14°

Donnerstag, 20.09.2018

|

Hersbruck: Behelfskonstruktion ersetzt marode Brücke

Ersatzbrücke ab Ende Juli - Unannehmlichkeiten für Verkehr und Bewohner - 11.06.2018 12:20 Uhr

Die Hersbrucker Kuhpegnitzbrücke wird abgerissen und neu gebaut, vorher entsteht links von Lothar Grimm, Klaus Knüpfer und Robert Ilg (von links) eine Ersatzkonstruktion über das "Flussdelta" am Wasertor. © Jürgen Ruppert


 Die Erneuerung der Hersbrucker Verkehrsschlagader geschieht von März 2019 bis Mitte 2021, sagte Planer Klaus Knüpfer dem Bauausschuss des Stadtrates. Wie berichtet, ist die aus den 1950ern stammende Überquerung des breiten Pegnitzarms so marode, dass nur die Möglichkeit Abriss bleibt. "Wir haben eine zweite Meinung eingeholt, doch derartige Spannbetonbauwerke sind nicht zu retten", sagte Bürgermeister Robert Ilg bei einem Ortstermin. Die Lebensdauer der jetzigen Kuhpegnitzbrücke wurde durch eine Überwachung mit Sensoren und eine Lastbegrenzung auf 20 Tonnen je Spur künstlich verlängert.

Auf den ersten Blick dürften Laien sagen, dass der nur 15 Meter lange Verkehrsknotenpunkt abgebrochen und rasch neu gebaut werden soll. Aber so einfach ist das Projekt nicht. Knüpfer schätzt diesen Zeitraum auf etwa 27 Monate. Die Gründe sind unterschiedlich und reichen von Altlasten über einen Mittelpfeiler bis zum Durchfluss der Pegnitz.

16.000 Fahrzeuge pro Tag

Robert Ilg und Stadtbaumeister Lothar Grimm war klar, dass während der Bauphase ein Ersatz kommen muss - eine annähernd gleichwertige Alternative fehlt. Neben dem Verkehrsaufkommen von an die 16.000 Fahrzeugen pro Tag, vielen Radlern und etlichen Fußgängern dachten sie vor allem auch an die Rettungsdienste wie BRK und Feuerwehr.

Allerdings kristallisierte sich bald heraus, dass nur eine Möglichkeit bleibt: eine Behelfsbrücke zwischen der jetzigen Kuhpegnitzbrücke und der Psorisolinsel. Die Fachleute schauten zum Beispiel, ob ein Durchstich zum Untermühlweg möglich ist. Doch die Flächen dort sind verbaut oder nicht in städtischem Eigentum. Auch eine völlig neue Verkehrsführung - neue Brücke neben der alten - wurde andiskutiert, allerdings nur kurz. Denkmalschutz und Wasserschutz waren dagegen. Außerdem wollten Hersbrucks Verantwortliche die Sichtachse - in Richtung auf das Wahrzeichen Wassertor - erhalten.

Klaus Knüpfer zeigte im Bauausschuss, wie die Behelfskonstruktion aussehen wird. Sie besteht aus Stahlsegmenten, hat zwei Fahrspuren à 30 Tonnen, einen Gehweg für Fußgänger und Radfahrer und berücksichtigt eventuelle kleinere Hochwasser. Die Arbeiten für den Ersatz beginnen heuer Ende Juli mit der Baustelleneinrichtung. Zuerst entstehen die Widerlager (Brückenauflagen) an den Ufern und ein Mittelpfeiler.

Vollsperrung für einige Tage

Autokräne müssen die schweren Brückenteile einheben. Dazu ist eine Vollsperrung über zwei oder drei Tage nötig, sagte der Ingenieur. Laut Zeitplan wird der Verkehr Ende März auf das "Provisorium" umgeleitet. Ab April 2019 erfolgt dann der Rückbau der jetzigen Kuhpegnitzbrücke und auch von Resten der Vorgängerkonstruktion. Das Material ist Sondermüll, darf nicht in die Pegnitz fallen und muss deshalb Stück für Stück ausgeschnitten und weggehoben werden. Das dauert rund sechs Wochen.

Bis Mitte 2020 kommen dann erst am Südufer und dann am Nordufer die neuen Widerlager (Auflageflächen) und ein Mittelpfeiler. Spundwände schützen die Arbeiter vor dem Wasser, der Pegnitzgrund wird teilweise zur Arbeitsebene. Sobald die Stützen stehen, folgt der Überbau, so dass bis ungefähr im Juni 2021 die neue, formschöne Gewölbebogenbrücke eingeweiht werden kann.

Knüpfer verhehlte nicht, dass es während der Bauzeit Einschränkungen gibt. Die Zufahrt zum Plärrer ist wegen der Höhe der Behelfsbrücke nur von der Schulseite aus möglich. Die Ausfahrt aus dem Wassertor wird während Straßenbauarbeiten gesperrt.

Robert Ilg wies darauf hin, dass das Staatliche Straßenbauamt parallel zur Kuhpegnitzbrücke die über Hersbruck führende B 14-Stelzenbrücke sanieren lässt. Die Terminpläne wurden abgesprochen. Trotzdem wird es zu zusätzlichen Verkehrsproblemen kommen, insbesondere in den Sommerferien 2019, wenn die B 14-Stelzenbrücke komplett gesperrt wird. Der Bau des Kreisverkehrs am Henfenfelder Knoten muss vermutlich noch warten.

Kosten steigen

Wenig erfreut sind Ilg und die Stadträte angesichts der Kosten, die für die Haushaltskonsolidierung einen großen Rückschlag bedeuten. Zwar beteiligt sich der Freistaat Bayern prozentual und nicht mit einem Festzuschuss. Doch die Preise im ausgelasteten Bausektor steigen und steigen. Selbst der "Behelfsbrückenmarkt" ist ausgebucht. Auf die deutschlandweite Ausschreibung für die Konstruktion meldeten sich nur zwei von über zehn Anbietern. Die ursprüngliche Schätzung von 500.000 bis 800.000 Euro Kosten reicht nicht.

"Wie ein Blick in die Glaskugel", sagte der Rathauschef über die Ausgaben für die neue Brücke und nannte deshalb keine Zahlen. Immerhin gelang es, einige erste Posten günstig und ohne großen Stress zu erledigen. Zwei "störende" 20.000-Volt-Stromleitungen des Versorgers Hewa kamen unter die Pegnitz, ebenso wie Glasfaserkabel der Telekom.

Robert Ilg und Stadtrat Norbert Thiel gaben unumwunden zu, dass das Großprojekt viele Unannehmlichkeiten verursacht: "Es ist keine populäre Maßnahme." Betroffen sind zum einen die Verkehrsteilnehmer, zum anderen aber auch in Form von Lärm die Anwohner und Patienten der Psorisol. Das Stadtoberhaupt und Norbert Thiel appellierten an die Bürger, die Maßnahme trotz der Einschränkungen und Belastungen mitzutragen. "Wir können uns nicht erlauben, so lange abzuwarten, bis die Kuhpegnitzbrücke nachgibt", sagte Robert Ilg. 

Jürgen Ruppert

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Hersbruck