und bewies, dass nicht nur ihre Finger auf den Gitarrensaiten, sondern auch ihre Stimme Weltklasse hat. Badi Assad nahm das Publikum mit in ihr Heimatland Brasilien: Sie zeigte ihren Gästen das lebensfrohe und laute Rio de Janeiro genauso wie den geheimnisvollen Regenwald mit seiner riesigen Tierwelt.

Plötzlich schienen Affen durch die Geru-Halle zu schwingen und Vögel über die Köpfe hinweg zu fliegen, als Assad Affenschreie und Vogelgezwitscher originalgetreu nachahmte. Mit schnalzender Zunge und ungewöhnlichen Lauten sorgte die zierliche Frau für ungläubige Blicke und später begeisterten Applaus.

Dass sie ihr Land und dessen Musik liebt, war schnell zu erkennen: Bei jedem Lied ging ihr ganzer Körper mit, ob sitzend oder stehend, wandte sich, tanzte, stampfte und zeigte, wie viel Gefühl Assad einbrachte. War sie bei einem Lied, das ihren zweijährigen Leidensweg nach einer Handoperation beschrieb, in sich gekehrt, sprang sie beim nächsten wieder von ihrem Hocker und brachte brasilianische Lebensfreude nach Hersbruck.

Zum Schluss holte sie sich mit Cornelius Claudio Kreusch virtuose Klavierbegleitung auf die Bühne und stimmte so auf den zweiten Teil des Abends ein. Und der hatte es in sich: Erwartete man ruhige Töne, weil Kreusch zunächst solo auf dem Flügel spielte, um ihn "aus der Taufe zu heben", merkte man schon beim zweiten Lied mit der ganzen Band, dass die folgenden eineinhalb Stunden anders sein werden. Anders schon deshalb, weil sich außer dem Bass von Zaf Zapha keine Gitarre auf der Bühne befand. Und trotzdem passte sich das Cornelius Claudio Kreusch Trio, ergänzt durch Bobby Watson am Saxophon, in die Welt des Gitarrenfestivals ein. Und rüttelte es mit seinem New York Jazz auch gehörig auf, ganz so, wie es der Kopf des Trios vorab angekündigt hatte.

Jubel für den Jazz

Die vier nahmen vom ersten Ton an die Bühne ein, was nicht nur am furiosen Spiel von Drummer Maxime Zampieri lag: Sie spielten wild, laut, für ungeschulte Ohren manchmal schwer greifbar und irgendwie genau so, wie man sich die amerikanische Metropole vorstellt. Der Spaß auf der Bühne war den Musikern auf jeden Fall anzusehen. Besonders Kreusch schien mit den Klaviertasten zu verschmelzen, wechselte teilweise während des Liedes zwischen Flügel und Keyboard. Wenn die Instrumente nicht so unhandlich wären, wäre er wohl am liebsten aufgesprungen und hätte damit getanzt.

Als Spaßmacher bewiesen sich auch Saxophonist Bobby Watson und Badi Assad, die zum Finale noch mal auf die Bühne kam: Bei einem besonders lebensfrohen Stück amüsierten die beiden das Publikum köstlich mit ihren Albereien. Und so hielten sich die Künstler an das Motto, nämlich Grenzen aufzubrechen, und kassierten zum Schluss nicht nur Standing Ovations, sondern auch Jubelschreie begeisterter Jazz-Liebhaber. Am Sonntagabend gab es in der Hersbrucker Stadtkirche Tango mit Maximo Diego Pujol, Doris Orsan und Johannes Tonio Kreusch. 

Marina Wildner

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