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Happurger sammeln Unterschriften gegen KZ-Gedenkstätte

Am Südhang der Houbirg soll der Zwangsarbeiter und Toten gedacht werden - 13.03.2014 17:35 Uhr

Gleich unterhalb der alten Stollen ist das Mahnmal für die KZ-Opfer geplant, von hier aus geht dann die Sichtachse zum ehemaligen KZ-Gelände. Gegenüber steht bereits ein Denkmal, allerdings nicht für KZ-Opfer, sondern für die Helden der Weltkriege. © D. Seitz


Der Standort im Wohngebiet sei unpassend, argumentieren sie. Die Straßen und örtlichen Gegebenheiten verkraften keinen großen Besucheransturm, befürchten die Anwohner. Es hat lange gedauert, bis die Pläne zur Umsetzung einer Gedenkstätte umsetzbar wurden: Seit einigen Monaten ist es spruchreif: Unterhalb der alten Happurger Stollen, in denen 1944 und 45 die Häftlinge des Hersbrucker Konzentrationslagers schuften mussten, wird eine multimediale Gedenkstätte gebaut.

Auf einer Plattform soll ein Stahlbau stehen, durch dessen vorderes Ende eine Aussparung den Blick zum Platz des Hersbrucker Lagers richten soll.Von den Plänen, in der Nähe des Kriegerdenkmals die Gedenkstätte zu errichten, hat Anwohner Peter Schweighöfer erst durch einen Bekannten erfahren, als das Projekt bereits im Gemeinderat beschlossen war.

Der Geschäftsmann ging interessiert zur Gemeindeverwaltung und besorgte sich die Pläne. Zusammen mit seinem Vater, einem pensionierten Architekten aus Lauf, nahm er die Örtlichkeiten am Südring unter die Lupe.

Ort ist "unpassend"

Nicht nur, dass das Projekt im Landschaftsschutzgebiet gebaut werden soll, ließ die beiden die Stirn runzeln. Auch, dass laut den Plänen die Plattform 3,17 Meter über dem Straßenniveau und darauf ein weiterer 2,70 Meter hoher Stahlbau geplant ist - direkt neben der Straße.

"Wir sind überhaupt nicht gegen das Mahnmal", betont der Geschäftsmann.Doch am Standort Südring/Hunnenschlucht sei es denkbar unpassend, finden er und seine Unterstützer. Sie wünschen sich für eine Gedenkstätte einen würdigen Abstand zum Wohngebiet, außerdem passe sich der Stahlbau nicht in das Landschaftsbild ein, findet Schweighöfer.

Ein weiteres Problem sei die Infrastruktur Happurgs, argumentieren die Anwohner: Die Zufahrt für Busse soll laut gegenwärtiger Planungen über den Südring erfolgen. Der ist - so die Anwohner - wegen parkender Autos ohnehin nur einspurig befahrbar. Auch von einem Parkplatz für Busse und Pkw neben dem Kriegerdenkmal halten die Nachbarn wenig.

"Beim Wenden müssten die Busse rückwärts in die Hunnenschlucht zurückstoßen - kommt dann ein Parkverbot für die Anwohner?", fragt sich Schweighöfer.Hinzu kommen weitere Bedenken: Kann man im Sommer durch die grünen Baumkronen der Pegnitzauen überhaupt bis zum ehemaligen KZ-Standort schauen und erkennt der Besucher da noch viel, bei drei Kilometern Luftlinie?

Bürgermeister wehrt sich gegen Vorwürfe

An dem steilen Hang sei das Vorhaben außerdem nicht behindertengerecht und die sanitären Anlagen auf dem Friedhof zu weit weg. Auch die unmittelbare Nähe zum Kriegerdenkmal, mit dem Soldaten aus den Weltkriegen für den Heldentod geehrt werden, passe bei dem sensiblen Thema Holocaust-Opfer nicht.

Seine Nachfragen bei Gemeinderäten und Bürgermeister seien heruntergespielt worden, beklagt Schweighöfer, auch im Vorfeld der Planungen seien die Anwohner nicht mit einbezogen worden.

Happurgs Bürgermeister Helmut Brückner sieht das anders. Die Gedenkstätte sei zigmal im Gemeinderat und der Zeitung thematisiert worden. Alles sei intensiv besprochen und einstimmig beschlossen worden, so der Bürgermeister.

Für Parkplätze und die nötige Infrastruktur sei die Stiftung Bayerische Gedenkstätten zuständig, erklärt Brückner und wehrt sich gegen die Vorwürfe: "Es ist alles öffentlich und transparent behandelt worden." Er selbst könne natürlich nicht sagen, wie viele Autos und Busse zu der Gedenkstätte kommen werden. Mit einem großen Verkehrsansturm sei allerdings nicht zu rechnen.

Schweighöfer spürt Rückendeckung

Die Zweifel und offenen Fragen sollten konstruktiv mit der Gemeinde und den zuständigen Planern der Bayerischen Gedenkstätten-Stiftung besprochen werden, schlägt er vor.

Ähnlich sieht es auch Alfred Pürzer, Gemeinderat und Bürgermeisterkandidat in Happurg. Der Standort ergebe sich durch die geplante Sichtachse zum ehemaligen KZ-Außenlager Hersbruck und der Gemeinderat stehe einstimmig hinter dem Projekt.

Etwas unbefriedigend sei die Toilettennutzung am Friedhof: "Hier muss noch nach einer anderen Lösung gesucht werden", sagt er. Bedenken hinsichtlich der Verkehrsbelästigung könne Pürzer sehr wohl verstehen. Er glaubt aber nicht an einen immensen Besucherandrang.

Peter Schweighöfer will weiterhin Unterschriften sammeln und sie nach der Wahl Bürgermeister und Gemeinderat übergeben mit der Bitte, sich der Angelegenheit nochmals genauer anzunehmen. "Wenn die Zuständigen auf uns zukommen, werden wir nicht blockieren", sagt Schweighöfer. Dennoch bleibt er bei seinem Nein zum Standort und spürt Rückendeckung aus der Nachbarschaft. "60 Unterschriften haben wir schon, und es werden noch viel mehr", ist er sich sicher. 

David Seitz

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