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Dienstag, 22.05.2018

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Klinikum zieht in Hersbruck Pflegekräfte ab

Die Intensivstation ist vom Netz - Schlechte Stimmung im Krankenhaus - 24.04.2018 14:29 Uhr

Rettungswagen fahren das Hersbrucker Krankenhaus nur noch für Patiententransporte an. © Michael Scholz


Wie Belegärzte berichten, ist die Intensivstation des Hersbrucker Krankenhauses seit 1. April nicht mehr im "Ivena eHealth"-System der Leitstelle Nürnberg zu finden. Das heißt: Im Notfall fährt der Rettungsdienst das Hersbrucker Krankenhaus nicht mehr an. Die Stimmung in der Klinik ist deshalb nicht die beste, auch weil Unklarheit darüber herrscht, was das konkret bedeutet, wenn jetzt - trotz Personalengpass in der Pflege allgemein - Stellen wegfallen.

Das Klinikum, zu dem das Hersbrucker Krankenhaus gehört, argumentiert mit zu geringen Fallzahlen in Hersbruck und zu hohen Kosten. Die Streichungen von 39,23 auf 34,12 Pflegekräfte und von sechs auf vier Intensivbetten seien eine "Anpassung an die aktuellen Anforderungen und den tatsächlichen Bedarf". So werde eine "qualitativ hochwertige allgemein-internistische Versorgung in den nächsten Jahren" sichergestellt. Das Klinikum stehe zu seinem Wort, "in den nächsten Jahren das Krankenhaus Hersbruck weiter zu betreiben", heißt es.

Patientenzahlen für Hersbruck

Erstmals lieferte das Klinikum nun aber so etwas wie einen Rahmen zu den Patientenzahlen für Hersbruck: Demnach waren es stationär zuletzt 3184 gegenüber 3391 im Jahr 2013. Im selben Zeitraum seien die Belegungstage von 18.628 auf 16.808 gesunken. Auch die für den stationären Erlös relevanten Casemix-Punkte seien von 1946 auf 1817 zurückgegangen. Dieser Index steht für die Schwere der Fälle und den damit verbundenen wirtschaftlichen Aufwand.

Aufhorchen lässt ein weiterer Wert: 2017 habe der Personalaufwand für Pflege in Hersbruck "um mehr als ein Drittel über dem vom Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) errechneten und für die Vergütung entscheidenden Referenzwert gelegen", hieß es in der Antwort des Klinikums. Darauf beziehen sich die Nürnberger jetzt. Die Krankenhausleitung habe - so die Quintessenz - letztlich auf geringere Leistungszahlen in Hersbruck reagiert.

Betten-Belegung ist zurückgegangen 

Dies gelte auch bei den Intensivbetten: Seit 2015 sei die durchschnittliche Belegung der sechs Betten von 4,5 auf 3,8 zurückgegangen. 2017 sei überhaupt kein Patient in dieser Fallkategorie abgerechnet worden. Dies liege "an den fehlenden Strukturvoraussetzungen für eine Intensivstation", schreibt das Klinikum.

Aus seiner Sicht entsprach die personelle Ausstattung der Intensivstation "in den letzten Jahren nicht der erbrachten Leistung". Obwohl im Jahr 2017 drei Beatmungsgeräte rund um die Uhr bereit standen, seien sie nur zu zwei Prozent ausgelastet gewesen. Die Beatmungsstunden seien von 2519 auf 516 Stunden gesunken. Alleine das vorgehaltene Personal habe die Krankenhäuser Nürnberger Land GmbH "jährlich ungedeckte 625.000 Euro" zusätzlich gekostet.

Eng verzahnt und gut funktionierend

Auf Unverständnis stößt bei den Belegärzten eine weitere Aussage des Klinikums: Seit Jahren halten sie unter hohem persönlichen Einsatz ein eng verzahntes, gut funktionierendes medizinische Notfallversorgungssystem in der Hersbrucker Schweiz am Laufen. Trotz dieses bekannten Hintergrunds stellt das Klinikum nun die medizinische Qualität bei einer invasiven Beatmung - aber auch ausdrücklich nur für diese Fälle - in Frage:

Zwar seien hier gut ausgebildete Ärzte und Krankenpfleger vorhanden, ihnen fehlten aber "ein routinierter Umgang" sowie "eine gewisse Mindestmenge an Behandlungsfällen". Dies liege an den geringen Fallzahlen invasiv beatmungspflichtiger Patienten. So sei diese medizinische Versorgung "in der notwendigen Qualität in Hersbruck nicht mehr rund um die Uhr sichergestellt". Eine Verlegung nach Lauf sei dann die logische Folge.

Auf die Frage, wie es um die Versorgung bei einer notwendigen Beatmung seit Anfang April aussehe, antwortet die Pressestelle des Klinikums Nürnberg: "Im Krankenhaus Hersbruck verbleibt weiterhin eine Beatmungsmaschine für Notfälle oder für nicht invasive Beatmung im Krankenhaus.“ 

KATJA BUB/ MICHAEL SCHOLZ

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