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Malerei in der NS-Zeit: Ausstellung im Kunstmuseum

Dunkle Stunden der regionalen Kunst in Hersbruck ausgestellt - 27.09.2017 13:14 Uhr

Die Nachdenklichkeit und traurige Mimik der Frau aus dem Detail "Im Strudelbad" der Rathausbemalung 1937 hat ihre Bedeutung. © Ute Scharrer


Gekämpft, gehofft und nicht immer wieder auf die Beine gekommen: So lassen sich die Lebens- und Karriereträume der Künstler beschreiben, denen das sogenannte Dritte Reich mehr als nur einen Knick in ihrer Vita bescherte. Um 1900 geboren, stürzten sie sich nach ihrem Kunststudium in die wilde Welt der modernen Malerei – und wurden durch die politischen Ereignisse zu Beginn ihrer Karriere jäh ausgebremst. Stromlinienförmige, gefällige Malerei war seit Beginn des Naziregimes gefragt, die Meldung in der Reichskammer der Kunst für die Ausübung des Berufs war obligatorisch.

Eine Ausstellung im Kunstmuseum Hersbruck sieht sich Lebensläufe der in der Region tätigen Künstler, die Werke der heute „Verschollene“ Genannten und vor allem die fast vergessene Bemalung der Hersbrucker Rathausfassade genauer an. Denn nicht für jeden der behandelten Maler bedeuteten die politischen Entwicklungen das Ende seiner künstlerischen Karriere.

Großes Hakenkreuz am Turm

Erich Kohout erhielt 1935 den Auftrag, die Fassade des Rathauses von Hersbruck zu bemalen. Zusammen mit seinem Kollegen Eitel Klein konnte er 1937 das größte Wandgemälde Nordbayerns enthüllen. Der damalige Bürgermeister Georg Sperber wollte in den Fresken die NS-Herrschaft als Höhepunkt der Hersbrucker Stadtgeschichte glorifiziert sehen. Deswegen war auch ein weithin sichtbares Hakenkreuz oben am Turm angebracht.

Doch Klein und Kohout drückten ihren Protest gegen das Regime auf subtile Weise aus. Zwar folgten sie mit der Bauern- und Erntethematik äußerlich der Ideologie der Nationalsozialisten, stilistisch und in der tief sitzenden Melancholie der eigentlich feiernden Figuren war ihre Opposition allerdings deutlich spürbar – eine nicht ungefährliche Gratwanderung. Der Rathausbrand von 1945 machte dem interessanten Gemälde, das sogar ein paar durchaus provokante Aktbilder von Badenden „im Strudelbad“ enthielt, ein Ende.

Arbeiten der Künstler Fritz Burkhardt und Eduard Aigner, beide in Hersbruck aufgewachsen, sind im Obergeschoss des Museums ebenso wie die Bilder von Ernst Pflaumer, unermüdlicher künstlerischer Chronist des "Fränkischen" und ehemaliger Leiter des Hirtenmuseums, zu sehen. Ohne die Schenkungen und Leihgaben der Sammler Enser und Gutberlet wäre die Ausstellung nicht so sehenswert.

Zeitzeugen gesucht

Wegen des großen Besucherandrangs bei der Vernissage legt das Team um Museumsleiter Uli Olpp Interessierten den von Rauschert fachkundig geschriebenen und von Angelika Eisenbrand sehr schön gestalteten Katalog ans Herz. Genauso wie sein Vorgänger enthält dieser eine Fülle historisch wertvoller Fotografien sowie Auszüge aus den Tagebüchern der Maler. Beide Kataloge gibt es im Museum und in der Buchhandlung Lösch für je 25 Euro zu kaufen.

Das Museumsteam sucht weiterhin nach Zeitzeugen, die sich an die Rathausbemalung und die damaligen Umstände erinnern und bereit wären, in einer gesonderten Veranstaltung davon zu erzählen. Auch weitere Bilder von der Rathausbemalung würde das Team des KMH gerne für seine Forschung an dem Thema scannen und digital archivieren. Wer solche besitzt oder etwas beitragen möchte, kann sich per E-Mail an info@kunstmuseum-hersbruck.de melden.

Die Ausstellung ist Mittwoch bis Samstag von 15 bis 18 Uhr und Sonntag von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. 

Ute Scharrer

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