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Menschenkette gegen Brandstifter: Vorra setzt Zeichen

Nach Brandanschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte ist die Solidaridät groß - 15.12.2014 07:22 Uhr

Zeichen gegen Fremdenhass: Am Sonntag bildeten zahlreiche Bürger in Vorra eine Menschenkette.

Zeichen gegen Fremdenhass: Am Sonntag bildeten zahlreiche Bürger in Vorra eine Menschenkette. © David Ebener


Bereits am Samstag hatten mehrere 100 Menschen in Vorra demonstriert. Unterdessen suchte die Polizei weiter nach den Tätern. "Die Maschinerie läuft auf Hochtouren", sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelfranken am Sonntag. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hatte am Samstag am Rande des CSU-Parteitags in Nürnberg erklärt, die Ermittler "arbeiten so schnell wie möglich und sehr penibel". Er warnte aber davor, mit allzu raschen Ergebnissen zu rechnen. Die Ermittlungen seien sehr aufwendig.

Unbekannte hatten am späten Donnerstagabend in dem 1700-Einwohner-Ort einen als Flüchtlingsunterkunft umgebauten Gasthof samt Scheune sowie ein frisch renoviertes Wohnhaus in Brand gesteckt. Auf einem Nebengebäude sprühten die Unbekannten eine Naziparole sowie zwei Hakenkreuze. Alle Gebäude liegen im Zentrum des idyllischen Ausflugsorts. Auf Drängen der Polizei ließ die Gemeinde noch am Samstag die von den unbekannten Tätern an eine Hauswand gesprühten rechtsextremen Parolen überstreichen.

In München sprühten Unbekannte unter anderem ein Hakenkreuz an ein Parteibüro der "Linken". Nach Angaben der Polizei sind inzwischen etliche Hinweise bei der 20-köpfigen Sonderkommission "Vorra" eingegangen. Auch dem Verdacht, hinter der Tat könne möglicherweise eine mutmaßliche rechtsextreme Gruppe stecken, die sich seit längerer Zeit in einem Wochenendhaus nahe Vorra trifft, werde nachgegangen.

Die Ermittler hoffen daneben auf Hinweise aus der Bevölkerung. Für Hinweise zur Aufklärung der Tat wurde zudem eine Belohnung von 5000 Euro ausgesetzt.

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Nach dem Brandanschlag in Vorra Nach Brandanschlägen von Vorra Nach Brandanschlägen von Vorra
Hand in Hand gegen den Hass: Vorra solidarisiert sich

Der Schock über den Brandanschlag auf Flüchtlingshäuser sitzt bei den Bürgern in Vorra noch tief. Plötzlich ist ihre Heimat deutschlandweit bekannt, von der "Schande von Vorra" war die Rede. Mit mehreren Aktionen wollten die Einwohner ein klares Zeichen setzen, sie alle wollen deutlich machen: Die Tat, die vermutlich einen rechtsextremen Hintergrund hat, geschah nicht in unserem Namen.


Gottesdienst und Menschenkette

Am Sonntagvormittag trafen sich zahlreiche Bürger von Vorra zum Solidaritätsgottesdienst in der evangelischen Kirche. Der Nährboden für dumpfe braune Parolen müsse ausgetrocknet werden, sagte der Nürnberger Regionalbischof Stefan Ark Nitsche in seiner Predigt. "Vorra ist in den vergangenen Tagen noch enger zusammengewachsen", sagte Pfarrer Björn Schukat. "Wir in Vorra lassen uns nicht unterkriegen". Man wolle sich weiter in der Flüchtlingshilfe engagieren.

In der Kirchengemeinde hatte sich eigens ein Arbeitskreis gegründet, als bekannt wurde, dass Flüchtlinge nach Vorra kommen sollten. Die Gemeindemitglieder hatten bereits ein Willkommensfest für die Asylsuchenden geplant. "Wir werden jetzt nicht resignieren", betonte Schukat. Nach dem Solidaritätsgottesdienst zogen die Gläubigen zu dem ehemaligen Gasthaus, das in Brand gesteckt worden war, und umringten den Bau.

Der Ratspräsident der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hatte am Samstagabend Vorra besucht. Er forderte dazu auf, gegen Ausländerfeindlichkeit «ganz klar Flagge zu zeigen». "Wir müssen alle deutlich machen: So was hat hier nichts zu suchen".

CSU-Chef Horst Seehofer wies unterdessen den Vorwurf der Grünen zurück, seine Partei trage indirekt eine Mitschuld an dem Brandanschlag. "Wer uns als Sympathisanten oder Verursacher darstellt, der grenzt sich für mich als Gesprächspartner aus", sagte Seehofer am Rande des CSU-Parteitags.

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dpa, sh

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