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KZ-Stollen in Happurg: Hier bröckelt NS-Geschichte

Gestein ist mürbe - Ausgedehnte Sicherheitsmaßnahme ist geplant - 23.09.2016 06:00 Uhr

In den letzten Jahren haben nur wenige Menschen Einblick in die Stollen des Doggerwerks bekommen.

In den letzten Jahren haben nur wenige Menschen Einblick in die Stollen des Doggerwerks bekommen. © Silvia Wawarta


In der Houbirg bei Happurg befindet sich bis zum heutigen Tag eines der geheimen Rüstungsprojekte des Dritten Reiches: das Doggerwerk. Es wurde ab 1944 maßgeblich von den KZ-Häftlingen des KZs Hersbruck – einer Außenstelle von Flossenbürg – unter unmenschlichen Bedingungen in eine 28 Meter hohe Sandsteinwand im Fels getrieben.

Ziel war es, kriegswichtige Industrie, in diesem Fall die BMW-Motorenwerke – unter Tage zu verlegen. Es wurde also auch an einer logistischen Anbindung des Werkes durch eine Schmalspurbahn gearbeitet. Vorsichtigen Schätzungen zufolge überlebten mindestens 3500 KZ-Häftlinge den Arbeitseinsatz von Frühjahr 1944 bis Kriegsende nicht.

Der Vortrieb im Berg erfolgte durch Bohrungen, die mit schweren Presslufthämmern und Meißeln in den Fels getrieben wurden. In diesen Bohrungen wurde Sprengstoff platziert und zur Detonation gebracht. Auf diese Weise wurden innerhalb von gut einem Jahr rund 3,9 Kilometer Stollen in den Berg getrieben.

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Doggerwerk bei Happurg: Wo der Berg die Menschen fraß Doggerwerk bei Happurg: Wo der Berg die Menschen fraß
Doggerwerk bei Happurg: Wo der Berg die Menschen fraß

Kaum jemand hat das Doggerwerk bei Hersbruck in den vergangenen Jahren betreten. Das unvollendete unterirdische Rüstungsprojekt der Nazis, das viele tausend KZ-Häftlinge das Leben kostete, ist aktuell stark einsturzgefährdet. Wir haben einen Blick in den Stollen geworfen - und Bilder gemacht.


Die Häftlinge schafften rund eine halbe Million Tonnen Abraum aus den Tunneln. Die SS-Bauleitung sah vor, dass die gesprengten Tunnel relativ zeitnah mit Beton verschalt werden sollten, was aber nur in einem relativ geringen Teil der Anlage erfolgte.

Deswegen ist ein Großteil des Doggerstollens auf einer Fläche von rund 10.000 Quadratmetern stark einsturzgefährdet, es herrscht striktes Betretungsverbot. Die Haftung für die Gefahr, die vom Hohlraum der Anlage ausgeht, liegt durch das Allgemeine Kriegsfolgegesetz heute beim Bund.

Bereits 2002 wurde eine umfangreiche Sicherungsmaßnahme durchgeführt, in deren Verlauf auch nur ein einziger Zugang zu dem Stollensystem verblieb. Im Frühjahr 2017 wird nun unter Federführung der Staatlichen Bauamtes Nürnberg im Auftrag der zuständigen Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) eine weitere Baumaßnahme erfolgen, die ab Herbst in Vorbereitung ist. Rund 1,8 Millionen Euro wird die Verfüllung einiger Produktionsstollen kosten. 

Sebastian Linstädt

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