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Helfer bei seelischen Strapazen

Langzeitwohnheim für psychisch Kranke hofft auf ehrenamtliche Paten - 23.10.2010 15:26 Uhr

Jetzt heißt es Kisten schleppen: Mechthild Holzapfel und Anita Schmutzler beim Umzug.

Jetzt heißt es Kisten schleppen: Mechthild Holzapfel und Anita Schmutzler beim Umzug. © Porta


„Ich fühle mich nicht gut, ich bin so unruhig, hoffentlich schaffe ich das.“ Wer kennt nicht solche Situationen. Im Don-Bosco-Haus müssen viele Bewohner mit diesem Gefühl leben lernen. Die Belastungen, die eine psychische Erkrankung mit sich bringt, erschweren auch den Zugang zu sinnvollen Freizeitbeschäftigungen.

Vor allem fällt es schwer, familiäre und freundschaftliche Beziehungen aufrechtzuerhalten. Das Fehlen sichtbaren Glücksgefühls, die Zurückgezogenheit und der Mangel an Motivation bleiben Außenstehenden oft unverständlich und sie brechen nicht selten die Kontakte ab.

Die Mitarbeiter des Don-Bosco-Hauses wissen um diese Not, sie machen aber auch die Erfahrung, dass ein gutes Miteinander, eine vertrauensvolle Beziehung und positive Erlebnisse im Alltag die Schwierigkeiten überwinden helfen. „Eine unbeschwerte Stunde in einem Café, ein Spaziergang im Grünen, ein Besuch im Schwimmbad oder auch nur die Erfahrung, dass jemand regelmäßig nach mir schaut, schenken Freude, geben neuen Sinn und stärken das Selbstwertgefühl“, weiß Mechthild Holzapfel.

„Das ist für alle eine riesige Herausforderung"

Sie und die anderen Mitarbeiter des Don-Bosco-Hauses versuchen, solche Freizeitunternehmungen möglichst regelmäßig in den Alltag einfließen zu lassen. Das ist in den kommenden Wochen jedoch sehr schwierig. Wie berichtet, zieht die gesamte Einrichtung Anfang November in das Haus der Landwirtschaft in der Amberger Straße um.

Das vertraute Heim in der Gartenstraße 23 wird neu gebaut beziehungsweise renoviert. „Dies ist für alle eine riesige Herausforderung und es mangelt mehr und mehr an Zeit für Unternehmungen zu zweit, die den einzelnen stärken und halten“, sagt Anita Schmutzler.

Ein neues Konzept: die Patenschaft durch ehrenamtliche Mitarbeiter

Deshalb setzt die Caritas gerade in diesen Tagen auf ein neues Konzept - die Patenschaft durch ehrenamtliche Mitarbeiter. Das soll so manchem Bewohner gerade jetzt - und „möglichst auch über den Umzug hinaus“ (Holzapfel) - eine neue Perspektive eröffnen, ihm einen Menschen an die Hand geben, der ab und zu ein oder zwei Stunden seiner Freizeit mit ihm verbringt und ihm dadurch den Kontakt in die Stadt und die Teilhabe am Leben außerhalb des Heims erleichtert, mitunter sogar erst eröffnet. Schmutzler: „Das kann bei der gemeinsamen Tasse Tee ebenso sein wie beim Ausflug in den Tiergarten.“

„Kern der Sache“, so Mechthild Holzapfel, ist die persönliche Beziehung zwischen Heimbewohner und Ehrenamtlichem, der vor allem eine gehörige Portion Geduld mitbringen sollte. Der „Pate“ sei übrigens nicht nur „Geber“, sondern auch „Nehmer“. Immerhin bereichere eine solche Partnerschaft beide Seiten, denn in einer neuen Beziehung lerne auch der Helfer sich selbst besser kennen mit „seinen Grenzen, Stärken und Schwächen“, sagen die beiden Caritas-Mitarbeiterinnen.

Wer mehr über die geplanten Patenschaften wissen möchte, kann sich an Anita Schmutzler und Mechthild Holzapfel wenden. Sie sind montags bis freitags von 8.30 bis 12.30 Uhr sowie montags bis mittwochs von 13 bis 17 Uhr unter Telefon 09151/8309-14 erreichbar.

  

kp/db

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