14°

Mittwoch, 26.09.2018

|

zum Thema

Kinderpornos verbreitet: Mann aus Nürnberger Umland verurteilt

Täter legte vor Schöffengericht ein vollumfassendes Geständnis ab - 26.08.2018 11:48 Uhr

Hier, vor dem Hersbrucker Amtsgericht, wurde der Prozess verhandelt. © Thomas Kohl


Zwar bat die Anwältin von Manuel K. (Name geändert) sofort um ein Verständigungsgespräch, nachdem der Staatsanwalt die Anklageschrift verlesen hatte. Jedoch schienen sich die Parteien trotz einer halben Stunde Diskussion hinter verschlossenen Türen nicht einig geworden zu sein: Richter André Gläßl setzte die Verhandlung schließlich fort.

Nach einer gescheiterten Beziehung sei er über "normale" Pornos zu solchen mit Kindern gekommen, sagte der 43-Jährige. Auf verschiedenen Datenträgern fand man bei ihm laut Anklage sowohl im Sommer 2016 als auch im Herbst 2017 mehrere Bilder, die Kinder in sexuellen Posen zeigen. Auch über Skype soll Manuel K. anderen Nutzern Dateien geschickt haben. Er war deshalb sowohl wegen des Besitzes als auch der Verbreitung von pornografischen Schriften angeklagt. Die Verhandlung im Amtsgericht Hersbruck verfolgte er still, in angespannter Haltung, mit verschränkten Fingern und Beinen. Seine Unsicherheit war ihm anzusehen.

Wohl auch deshalb übernahm seine Anwältin überwiegend das Reden. Sie erklärte, dass ihr Mandant die Tat komplett gesteht, und wies darauf hin, dass er sich bei der Stadtmission Nürnberg für einen Beratungstermin gemeldet habe. Auch habe er jeglichen Kontakt zu anderen beteiligten Nutzern im Internet abgebrochen.

Geständnis ist lobenswert

Recht zügig kam der Staatsanwalt zu seinem Plädoyer. Er rechnete dem 43-Jährigen dessen Geständnis an, aber auch, dass die Taten schon relativ lange zurückliegen und er seitdem und vorher nicht straffällig geworden ist. Trotzdem müsse man den langen Zeitraum, in dem der Angeklagte die Bilder immer wieder verschickte, berücksichtigen. Außerdem sei auf manchen Fotos auch schwerer sexueller Missbrauch zu erkennen gewesen. Der Staatsanwalt plädierte deshalb auf eine Freiheitsstrafe von drei Jahren ohne Bewährung.

Die Anwältin nutzte ihr Plädoyer, um der gespannt lauschenden Schulklasse im Zuhörerraum einige Erklärungen zu liefern: So hätten sich schon einige ihrer früheren Mandanten gewundert, wieso bereits das Ansehen solcher Bilder hart bestraft werden kann. Aber dadurch entstehe erst ein Markt, der die Nachfrage sichert, erklärte sie.

"Kooperativ", über die komplette Verhandlung hinweg

Sie betonte, dass sich ihr Mandant im Verlauf der Ermittlungen "kooperativ" verhalten und keine Vorstrafen vorzuweisen habe. Außerdem sei er schon vorher „deutlich von dem Verfahren beeindruckt“ gewesen, habe nicht mehr geschlafen und sei unkonzentriert bei seiner Arbeit gewesen. Wiederholt verwies sie auf das Termingesuch bei der Stadtmission und prangerte gleichzeitig an, dass es viel zu wenige solcher Beratungsstellen gebe. Das Thema würde in der Gesellschaft noch zu sehr "totgeschwiegen".

Auch betonte sie, dass Manuel K. im Vergleich zu anderen Fällen auf die lange Zeit gesehen "relativ wenige" Daten heruntergeladen habe. Hier müsse ein gewisser Gleichbehandlungsgrundsatz gelten. Eine Freiheitsstrafe von eineinhalb bis zwei Jahren auf Bewährung hielt sie deshalb für angemessen. Außerdem sei die schnelle Beratung durch eine geeignete Stelle als Auflage nötig.

Positive Sozialprognose

In seinem Urteil hielt Richter André Gläßl dem Angeklagten sein Geständnis und die fehlenden Vorstrafen zu Gute. Auch bescheinigte er ihm eine positive Sozialprognose, weil er einer Arbeit nachgeht und um die Aufarbeitung seiner Taten bemüht sei. Trotzdem müsse berücksichtigt werden, dass er die besagten Bilder nicht nur heruntergeladen, sondern auch mit anderen ausgetauscht hatte.

Gläßl verurteilte den Mann deshalb zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und setzte sie zur Bewährung auf fünf Jahre aus. Außerdem muss Manuel K. 2000 Euro an den Kinderschutzbund in Nürnberg zahlen, eine Therapie machen und bekommt einen Bewährungshelfer zur Seite. Die Geräte, auf denen die Bilder gespeichert sind, werden eingezogen. "Gerade noch" habe er die Bewährung bekommen, erklärte Gläßl und gab dem Angeklagten zu verstehen, dass er dies als Chance betrachten sollte. 

Marina Wildner

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Hersbruck